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Viele Hürden 13.05.2021 23:20:00

Netflix hat grosse Ziele in Indien - doch es gibt Schwierigkeiten zu bewältigen

Netflix hat grosse Ziele in Indien - doch es gibt Schwierigkeiten zu bewältigen

Das Bollywood-Land Indien ist mit seinen knapp 1,4 Milliarden Einwohnern und der florierenden Filmlandschaft ein interessanter Zielmarkt für Streamingdienste wie Netflix. Das sich bietende Potenzial ist immens und so sind auch die Langfristziele von Netflix in Indien sehr ehrgeizig. Doch mehrere Probleme drohen nun, das Erreichen dieser Ziele zu verzögern.

• Netflix will in Indien 100 Millionen Abonnenten erreichen
• Corona-Pandemie bremst Produktion von Original-Filmen
• Strengere Regulierungen nach Kritik an unangemessenen Inhalten

Laut einer Studie von PwC, die "Mint" vorliegt, ist Indien der am schnellsten wachsende Streaming-Markt der Welt und soll - mit einer erwarteten jährlichen Wachstumsrate von 28,6 Prozent - bis 2024 sogar zum sechstgrössten weltweit aufsteigen. Rund 2,9 Milliarden US-Dollar an Umsatz sollen dann laut der Prognose von PwC auf diesem Markt generiert werden. Für Streamingdienste wie Netflix ergibt sich somit ein immenses Potenzial, das der US-Konzern bereits seit einigen Jahren für sich zu nutzen versucht. Doch in jüngster Vergangenheit lief dabei nicht alles glatt.

Ambitioniertes Ziel in weiter Ferne

Netflix ist seit 2016 in Indien verfügbar und tritt dort gegen starke - und meist auch günstigere - Konkurrenten wie Amazon oder Hotstar an, das mittlerweile zu Disney+ gehört. Nichtsdestotrotz sprach CEO Reed Hastings bereits im Jahr 2018 davon, dass das langfristige Ziel das Erreichen von 100 Millionen Abonnenten in Indien sei. Allerdings wisse man, dass Indien kein einfacher Markt sei, ergänzte Netflix-CFO David B. Wells damals im Rahmen einer Telefonkonferenz zu den Zahlen des dritten Quartals 2018 - und er sollte damit offenbar Recht behalten. Denn wie "QUARTZ" berichtet, kam Netflix im Dezember 2020 gerade einmal auf rund 5 Millionen Abos in Indien. Damit die anvisierte Zielmarke erreicht wird, müsste der US-Streamingdienst seine Kundenzahl also noch einmal verzwanzigfachen. Das dürfte noch einige Zeit in Anspruch nehmen, zumal die Pläne von Netflix nun durch Corona-Pandemie und Politik einige Dämpfer erhielten.

Netflix leidet unter Produktionsstopp in Indien

Die Corona-Pandemie hat der Filmindustrie und auch den Eigenproduktionen der Streaminganbietern mit vielerorts erzwungenen Produktionsstopps einen Dämpfer verpasst. Doch mittlerweile produziere Netflix wieder in allen grossen Märkten - mit der Ausnahme von Brasilien und Indien, sagte Netflix-CEO Hastings im Rahmen der Telefonkonferenz zu den jüngsten Quartalszahlen. Wie lange Netflix noch warten muss, bis mit der Filmproduktion in indischen Städten wie Delhi, Lucknow oder Mumbai - der Heimat des Bollywood - wieder begonnen werden kann, ist laut "QUARTZ" unklar. Immerhin wütet die COVID-19-Pandemie in Indien mit täglich nahezu 400.000 Neuinfektionen momentan so stark wie nie.

Laut dem Online-Medium könnte das Timing für Netflix kaum schlechter sein, denn der Konzern hatte gerade erst begonnen, bei den indischen Eigenproduktionen Momentum aufzubauen. Erst seit 2018 investierte der Konzern mehr in lokale Produktionen aus dem südasiatischen Land und setzte vermehrt auf Inhalte in lokaler Sprache, nachdem zuvor die Mehrheit der Angebote in der Amtssprache Englisch gehalten war. Für 2021 hatte Netflix nun eigentlich mehr als 40 indische Originalproduktionen angekündigt. Diesem Plan steht jetzt allerdings die coronabedingte Produktionspause im Weg.

Netflix auf Kollisionskurs mit indischer Kultur

Doch auch aus Indiens Politik kommt Gegenwind für Netflix und Co., nachdem mehrere Zuschauer anstössige oder vulgäre Szenen in Eigenproduktionen kritisiert hatten. So geriet laut "QUARTZ" unter anderem die Netflix-Serie "Der Pate von Bombay" - die bis dato erfolgreichste Eigenproduktion in Indien - unter Beschuss, aber auch die Amazon-Serie "Tandav" und weitere Produktionen von Streamingdiensten, wie "Nikkei Asia" berichtet. Als Reaktion darauf verkündete die indische Regierung im Februar neue Vorschriften für Streamingdienste und andere digitale Medien und unterstellte diese dem Ministerium für Information und Rundfunk. Laut "Nikkei Asia" müssen Streaminganbieter nun unter anderem eine Alterseinstufung der Inhalte vornehmen und eine Kindersicherung bei den Angeboten einbauen, die erst ab 13 Jahren geeignet sind. Kritiker werfen der Regierung laut der Newsseite vor, damit die Streaminganbieter unter ihre Kontrolle bringen zu wollen, während andere die Änderungen befürworten. "Sie [die Streaminganbieter] dürfen nicht freie Hand haben zu zeigen, was auch immer sie wollen, ohne die Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. [...] Wir können unsere Parameter nicht ändern basierend auf dem, was im Westen gezeigt und gemocht wird", sagte etwa der Schauspieler und Journalist Rajesh Abhay gegenüber "Nikkei Asia".

Im indischen Kino, das hauptsächlich von Bollywood-Filmen geprägt ist, gehen die Filmemacher laut dem Nachrichtenmedium im Normalfall keine Risiken ein, sondern halten sich an bewährte und konfliktfreie Muster. Denn Indien gilt als sehr kultursensibles Land mit einer religiösen Bevölkerung, die zu 80 Prozent aus Hindus besteht. Streaminganbieter wie Netflix haben sich jedoch mit ihren Eigenproduktionen getraut, neue und kontroverse Themen anzusprechen - und wurden dafür prompt durch die neuen Regulierungen abgestraft. Sanchit Vir Gogia, Chef-Analyst von Greyhound Research, glaubt jedoch nicht, dass die neuen Vorschriften auf lange Sicht ein grosses Hindernis für das Wachstum der Streamingdienste darstellen. "Das ist nur eine Bremsschwelle, und nicht das Ende der Strasse", sagte er gegenüber "Nikkei Asia".

Netflix-CEO: Indien ist ein spekulatives Investment

Trotz der aktuellen Hindernisse bietet das filmbegeisterte Land, das jährlich mehr Filme produziert als die USA, für Netflix womöglich die grösste Chance auf einem Einzelmarkt seit dem weltweiten Beginn der Eigenproduktionen im Jahr 2015, schreibt "QUARTZ". Netflix-CEO Reed Hastings nannte Indien bei der Vorlage der jüngsten Quartalszahlen ein "sehr spekulatives Investment", an dem man immer noch arbeite. Dabei verwies er auch auf Südkorea und Japan, die vor fünf Jahren ebenfalls als spekulatives Investment gegolten hätten und wo man nun grossartige Erfolge vorweisen könne. Ähnlich sieht es offenbar auch Netflix-COO Ted Srandos: "Es [Indien] ist wie alle grossartigen Gelegenheiten. Es ist eine lange Reise und es ist eine Herausforderung. Und wir glauben, dass es das wert ist", sagte er laut "The Economic Times".

Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: Netflix,XanderSt / Shutterstock.com,jejim / Shutterstock.com