Experten-Kolumne 25.03.2019 09:21:20

EZB droht in die Japan-Spirale zu geraten

Kolumne

Damit würden der Eurozone japanische Verhältnisse drohen. Die Eurozone heute weist bereits Ähnlichkeiten mit Japan von vor 20 Jahren auf: Die Verschuldung und das Niveau notleidender Kredite sind hoch, der Leitzins liegt unter null Prozent und die Bevölkerung altert rasant. Eine ältere Bevölkerung aber wirkt deflationär, denn sie spart mehr und gibt einen geringeren Anteil des verfügbaren Einkommens aus. In den letzten zehn Jahren betrug die Euro-Inflation im Durchschnitt gerade 1,2 Prozent, weit unter dem impliziten Ziel von "nahe aber unter zwei Prozent". Diese Entwicklung aber prägt auch die langfristigen Inflationserwartungen. Je länger die EZB ihr Ziel verfehlt, umso eher könnten die Erwartungen dauerhaft unter die Zwei-Prozent-Marke sinken.

Die sich eintrübende Konjunktur zusammen mit dem langfristigen, demographisch bedingten Trend zu geringer Inflation ergibt ein unangenehmes Bild für die EZB: Zum einen schliesst sich das Zeitfenster, um ihre Geldpolitik vor dem nächsten Wachstumseinbruch wenigstens ansatzweise zu normalisieren. Zum anderen könnte die EZB auch auf Grund der demographischen Umwälzungen auf lange Zeit in einer Spirale geringer Inflationserwartungen und Niedrigzinsen gefangen sein. Die Bank of Japan hat auch 20 Jahre nach Einführung der Nullzinspolitik kaum Erfolge vorzuweisen. Kommt dieses Szenario auch auf Europa zu, so sollten Euro-Anleger einiges überdenken. So sollten sie eine Allokation an den internationalen Anleihenmärkten in Betracht ziehen, an denen die Zinsen noch das Potenzial haben zu sinken. Doch selbst langlaufende Euro-Anleihen wären in einer solchen Niedrigzinsspirale gar nicht so unattraktiv.

Andrew Bosomworth, PIMCO

Andrew Bosomworth: Managing Director, Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei PIMCO in München

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