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Doppelte Belastung 06.10.2020 22:33:00

Wieso sich der britische Leitindex FTSE 100 inmitten der Corona-Krise und des Brexits schwertut

Wieso sich der britische Leitindex FTSE 100 inmitten der Corona-Krise und des Brexits schwertut

Zwar haben sich die meisten Indizes seit dem Einbruch der Märkte im März wieder erholt, der britische Leitindex FTSE 100 liegt aber nach wie vor deutlich unter seinem Vorkrisenniveau. Nicht nur hat das Land mit den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise zu kämpfen, es befindet sich auch mitten in den Verhandlungen zum Brexit.

• FTSE 100 noch weit unter Vorkrisenniveau
• Enthaltene Werte leiden unter Corona-Krise
• Brexit-Verhandlungen belasten zusätzlich

Britischer Leitindex fällt im internationalen Vergleich zurück

Der FTSE 100, der umgangssprachlich auch als "Footsie" bezeichnet wird, ist der britische Leitindex und beinhaltet die umsatzstärksten Unternehmen an der London Stock Exchange. Unter den enthaltenen Werten verfügt der Pharmakonzern AstraZeneca, der momentan an einem Impfstoff gegen das Coronavirus forscht, derzeit über den höchsten Börsenwert. Dennoch hat der Leitindex es inmitten der Krise schwerer als seine Pendants in Deutschland, der Schweiz oder den USA.

Sein Hoch hatte er in diesem Jahr am 17. Januar mit 7'674,56 Punkten erreicht, im März brach er dann auf bis zu 4'993,89 Zähler ein. Bis zu diesem Zeitpunkt ging es dem FTSE 100 genauso wie anderen wichtigen Märkten. Zwar hat sich der Index nach dem Corona-Tief nun ebenfalls erholt, allerdings fiel seine Erholungsphase langsamer und weniger stark aus als etwa die des von Techwerten wie Facebook, Apple und Amazon geprägten S&P 500. Während dieser derzeit auf dem Niveau von Februar notiert, ist der FTSE 100 von seinem Vorkrisenniveau weit entfernt. Derzeit bewegt er sich knapp unter 6'000 Stellen.

Unternehmen aus dem Finanzsektor leiden unter Gewinneinbrüchen

Statt Technologiefirmen, die den S&P 500 in den USA angetrieben haben, enthält der FTSE 100 zu großen Teilen Werte aus den Bereichen Energie, Finanzen, Versorgungsunternehmen und anderen Firmen, die unter der Corona-Krise zu leiden haben. Laut Andrew Wishart von Capital Economics haben aber vor allem Unternehmen aus dem Finanzsektor unter niedrigen Zinssätzen zu leiden, wie ShareCast berichtete. Dass die Kurse der Bank-Aktien demnächst anziehen werden, hält er dabei für unwahrscheinlich. Die Großbank HSBC hat im ersten Halbjahr so etwa einen milliardenschweren Gewinneinbruch zu verzeichnen gehabt, in diesem Jahr ist die Aktie bereits um mehr als 50 Prozent eingebrochen. "Unsere Entwicklung im ersten Halbjahr wurde durch die COVID-19-Pandemie, sinkende Zinssätze, ein erhöhtes geopolitisches Risiko und eine erhöhte Marktvolatilität beeinträchtigt", erklärte Geschäftsführer Noel Quinn im August. Auch die Papiere des Finanzdienstleisters Barclays brachen in diesem Jahr bereits um mehr als 50 Prozent ein und sind derzeit noch weit von ihrem Kursstand von vor der Krise entfernt. Laut NZZ rechnet Barclays damit, dass die Erträge in der gesamten Branche 2021 um bis zu 15 Prozent unter denen des vergangenen Jahres liegen könnten. So müssten Banken unbedingt ihre Kosten senken und ihre Arbeitsweise flexibler gestalten. Mit einer Entlassungswelle müsse außerdem gerechnet werden.

Eindämmungsmaßnahmen benachteiligen Reise- und Tourismusbranche

Eine weitere große Gruppe im FTSE 100 machen Unternehmen aus, die in der Reise- und Tourismusbranche tätig sind. Kaum eine Branche hat so sehr unter der Corona-Krise zu leiden, waren Reisen aufgrund von Maßnahmen zur Eindämmung des Virus wochenlang überhaupt nicht möglich. Auch jetzt müssen Reiseanbieter ihre Kapazitäten stark zurückfahren, um ausreichend Abstände einhalten zu können, die die Übertragung des Virus verhindern sollen. Neben der InterContinental Hotels Group ist die Fluglinie International Airlines Group im Index vertreten. Während die Aktie der Hotelgruppe in diesem Jahr bereits um fast 25 Prozent nachgab, sackte das IAG-Papier sogar bereits um fast 85 Prozent ein. Bis vor kurzem umfasste der Index mit dem Billigflieger easyJet und der Kreuzfahrtlinie Carnival zwei weitere Unternehmen aus dieser Riege, im Juni mussten diese und zwei weitere Unternehmen aber ihre Plätze räumen. Stattdessen rückten mit Avast, GVC, Homeserve und Kingfisher Firmen nach, die von der Krise profitieren konnten. Bereits im März musste TUI seinen Platz räumen.

Brexit verunsichert zusätzlich

Zusätzlich zu der Aufstellung des Index, die dessen Kursentwicklung inmitten der Krise benachteiligte, leiden die britischen Standardwerte auch unter der unklaren Lage bezüglich weiterer Brexit-Verhandlungen. Derzeit befindet sich das Land in einer Übergangsphase, in der die Handelsbeziehungen des Landes zur Europäischen Union geklärt werden soll. Sollte es bis zum Jahresende keine Einigung geben, fallen bisherige Übereinkommen zu Zöllen und anderen Handelshürden weg. Derzeit stocken die Gespräche zwischen beiden Parteien. Laut Caroline Simmons, der leitenden Anlageverwalterin bei UBS Global Wealth, könnte das Pfund Sterling auf einen Kurs von 1,25 US-Dollar sinken, sollte es nicht zu einer Einigung mit der EU kommen. Britische Aktienkurse könnten um 15 bis 20 Prozent weiter einbrechen. "Letztlich halten wir es für wahrscheinlicher, dass es zu einem Deal zwischen Großbritannien und der EU kommt, aber ein 'No-Deal-Exit' ist nicht auszuschließen", so Simmons laut der Nachrichtenagentur Reuters. Dementsprechend fahre man bei der UBS eine bullische Strategie, was die britischen Standardwerte angeht. Für die nächsten neun bis zwölf Monate rechnet Simmons mit zweistelligen positiven Renditen, die von einem schwächeren Pfundkurs profitieren.

Ähnliches Ergebnis bei erfolgreichen und gescheiterten Verhandlungen

Wishart erklärte laut ShareCast, dass man bei Capital Economics eigentlich mit besseren Kursverläufen bei britischen Aktien, als es nun tatsächlich der Fall ist, gerechnet habe. Mittlerweile sei aber nicht mehr davon auszugehen, dass der FTSE 100 seinen Rückstand wieder komplett aufholen könne. Daher habe man bei Capital Economics auch die Prognose für den Leitindex angepasst. "Das Fazit ist, dass wir unsere FTSE-100-Prognose für das Jahresende von 7'100 auf 6'200 Punkte und für Ende 2021 von 7'860 auf 6'600 nach unten revidiert haben, bevor der FTSE 100 Ende 2022 sein Vorkrisenniveau von etwa 7.500 Einheiten erreicht", so Wishart. Zwar sei der weitere Verlauf des FTSE 100 auch vom Ausgang der Brexit-Verhandlungen abhängig, das Ergebnis könnte aber ähnlich ausfallen, egal ob es zu einer Einigung zwischen Großbritannien und der EU kommt oder nicht. So werde das Pfund durch einen Brexit-Deal eher steigen, was den FTSE 100 begünstigen würde. Sollte es aber zu keiner Einigung kommen, würde zwar das Pfund fallen und damit die ausländischen Einnahmen, die 77 Prozent der FTSE 100-Einnahmen ausmachen, erhöhen. "Für den FTSE 100 kann also ein No-Deal zu einem ähnlichen Ergebnis wie ein Brexit-Deal führen, aber eben aus anderen Gründen", so Wishart.

Redaktion finanzen.ch

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