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Aktionärs-Klage 29.04.2024 14:41:00

Deutsche Bank-Aktie verliert deutlich: Postbank-Rechtsstreit belastet Profitabilität

Deutsche Bank-Aktie verliert deutlich: Postbank-Rechtsstreit belastet Profitabilität

Der Kauf der Postbank könnte für die Deutsche Bank ein unerwartet teures Nachspiel haben.

In dem langwierigen Rechtsstreit mit früheren Aktionären des übernommenen Instituts stellt sich der DAX-Konzern auf eine Nachzahlung in Milliardenhöhe ein, wie er am Freitagabend überraschend in Frankfurt mitteilte. Nach entsprechenden Äusserungen des zuständigen Gerichts legt die Bank im zweiten Quartal voraussichtlich 1,3 Milliarden Euro zurück. Am Finanzmarkt kamen die Neuigkeiten am Montag schlecht an.

Die erwartete Belastung von 1,3 Milliarden Euro ergibt sich den Angaben zufolge aus dem Gesamtbetrag aller Forderungen, einschliesslich der aufgelaufenen Zinsen. Die Summe gelte für den Fall, dass alle Klagen erfolgreich sind.

Diese Milliardenbelastung würde der Bank im laufenden Jahr voraussichtlich einen deutlichen Gewinnrückgang einbrocken. Schon vor der Ankündigung der Sonderbelastung erwarteten Analysten für 2024 einen auf die Aktionäre entfallenden Überschuss von rund 4 Milliarden Euro, nachdem das Ergebnis im vergangenen Jahr auf 4,2 Milliarden Euro gesunken war.

Der Rechtsstreit zieht sich seit rund 14 Jahren hin. Die Deutsche Post als damaliger Mehrheitseigner und die Deutsche Bank hatten die Übernahme kurz vor Ausbruch der Finanzkrise 2008/2009 eingeleitet, die Bedingungen nach dem Crash an den weltweiten Finanzmärkten jedoch geändert.

Nach der Übernahme der Aktienmehrheit bot die Deutsche Bank den verbliebenen Aktionären im Oktober 2010 je Anteilschein 25 Euro. Nach Ansicht des Klägers hätte die Deutsche Bank jedoch 57,25 Euro je Aktie zahlen müssen - weil sie die Kontrolle der Postbank schon 2008 übernommen habe. Nachdem das Oberlandesgericht Köln die Klagen Ende 2020 abgewiesen hatte, hob der Bundesgerichtshof die Urteile Ende 2022 auf und verwies sie an das Oberlandesgericht zurück.

Am Freitag deutete das Gericht den Angaben zufolge an, dass es Teile der Ansprüche in einer späteren Entscheidung für begründet erachten könnte. Die Deutsche Bank widerspricht dieser Einschätzung zwar weiterhin "nachdrücklich". Allerdings ist aus ihrer Sicht die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass sie den Anlegern einen Nachschlag zahlen muss.

Mehr Klarheit könnte es im Sommer geben. Das Gericht habe die Absicht geäussert, am 21. August eine Entscheidung bekannt zu geben, schreibt die Deutsche Bank. Zugleich habe es den Streitparteien vorgeschlagen, Verhandlungen über einen Vergleich aufzunehmen.

Die Deutsche Bank hat unterdessen durchgerechnet, wie stark die Rückstellung an ihrem Kapital zehren würde. Rechnerisch würde sich die harte Kernkapitalquote (CET1) zum 31. März um rund 0,20 Prozentpunkte auf 13,25 Prozent verringern. Auf derselben Basis läge die Verschuldungsquote zum 31. März 2024 bei 4,42 Prozent.

Nur einen Tag vor der Gerichtsverhandlung hatte Deutschlands grösstes Geldhaus für das erste Quartal einen Nettogewinn von knapp 1,3 Milliarden Euro gemeldet. Dass das Gericht zugunsten des Klägers entscheiden könnte, hatte das Management bis zu der Anhörung den Angaben zufolge nicht erwartet.

Trotz der möglicherweise hohen Belastungen erwartet das Management den Angaben zufolge "keine signifikanten Auswirkungen" auf die strategischen Pläne oder Finanzziele der Bank. Angesichts der Komplexität dieses Rechtsfalls will der Vorstand die rechtlichen Argumente sowie die möglichen Auswirkungen auf die Finanzberichte jedoch weiter prüfen.

Deutsche-Bank-Aktie nach Postbank-Rückstellung im Minus

Die Deutsche Bank ist von einem seit fast 14 Jahren laufenden Rechtsstreit eingeholt worden. Die Bank hat am Freitagabend mitgeteilt, dass sie voraussichtlich 1,3 Milliarden Euro für eine juristische Auseinandersetzung zurückstellen wird, die auf das Übernahmeangebot für die Postbank im Jahr 2010 zurückgeht. Die Aktie verliert am Montag via XETRA zeitweise 7,49 Prozent auf 15,29 Euro.

Das Oberlandesgericht Köln habe in einer mündlichen Verhandlung über Klagen früherer Postbank-Aktionäre am Freitag angedeutet, dass Teile der Ansprüche der Kläger möglicherweise begründet sein könnten, teilte die Bank mit. Sie werde deshalb vorsorglich eine Rückstellung bilden, die den Gesamtbetrag aller Forderungen in Höhe von rund 0,7 Milliarden Euro inklusive aufgelaufener Zinsen von rund 0,6 Milliarden Euro berücksichtigt.

Die Bank bestätigte trotz der Gewinnbelastung, die im zweiten Quartal berücksichtigt wird, die Ziele für 2025 sowie die bisherigen Kapitaldistributionspläne. Bedeckt hielt sich die Bank aber zu der Frage, ob es dieses Jahr noch einen zweiten Aktienrückkauf geben könnte. Der Anfang März begonnene Rückkauf im Volumen von 675 Millionen Euro werde wie geplant fortgesetzt.

Die Analysten von Berenberg gehen nun nicht mehr davon aus, dass die Bank einen zweiten Aktienrückkauf in diesem Jahr angeht. Auch die Analysten JP Morgan erwarten nun keine zusätzlichen Rückkäufe 2024 mehr. Sie hatten 325 Millionen Euro für das zweite Halbjahr prognostiziert.

Die Bank selbst schreibt, es sei zu früh für eine Entscheidung. Es bleibe zwar das Ziel, die Ausschüttungen über die Basiserwartungen hinaus zu erhöhen. Es müsse aber auch berücksichtigt werden, dass die Rückstellung die harte Kernkapitalquote um rund 20 Basispunkte schmälert. Zudem habe man deutlich gemacht, dass solche Ausschüttungen innerhalb eines Jahres auf dem Ausblick des Managements und der Einschätzung des Überschusskapitals basieren.

Die Deutsche Bank ist von dem Ergebnis der Verhandlung überrascht worden. In den Veröffentlichungen und Telefonkonferenzen zum ersten Quartal war noch keine Rede von dem Postbank-Prozess gewesen. In einer Nachricht an die Investoren hiess es, dass es am Donnerstag keine Indikation gegeben habe, dass die Anhörung am Freitag die bisherige Einschätzung des Managements würde ändern können, zumal die Ansichten der Bank im bisherigen Prozess zuvor sowohl vom Oberlandesgericht als auch vom Bundesgerichtshof mehrfach bestätigt worden seien.

Die Deutsche Bank hatte den Aktionären der Postbank 2010 ein Übernahmeangebot zu 25,00 Euro je Aktie unterbreitet. Wenig später reichte die bisherige Postbank-Aktionärin Effecten-Spiegel AG, die das Angebot angenommen hatte, eine Klage ein. Sie sah den Angebotspreis als zu niedrig an. Ihrer Ansicht nach hätte die Bank bereits 2009 ein Pflichtangebot unterbreiten müssen, da ihr seinerzeit bereits die Stimmrechte der Deutschen Post in Bezug auf die Postbank zuzurechnen gewesen seien. Die Deutsche Bank hielt nämlich schon vor dem Angebot Aktien der Postbank. Die ersten Aktien hatte sie der Deutschen Post für 57,25 Euro abgekauft. Später, nachdem der Fall zwischenzeitlich beim Bundesgerichtshof lag, machten auch andere Kläger ihre Ansprüche geltend.

Die Bank werde die Einschätzung des Gerichts, denen sich "weiterhin nachdrücklich widerspricht" weiter prüfen und die Optionen für eine mögliche Einigung abwägen, kündigte sie nun an. Entscheidungen in dieser Hinsicht seien noch nicht getroffen worden.

Die Bank bekräftigte ihre Ziele für 2025, die eine Eigenkapitalrendite von über 10 Prozent, eine Aufwand-Ertrags-Relation von unter 62,5 Prozent und im Zeitraum 2021 bis 2025 ein jährliches Ertragswachstum von 5,5 bis 6,5 Prozent vorsehen.

FRANKFURT/KÖLN (awp international / Dow Jones Newswires)

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