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Anthropic Aktie NETANTHRO000

Marktbeben 27.02.2026 21:16:00

KI-Ängste an den US-Börsen: So belastet Anthropic die Aktien von IBM, CrowdStrike, Oracle, ServiceNow und Co.

KI-Ängste an den US-Börsen: So belastet Anthropic die Aktien von IBM, CrowdStrike, Oracle, ServiceNow und Co.

Anleger haben eine neue Angst entdeckt - und sie trägt den Namen Claude. So belastete erst zum Wochenstart ein neues Sicherheitswerkzeug der Anthropic-KI zahlreiche Tech-Aktien deutlich.

• Anthropic stellte am Freitag neues Sicherheitstool "Claude Code Security" vor
• Zahlreiche Tech-Aktien reagierten mit kräftigen Verlusten
• KI sorgte auch in der Vergangenheit bereits für Beben am Aktienmarkt

Als das KI-Unternehmen Anthropic kurz vor dem Wochenende sein neues Sicherheitstool "Claude Code Security" vorstellte, reagierten Anleger am darauffolgenden Montag mit deutlichen Verkäufen im IT- und Cybersecurity-Sektor. Besonders stark traf die Verkaufswelle Unternehmen, deren Geschäftsmodelle auf Sicherheitsanalysen, Monitoring oder IT-Beratung basieren.

Die Papiere von Zscaler und CrowdStrike sackten daraufhin zu Wochenbeginn an der NASDAQ um rund zehn Prozent ab. Auch Schwergewichte wie Salesforce, Oracle und ServiceNow gerieten an der NYSE unter Druck und gaben am Montag letztlich rund 3,8 Prozent, bzw. 4,6 Prozent und 3,3 Prozent ab. Am härtesten traf es jedoch IBM: Die Aktie brach im Montagshandel an der NYSE letztlich um 13,15 Prozent auf 223,25 US-Dollar ein und verbuchte damit laut "dpa-AFX" den stärksten Tagesverlust seit dem Jahr 2000. IBM wird damit zum Symbol einer Branche, die sich plötzlich mit einer neuen Form der Konkurrenz konfrontiert sieht.

Was Claude Code Security leisten soll

Im Zentrum der heftigen Marktreaktion bei IT-Aktien steht "Claude Code Security", ein KI-gestütztes Werkzeug zur automatisierten Analyse von Software-Code. Nach Angaben von Anthropic ist das System in der Lage, eine komplette Code-Basis zu scannen und Sicherheitslücken zu identifizieren, die klassischen, regelbasierten Methoden entgehen könnten. Anders als traditionelle statische Analysewerkzeuge soll die KI nicht nur bekannte Schwachstellenmuster erkennen, sondern die Logik und Interaktion von Programmkomponenten verstehen und Patches für die erkannten Schwachstellen vorschlagen.

"The Hacker News" beschreibt das Tool als besonders leistungsfähig bei der Identifikation komplexer Sicherheitsprobleme, die sich aus Datenflüssen oder systemübergreifenden Abhängigkeiten ergeben. Zudem bewertet das System gefundene Schwachstellen nach Schweregrad und Vertrauenswahrscheinlichkeit und schlägt konkrete Behebungsmassnahmen vor. Die finale Entscheidung über Änderungen bleibt jedoch beim Entwickler - ein vollautonomes Eingreifen ist nicht vorgesehen.

Anthropic verweist in ersten Tests auf mehr als 500 entdeckte Sicherheitslücken in Open-Source-Projekten und unterstreicht damit seinen Anspruch, KI als "Security-Analysten" einzusetzen. "Dies ist ein entscheidender Moment für die Cybersicherheit. Wir gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil des weltweiten Quellcodes in naher Zukunft von KI gescannt wird, da Modelle mittlerweile sehr effektiv darin sind, lange verborgene Fehler und Sicherheitslücken aufzuspüren", heisst es in der Pressemitteilung. Aktuell befindet sich "Claude Code Security" nun in einer "begrenzten Testphase [...] für Enterprise- und Teamkunden". Auch Open-Source-Entwickler könnten sich laut Anthropic für einen kostenlosen, beschleunigten Zugriff bewerben. Wann das Tool allgemein verfügbar sein wird, ist derzeit nicht bekannt.

Angriff von Anthropic auf ein milliardenschweres Geschäftsmodell

Die heftige Börsenreaktion erklärt sich jedoch wohl weniger aus der aktuellen Leistungsfähigkeit oder Verfügbarkeit des Tools, sondern vielmehr aus dessen möglicher strategischer Bedeutung. Cybersecurity- und Monitoring-Anbieter verdienen ihr Geld mit der Erkennung, Bewertung und Priorisierung von Risiken - Aufgaben, die sich zumindest teilweise automatisieren lassen. Wenn ein KI-Modell diese Arbeit schneller, günstiger und womöglich präziser erledigen kann, stellt das die Preissetzungsmacht etablierter Anbieter infrage. Eine neue Herausforderung verstärkten Wettbewerbsdrucks könnte die neue Claude-Funktion daher vor allem für Cybersicherheitsunternehmen wie Zscaler, das im Bereich Cloud-Security aktiv ist, und CrowdStrike, mit Fokus auf Endpoint-Security, bedeuten.

Besonders sensibel reagierten die Anleger wohl auch bei IBM, das neben Software vor allem ein grosses Beratungs- und Integrationsgeschäft betreibt. Sollte KI künftig Implementierungs- und Analyseaufgaben eigenständig übernehmen, könnte dies klassische IT-Dienstleistungen unter Druck setzen. Auch bei Cloud- und Workflow-Spezialisten wie ServiceNow oder Oracle stellt sich die Frage, ob KI künftig als übergeordnete Intelligenzschicht fungiert, die bestehende Software teilweise substituiert oder deren Wertschöpfung verschiebt.

Gleichzeitig investieren viele dieser Unternehmen aber auch selbst massiv in KI-Integration. Die aktuelle Kursreaktion spiegelt daher wohl auch eine Neubewertung langfristiger Wettbewerbsvorteile wider. Ob "Claude Code Security" letztlich tatsächlich zu einer nachhaltigen Verschiebung im Cybersecurity-Markt führen wird, bleibt aktuell jedoch noch offen. Oft integrieren etablierte Anbieter neue Technologien schneller, als es erste Marktreaktionen vermuten lassen. Ebenso denkbar ist, dass KI-gestützte Sicherheitsanalyse die bestehenden Lösungen nicht ersetzt, sondern ergänzt.

KI sorgt immer wieder für Verwerfungen am Aktienmarkt

Seit dem Aufstieg von OpenAI und dem Markterfolg von ChatGPT wird jede neue Produktankündigung führender KI-Anbieter als potenzieller Paradigmenwechsel interpretiert. Dass nun mit Anthropic ein Branchenplayer demonstriert, wie tief KI in sicherheitskritische Unternehmensprozesse eindringen kann, verstärkt die Unsicherheit. Doch so heftig die Reaktion auf die Vorstellung von "Claude Code Security" auch ausfiel, so stellt sie keinen Präzedenzfall dar. Denn Anthropic hat auch in der Vergangenheit bereits heftige Marktbewegungen ausgelöst.

So setzte etwa bereits Anfang Februar die neue Claude-Version "Opus 4.6" die Aktien von Finanzanalyse-Firmen unter Druck, da sie laut Anthropic auch Aufgaben der Finanzanalyse übernehmen könne. Dafür werte Claude etwa Unternehmensdaten, Pflichtmitteilungen und Marktinformationen aus, so das KI-Unternehmen weiter. Aktien von FactSet, Thompson Reuters und Morningstar zeigen sich daraufhin tiefrot. Auch die Ankündigung von Anthropic zu neuen KI-gestützten Diensten für automatisierte "Vertragsprüfungen, die Triage von Geheimhaltungsvereinbarungen [NDAs], Compliance-Workflows, juristische Briefings und standardisierte Antworten" hatten Anfang des Monats zahlreiche Anteilsscheine unter Druck gesetzt. Die Börsen zeigen sich offenbar immer mehr überzeugt davon, dass die versprochene Produktivitätssprung durch KI näher rückt.

Noch frühere Ankündigungen wie Finanzierungsrunden hatten indes eher nur für Verschiebungen innerhalb des KI-Ökosystems gesorgt. Als Anthropic beispielsweise milliardenschwere Kapitalzusagen erhielt, unter anderem von Amazon und Google, wurde dies an den Märkten vor allem als Signal für die strategische Bedeutung grosser Sprachmodelle gewertet. Dabei profitierten etwa Cloud-Anbieter wegen einer erwarten steigenden Rechenzentrumsnachfrage oder Hersteller von KI-Chips wie NVIDIA, die als infrastrukturelle Gewinner des KI-Booms gelten.

Auch insgesamt sind Kurskapriolen in Verbindung mit KI-Durchbrüchen nicht unbekannt. Bereits die Einführung von ChatGPT durch OpenAI führte in einzelnen Segmenten zu abrupten Bewertungsanpassungen, etwa im Bildungs- und Softwarebereich. In all diesen Fällen reagierten die Märkte weniger auf konkrete Umsatzverschiebungen als auf die Aussicht, dass sich Wertschöpfungsketten nachhaltig verändern könnten. Genau dieses Muster scheint nun auch bei Anthropic zu greifen.

Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: Mehaniq / Shutterstock.com, Mehaniq / Shutterstock.com

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