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Anpassungen ab September 16.05.2017 13:47:30

"Ein Niesen reicht": Warum die Schweizer Börse den SMI ändern muss

Nestlé, Novartis und Roche dominieren schon seit Jahrzehnten mit mehr als 50 Prozent den Schweizer Leitindex. Ein Phänomen, das so bislang nur in der Schweiz existiert. Ein neues Gewichtsverhältnis soll dies nun ändern.

Die drei Schweizer Grosskonzerne Nestlé, Novartis und Roche haben eine derart hohe Gewichtung im SMI, dass wenn einer von ihnen "niesen" würde, die gesamte Schweizer Börse mit einem gehörigen "Schnupfen" zu rechnen hätte. So beschreibt zumindest die Migros-Bank die aktuelle Lage im SMI. Eine neue Regelung, die für kommenden September geplant ist, soll dieses Phänomen nun ändern.

Der SMI - Dominanz von Chemie und Lebensmittel

Der SMI dient als Barometer für die 20 wichtigsten helvetischen Aktien. Wer meint, dass 20 Unternehmen nicht ausreichten, um die Schweizer Unternehmenwirtschaft korrekt abzubilden, der irrt. Tatsächlich machen diese 20 Unternehmen 90 Prozent der Schweizer Marktkapitalisierung und des Volumens der an der Börse gehandelten Wertpapiere aus.

Besonders ins Gewicht fallen dabei die Lebensmittel- und Pharmariesen Nestlé, Novartis und Roche. Ihre Gewichtung erreichte in den vergangenen 20 Jahren im Durchschnitt bis zu 55 Prozent. Eine jüngst durchgeführte Studie der Migros-Bank zeigte sogar einen Rekordwert von 63 Prozent. Erfolgreich zeigen sich die Aktien dieser Unternehmen besonders in unsicheren Börsenzeiten, da sie stabile Umsätze erwirtschaften und eine grosszügige Dividendenrendite von über drei Prozent aufweisen.

Dominanz ist nicht immer gut

Doch diese Dominanz im SMI ist nicht unbedingt von Vorteil. Die Börsenkapitalisierung der drei Blue Chips beläuft sich auf insgesamt 630 Milliarden Franken, was etwa 95 Prozent des Schweizer Bruttoinlandsprodukts ausmacht. Dies kann dazu führen, dass eine größere Kursveränderung bei einem der Grosskonzerne die gesamte Schweizer Börse beeinflusst. So hätte ein Kursrückgang von 5 Prozent bei Nestlé den gleichen Effekt wie die Auflösung von Swisscom. Ein Plus von neun Prozent bei der Novartis-Aktie käme einer Kursverdopplung bei der Credit Suisse gleich.

Die Entwicklung des SMI bildet also nicht das Gros der Schweizer Wirtschaft ab, sondern spiegelt vor allem die Entwicklung von Nestlé, Roche und Novartis wider. Zum Problem wird das besonders, wenn Anleger in passive Anlageinstrumenten wie ETFs investieren, die davon ausgehen, breit diversifiziert zu sein. Denn Investitionen in Indexfonds lohnen sich eigentlich erst dann, wenn das Maximalgewicht aller einzelnen Aktien auf einen bestimmten Prozentsatz limitiert ist. Andernfalls läuft man Gefahr, ein grosses Klumpenrisiko zu kaufen.

Schweizer Börse zum Handeln gezwungen

Da das passive Anlegen immer beliebter wird und Ucits-Fonds bei einem derart einseitig gewichteten Index nach europäischem Recht nicht erlaubt sind, sah sich die Schweizer Börse zum Handeln gezwungen. Daher beschlossen die Verantwortlichen, dass im SMI gelistete Aktien ab dem 18. September nur noch mit 18 Prozent gewichtet sein dürfen. Hin und wieder könne das Gewicht diesen Prozentsatz überschreiten, hieß es. Er werde dann jedoch pünktlich zum Anpassungstermin gegen Ende eines jeden Quartals wieder angepasst. Zudem wird der SMI einen neuen Namen erhalten - die endgültige Entscheidung über die Neubenennung des Leitindex ist aber noch nicht gefallen. ETF-Manager müssen sich bis dahin entscheiden, ob sie sich an am den neuen oder alten SMI orientieren und ihre Anlagestrategie ausrichten wollen.

Dabei ist es nicht der erste Versuch der Schweizer Börse, das Gewicht der gelisteten Unternehmen zu regulieren. Bereits durch die Einführung des Swiss-Leader-Index (SLI) hatte die SIX versucht, Prozentsätze für die einzelnen Aktien einzuführen. Doch wurde dieser bei Berichterstattungen und Analysen der Schweizer Börse von Seiten der Experten ignoriert. Mit dem neuen SMI als ausgewogener Leitindex soll dies nun geändert werden. Ob dieses Bemühen von Erfolg gekrönt ist, muss die Zukunft zeigen.

Redaktion finanzen.ch

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