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Bullen am Zug? 10.07.2022 16:27:00

Börsenexperte Jim Cramer: So könnte es zu einer "Hausse innerhalb eines Bärenmarktes" kommen

Börsenexperte Jim Cramer: So könnte es zu einer

An den Börsen herrscht weiterhin ein schwieriges Umfeld. Zu viele Belastungsfaktoren ziehen die Kurse in die Tiefe, einige Indizes befinden sich bereits offiziell im Bärenmarkt. Dennoch gibt es laut Börsenexperte Jim Cramer die Möglichkeit, auch innerhalb eines Bärenmarkts eine Hausse zu erleben. Dafür gibt es jedoch einige Bedingungen.

• Börsenstimmung weiter schlecht
• Cramer hält Bullenmarkt innerhalb eines Bärenmarkts für möglich
• Zahlreiche Faktoren müssen dafür jedoch zusammenkommen

Die Stimmung an den Aktienmärkten ist aktuell negativ. Zahlreiche Faktoren wie eine hohe Inflation, steigende Leitzinsen, Lieferengpässe, hohe Energiepreise sowie der Ukraine-Krieg lasten auf den Kursen. Bei einigen Indizes ist der Bärenmarkt bereits offiziell eingetreten und es sieht nicht so aus, als wäre die Trendwende bereits am Horizont erkennbar. Dennoch gab sich Anlageprofi Jim Cramer in seiner CNBC-Sendung "Mad Money" jüngst optimistisch. Seiner Meinung nach gebe es immer Aktien, die sich besser oder schlechter entwickeln würden. Wichtig für Anleger sei es letztlich nur, diese frühzeitig zu erkennen und dann abzuwägen, wie aggressiv man einsteigen solle und wie viel Potenzial sie bieten würden.

Ein Bullenmarkt im Bärenmarkt?

Was den breiteren Markt angehe, so sei Cramer "einer von einer Handvoll Menschen, die ehrlich glauben, dass man einen ganzen Bullenmarkt innerhalb eines Bärenmarkts haben kann. Aber nur, wenn einige spezifische Merkmale erreicht werden" - und das sind eine ganze Reihe Faktoren, die stimmen müssen, damit es wieder aufwärts gehen kann.

Ölpreise senken

Das erste Kennzeichen, welches Cramer anspricht, sind die aktuell erhöhten Ölpreise. Diese müssten sich auf einem Niveau einpendeln, welches für Unternehmen sowie Verbraucher akzeptabel sei. In den letzten Wochen hatten die Energiepreise stark geschwankt. Zwar sind sie noch immer sehr hoch, sie haben sich jedoch von den Höchstständen von vor ein paar Wochen bereits wieder entfernt - dieses "erratische Verhalten des Öls" löse allgemeines Händeringen aus, meint Cramer. Er könne gut verstehen, dass die Menschen angesichts der Entwicklung des Ölpreises grosse Unruhe verspürten. Eine Normalisierung der Ölpreisentwicklung hänge jedoch von dem Fortgang des Ukraine-Kriegs ab. Hier zögere US-Präsident Biden aktuell noch, der Ukraine die Unterstützung zu liefern, mit der diese Russland schlagen könnte - aus Angst vor dem Ausbruch eines dritten Weltkriegs. Solange der Angriffskrieg Russlands jedoch anhalte, bleibe auch der Rohstoff Öl ein Spielball.

Lebensmittelinflation drosseln

Als weitere Bedingung für einen Bullenmarkt im Bärenmarkt, sieht der Anlageprofi das Ende der anziehenden Inflation bei Lebensmitteln. Auch hier sei der Ukraine-Krieg ein wichtiger Faktor, da das Land als einer der wichtigsten Weizenproduzenten gilt. Zwar sei es laut Cramer möglich, die Landwirtschaft in der Ukraine wieder herzustellen, hierfür sei jedoch im Westen des Landes möglicherweise das Einrichten einer Flugverbotszone nötig - eine Massnahme gegen die sich Präsident Biden wehre, ebenfalls aus Angst vor einem dritten Weltkrieg. Diese Sorge könne Cramer sehr gut verstehen, allerdings wäre eine solche Flugverbotszone seiner Ansicht nach die beste Möglichkeit, die Lebensmittelinflation unter Kontrolle zu bekommen.

Höhere Arbeitslosenrate

Der nächste Punkt, den der Anlageprofi anführt, dürfte seiner Meinung nach auf wenig Beliebtheit stossen: Die US-Arbeitslosenrate müsste über einen längeren Zeitraum mehr als fünf Prozent betragen. Auf diese Weise würde die Nachfrage gedrosselt und "im Kampf gegen Inflation" für etwas Luft zum Verschnaufen gesorgt. So geht Cramer zum einen davon aus, dass neue Technologien dazu führen werden, dass einige Arbeitsplätze überflüssig werden. Darüber hinaus würde der zunehmende Homeoffice-Trend den Unternehmen die Möglichkeit geben, herauszufinden, wie viele Mitarbeiter sie tatsächlich benötigten. Letztlich sei das Hauptargument jedoch, dass die US-Notenbank Fed erst mit der Erhöhung der Leitzinsen aufhöre, wenn die Arbeitslosenrate deutlich ansteige.

Kein Spekulieren mehr - Abrechnung mit IPOs, SPACs und Kryptos

Als Viertes spricht der CNBC-Moderator ein Ende des Spekulierens an, "wo immer es geschieht". In diesem Bereich sei jedoch bereits viel Fortschritt geschehen. So hebt Cramer hervor, dass es keine "Müll-IPOs" mehr gebe. Menschen hätten endlich damit aufgehört, Aktien von Unternehmen zu kaufen, weil sie deren Produkte gut fänden, ohne irgendetwas über das dahinter stehende Geschäft zu wissen: "Sie trinken gern Hafermilch? Super, aber kaufen Sie nicht Oatly."

Auch für den Trend mithilfe einer SPAC quasi durch die Hintertür an die Börse zu gehen, hat Cramer nichts übrig. So habe es auch schon in seiner Show CEOs gegeben, die sich gegen einen traditionellen IPO ausgesprochen hätten, weil dieser "zu mühselig" gewesen wäre und sich freudig für ein SPAC entschieden hätten. Cramers Urteil: "Das ist Quatsch." Schliesslich würde ein traditioneller Börsengang länger dauern, weil die Börsenaufsicht SEC das Unternehmen genau prüfe und so auch die Anleger schütze. "Es dauert lang, weil sie [die SEC] gründlich ist", so der Börsenexperte.

Daneben solle man sich beim Thema Krypto darauf einigen, dass es lediglich zwei lebensfähige Kryptowährungen gebe, und das seien Bitcoin und Ethereum. Ausserdem sollten Cyberdevisen wie Wertpapiere und nicht wie Währungen behandelt werden, damit Anleger mehr Kapital zurücklegen müssten, um diese zu kaufen. Stablecoins wie Tether sollten nach Cramers Ansicht transparent offenlegen, wo ihr Geld ist. Ausserdem sollten Krypto-Börsen die gleichen Regeln wie andere Broker auferlegt bekommen, damit Bank Runs verhindert werden könnten, sollte es zu einem erneuten Kursverfall bei Kryptowährungen kommen: "Wir können uns um Himmels Willen nicht für immer auf Sam Bankman-Fried verlassen, damit er Kryptos rettet!"

Verbesserte Advance-Decline-Linie

Als fünften Punkt geht Cramer kurz auf die Advance-Decline-Linie aus der Technischen Analyse ein. Dieser Indikator setzt ins Verhältnis wie viele Aktien täglich steigen und fallen. Diese Linie müsse sich noch verbessern, bevor es wieder aufwärts gehen könne: "Wenn sie [die Linie] stetig höher geht, ist das ein solider Vorbote für einen Run."

Mehr Übernahmen

Letztlich müsse es laut Cramer zu mehr Fusionen und Übernahmen kommen zwischen "stärkeren, etablierten Unternehmen und den Müll-Unternehmen, die in den letzten paar Jahren an die Börse gegangen sind". Einige dieser Firmen seien vielleicht doch nicht so schlecht und da einige dieser neueren Aktien in diesem Jahr bereits bis zu 90 Prozent an Wert verloren hätten, gebe es doch sicherlich jemanden, der Interesse an ihnen habe: "Leider sieht es derzeit nicht so aus, als gebe es irgendwen der an einem Kauf interessiert wäre, egal zu welchem Preis. Ich weiss allerdings nicht, ob das daran liegt, dass sie immer noch zu teuer sind oder weil das Unternehmen niemals hätte an die Börse gehen sollen."

Würden alle diese Faktoren erfüllt, würden "die Bären die Flucht ergreifen und die Zinsen sinken. Ohne sie bleibt dieser Markt ein Haus des Schmerzes."

Redaktion finanzen.ch


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