Experten-Kolumne 17.07.2018 12:58:02

Sicherheit vor Rendite

Kolumne

Die Renditen italienischer Staatsanleihen stiegen im Mai, nachdem das Anti-Establishment-Bündnis ein Programm mit einem grossen fiskalpolitischen Ausgabenpaket schmiedete. Insbesondere verunsicherte die Märkte die mögliche Einführung einer parallelen fiskalischen Währung. Seitdem verharren die Risikoaufschläge auf deutlich erhöhtem Niveau.Das politische Risiko in Italien steigt vor dem Hintergrund einer Währungsunion, die weiterhin zögert, eine solidere politische Infrastruktur aufzubauen. Die Konvergenzanstrengungen in den einzelnen Ländern sind unzureichend, und in der Region fehlt es nach wie vor an einem fiskalisch-politischen Stabilisierungsmechanismus. Der EU-Gipfel im Juni war in dieser Hinsicht eine verpasste Chance.

Als einzige wirklich föderale Institution in der Eurozone mit einer beträchtlichen finanziellen Feuerkraft hat die EZB den Euroraum bisher zusammengehalten,aber Anleger können möglicherweise künftig nicht in gleicher Weise auf die EZB zählen. Die Haushaltskapazität der gesamten Eurozone bleibt ungleich verteilt und die fiskalpolitischen Instrumente des Europäischen Stabilitätsmechanismus genügen nicht, um dem potenziellen Bedarf grosser Länder wie Italien Rechnung zu tragen.

Auf Grund dieser Aussichten sollten Anleger bei Anlagen in Staatsanleihen und anderen risikobehafteten Anlagen der Euro-Peripherieländer vorsichtig bleiben. In unsicheren Zeiten kann es gerechtfertigt sein, ein gewisses Renditepotenzial für die Aufrechterhaltung der Portfolioflexibilität aufzugeben.

Andrew Bosomworth: Managing Director, Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei PIMCO in München

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus.

Andrew Bosomworth: Managing Director, Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei PIMCO in München

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