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11.11.2025 20:51:06
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Streamingdienste buhlen um Königsklasse: Aktien von Amazon, Netflix, Apple und Co. im Fokus
Fussball im TV ist ein teurer Spass - und droht für Fans der Champions League ab 2027 noch kostspieliger zu werden.
Der Verkauf der wertvollsten TV-Rechte des Club-Fussballs wird erstmals von einer US-Agentur durchgeführt. UC3, das Gemeinschaftsunternehmen von UEFA und European Football Clubs (EFC), hat sich vom Langzeit-Vermarkter Team getrennt und Relevent beauftragt. Die aufstrebende Agentur mit Hauptsitz New York City hat eine Fussball-Tochter in London gegründet, die Mitte Oktober den Bieterwettbewerb gestartet hat, der möglichst viele Milliarden einbringen soll.
Mehreinnahmen bedeuten zusätzliche Kosten für die Fans
Neu ist, dass die Ausschreibung in den fünf grössten TV-Märkten Europas gleichzeitig begonnen hat und sie statt drei nun vier Spielzeiten (2027/28 bis 2030/31) umfasst. Aber vor allem der Zuschnitt der Rechte-Pakete soll Mehreinnahmen bringen - und würde dann zu zusätzlichen Kosten bei den Fans führen.
Neu im Angebot ist ein TV-Paket mit dem Topspiel des Spieltages für eine weltweite Ausstrahlung. Damit zielt Relevent auf international tätige Streamingdienste, die zunehmend auf Sport setzen. Amazon Prime Video zeigt bereits im laufenden Rechtezyklus Champions-League-Spiele in Deutschland, Italien und Grossbritannien sowie hierzulande Tennis aus Wimbledon.
Nach längerem Zögern drängen inzwischen auch Netflix , Apple TV und Disney + in den Markt und investieren viel Geld in Live-Sport. Zuletzt erwarb der Mickey-Mouse-Konzern die europäischen Medien-Rechte für die Champions League der Frauen. Apple zeigt weltweit die Major League Soccer und hat zuletzt die Formel-1-Rechte in den USA erworben.
Bericht: Netflix will Champions-League-Rechte
Nach Angaben der "Times" hat der Streaming-Primus Netflix, der sich zuletzt Rechte für die Frauen-WM 2027 und 2031 gesichert hat, schon Interesse an der Champions League der Männer bekundet. Aber auch DAZN dürfte sich als einziger weltweit tätiger Sportanbieter das neue Paket mit dem Erstzugriffsrecht an jedem Spieltag ganz genau anschauen.
"Im Mittelpunkt der Strategie steht die Erkenntnis, dass sich die Medienlandschaft rasant verändert", schreibt UC3 zu der Ausschreibung. "Neue globale, digital ausgerichtete Plattformen bieten Fans durch steigende Investitionen in den Sport immer mehr Möglichkeiten." Steigende Investitionen bedeuten in diesem Fall aber auch steigende Endverbraucherpreise.
Wird dieses neue Welt-Paket verkauft, stehen noch drei grössere Live-Pakete für die nationalen Märkte zur Verfügung: ein Einzelspiel am Dienstag und ein Einzelspiel am Mittwoch sowie die verbleibenden Partien, in der Gruppenphase also 15 Begegnungen pro Spieltag. Theoretisch können diese insgesamt vier Pakete an vier unterschiedliche Sender gehen.
DAZN: Champions League ist Herzstück
In Deutschland steht vor allem der kostenpflichtige Sport-Sender DAZN als Bieter im Blickpunkt, der hierzulande noch bis 2027 den Grossteil der Partien überträgt. "Die Champions League ist das Herzstück des europäischen Fussballs und ein wichtiger Bestandteil unseres Angebots für Fussballfans in Deutschland", sagte Deutschland-Chefin Alice Mascia der dpa. Sie betonte: "Gleichzeitig ist sie Teil eines breiten Fussballportfolios auf DAZN, darunter die Bundesliga und die europäischen Top-Ligen La Liga, Serie A und Ligue 1, mit dem wir den Fans das ganze Jahr über nationalen und internationalen Spitzenfussball in all seinen Facetten bieten."
DAZN hatte bei den bisher letzten beiden Ausschreibungen den Pay-TV-Sender Sky ausgestochen, der ohne die teuren Rechte der Königsklasse inzwischen schwarze Zahlen schreibt. Ungewiss ist die Situation beim Bezahl-Sender aus Unterföhring auch, weil Sky von RTL gekauft wurde und für diesen Deal noch die kartellrechtliche Prüfung aussteht. Beim möglichen Kauf von Rechten dürfen sich Sky und RTL daher nicht absprechen.
Für Free-TV zu teuer
Im frei empfangbaren Fernsehen dürfte es auch in Zukunft - ausser dem Finale - keine Live-Spiele zu sehen geben. Viel zu teuer sind die Rechte für Free-TV-Sender. Das ZDF kann lediglich Zusammenfassungen am Mittwoch und das Endspiel zeigen. Bis Ende der Saison 2026/27 zeigen die zahlungspflichtigen Online-Sender DAZN und Amazon Prime Video die Live-Spiele der Champions League in Deutschland. Der Gesamtpreis der bis dahin gültigen Pakete wird auf rund 300 Millionen Euro pro Saison geschätzt.
Relevent scheint an klassischen Fernsehsendern auch nicht sonderlich interessiert zu sein. Zumindest hat die ARD, wie es aus Senderkreisen heisst, keine Unterlagen von der neuen Agentur für die Ausschreibung der Champions League erhalten.
Derzeit kassiert die UEFA 4,4 Milliarden Euro pro Saison aus der Vermarktung der drei Europapokale, zu denen auch Europa und Conference League zählen. Die Rechte für die beiden unterklassigen Wettbewerbe werden derzeit parallel ausgeschrieben. Angebote müssen bis zum 18. November abgegeben werden.
Im NASDAQ-Handel zeigen sich die Aktien uneinheitlich: Apple-Titel gewinnen zeitweise um 2,19 Prozent auf 275,34 US-Dollar, während auch Amazon-Papiere Gewinne von 0,31 Prozent auf 249,17 US-Dollar einstecken. Netflix-Aktien gewinnen 1,28 Prozent auf 1.134,36 US-Dollar ab, während Disney-Anteilsscheine 2,17 Prozent höher notieren bei 114,68 US-Dollar.
/mrs/DP/stk
BERLIN (awp international)
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