Schroders: Fünf Gründe, die für einen neuen Superzyklus für Rohstoffe sprechen | 30.03.21 | finanzen.ch
SMI 11’239 0.3%  SPI 14’329 0.5%  Dow 33’801 0.9%  DAX 15’234 0.2%  Euro 1.0995 -0.2%  EStoxx50 3’979 0.0%  Gold 1’744 -0.7%  Bitcoin 53’983 0.7%  Dollar 0.9245 0.0%  Öl 63.1 -0.5% 
30.03.2021 15:23:35

Schroders: Fünf Gründe, die für einen neuen Superzyklus für Rohstoffe sprechen

James Luke
Fondsmanager Rohstoffe

Malcolm Melville
Emerging Market Debt Fund Manager

Dravasp Jhabvala
Fund Manager, Agriculture

Rohstoffe sind bei Anlegern zwar schon lange nicht mehr beliebt. Seit Kurzem entwickeln sie sich jedoch gut und haben die Renditen breiter Aktienindizes zum ersten Mal seit vielen Jahren übertroffen. Die gestiegene Rohstoffnachfrage aus China, die beträchtliche Angebotsdisziplin im Ölsektor und die anhaltende fiskalpolitische Unterstützung vonseiten der Regierungen spielen hierbei eine wichtige Rolle.

Inzwischen wird heiss diskutiert, ob wir uns im Anfangsstadium eines neuen Superzyklus für Rohstoffpreise und -renditen befinden. Wir (und immer mehr andere Anleger) erkennen mehrere strukturelle Ähnlichkeiten zwischen den frühen 2020er- und den frühen 2000er-Jahren - das letzte Mal, dass Rohstoffpreise auf ein Rekordniveau kletterten.

Heute wie damals erleben wir eine beträchtliche Unterinvestition im Rohstoffangebot. Die Investitionsausgaben in den Sektoren Öl und Gas und globaler Bergbau sind seit 2011 um rund 40 % gesunken. In den frühen 2000er-Jahren war China bei der steigenden Rohstoffnachfrage ein Hauptfaktor. Heute stehen wir möglicherweise am Anfang einer beispiellosen Phase koordinierter globaler Kapitalinvestitionen in die Energiewende. Der Umstieg auf saubere Energiequellen und Elektrofahrzeuge könnte die Nachfrage nach wichtigen Rohmaterialien ankurbeln.

Es gibt aber auch einige wichtige Unterschiede. Der Schwerpunkt auf den Klimawandel wird heute die Investitionen in fossile Brennstoffe voraussichtlich selbst bei steigenden Preisen begrenzen, was möglicherweise zu einem historischen Angebotsschock führen könnte. Ferner läuten wachsende geopolitische Spannungen eine Phase ein, in der die Widerstandsfähigkeit der Lieferkette und eine strategische Bevorratung die Nachfrage vom Landwirtschafts- bis zum Metallsektor steigern.

Im Folgenden nennen wir fünf Gründe, warum sich Rohstoffe unseres Erachtens gut entwickeln werden und weshalb sich Anleger für den Sektor interessieren sollten.

Rohstoffe sind billig

Die Bewertungen von Rohstoffen sind günstig. Das gilt nicht nur im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie Aktien, sondern auch im historischen Vergleich (siehe Abbildung unten).

Ausserdem verweisen wir darauf, dass bei einer Outperformance von Rohstoffen die Marge oft gross ist, wie die unten stehende Abbildung zeigt. In der Vergangenheit wurden Phasen einer soliden Entwicklung durch bestimmte Bedingungen unterstützt. In den frühen 2000er-Jahren beispielsweise boomte China nach einer Phase der Unterinvestition aufgrund der Baisse der 1990er-Jahre. Wir gehen davon aus, dass sich diese vielversprechenden Bedingungen jetzt wieder einstellen.

In Vorbereitung auf die Welt nach Covid-19 setzen Regierungen auf der ganzen Welt fiskal- und geldpolitische Massnahmen um, die für Rohstoffe sehr günstig sind.

Die Inflation kommt

Als Reaktion auf die globale Finanzkrise von 2008 bemühten sich die grossen Zentralbanken der Welt, Volkswirtschaften mit der unorthodoxen Methode der quantitativen Lockerung zu retten. Diese Methode führte in den vergangenen zehn Jahren zu einer Outperformance von finanziellen Vermögenswerten gegenüber Sachwerten. Für Rohstoffe war sie jedoch sehr ungünstig und deflationär. Die Phase der reinen quantitativen Lockerung ist inzwischen jedoch vorbei.

In den vergangenen zwölf Monaten reagierten grosse Zentralbanken auf der ganzen Welt auf die Covid-19-Pandemie mit ungewöhnlichen geld- und fiskalpolitischen Massnahmen. Geschwindigkeit und Ausmass dieser Stimulationsmassnahmen waren beispiellos. Im Gegensatz zu 2008 wurde eine fiskalische Expansion von mehreren Billionen US-Dollar umgesetzt, wozu auch Helikoptergeld an Haushalte und Unternehmen gehörte.

Einige Länder weisen derzeit ein Haushaltsdefizit von über 15 % des BIP auf, was seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr vorkam. Durch die Schuldenlast wird eine Inflationspolitik für diese Länder attraktiver. Unseres Erachtens bedeutet die koordinierte Kombination von aggressiven fiskal- und geldpolitischen Massnahmen, dass eine Inflation bevorsteht. Und das ist gut für Rohstoffpreise.

Die Nachfrage nach Rohstoffen wird steigen

Die Energiewende wird dazu führen, dass die Nachfrage nach Metallen in den kommenden Jahren deutlich ansteigen wird, bedingt durch den Umstieg auf Elektrofahrzeuge und erneuerbare Energiequellen. Die folgende Abbildung zeigt den erwarteten Anstieg bei der Nachfrage nach Kupfer, das in Batterien und der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge eingesetzt wird.

Auch andere Rohstoffe dürften in den kommenden Jahren einen beträchtlichen Anstieg verzeichnen. Die Nachfrage nach Agrarrohstoffen, wie Mais, Sojabohnen und Schweinefleisch, dürfte ebenfalls steigen, vor allem in China. Unterbrechungen der Lieferkette aufgrund von Exportbeschränkungen während der Covid-19-Krise haben mehrere Länder dazu veranlasst, langfristige Pläne zum Aufbau von Lebensmittelreserven, insbesondere Weizen, zu entwickeln, um ihre Importabhängigkeit zu verringern.

Der Anstieg der Nachfrage aus China ergibt sich daraus, dass das Land aufgrund seiner geringen Ackerflächen seinen Agrarsektor nicht ausbauen kann. Die steigende Nachfrage nach diesen Rohstoffen, insbesondere Schweinefleisch, ist auch auf die wachsende urbane Mittelschicht Chinas zurückzuführen.

Die Unterinvestition könnte zum nächsten Rohstoffzyklus führen

Unterinvestitionen gehen jedem Rohstoffzyklus voraus. Die folgende Abbildung zeigt, dass die Kapitalinvestitionen in grosse integrierte Öl- und Gasunternehmen zwischen 2013 und 2020 um 52 % zurückgegangen sind. Die Investitionsausgaben in der Kupferindustrie brachen zwischen 2021 und 2020 um 44 % ein.

Das Einzige, was Investitionen in diesen Sektoren stimulieren kann, ist eine Preiserhöhung. Wenn auch nur die Hälfte der erwarteten Nachfrage eintritt, wird das Angebot nicht ausreichen, was zu höheren Preisen führen und Investitionen anregen wird.

Der US-Dollar dürfte in den kommenden Jahren abwerten

Die Intervention der US-Notenbank Fed während der Covid-19-Pandemie zur Stützung der Finanzen von Unternehmen und Verbrauchern hat der Aufwertung des US-Dollars eine Obergrenze gesetzt. Angesichts der unbegrenzten Versorgung der Fed mit US-Dollar in jeder Krise haben Anleger nach sicheren Häfen, wie dem Euro, gesucht.

Sorgen über das Zwillingsdefizit der USA (Haushalts- und Leistungsbilanzdefizit) haben ebenfalls zu einem Wertverlust des US-Dollars geführt (siehe Abbildung unten). Und wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung in den nächsten Jahren fortsetzen wird.

Darüber hinaus könnte der Status des US-Dollars als Reservewährung allmählich verblassen, während der Euro an Stärke und Bedeutung gewinnt, da die europäischen Staats- und Regierungschefs einen proaktiveren Ansatz zur Stimulierung der Wirtschaftstätigkeit verfolgen.

Die Abwertung des US-Dollars wäre für Rohstoffe günstig. Obwohl die meisten Rohstoffe in Schwellenländern produziert werden, wird ihr Preis normalerweise in US-Dollar angegeben. Wertet der US-Dollar ab, steigt der Preis dieser Rohstoffe gemessen in US-Dollar.

Und was ist mit ESG?

Einige Anleger, die sich auf Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren (ESG) konzentrieren und daher nicht in Energietitel investieren, zögern möglicherweise, in Rohstoffe zu investieren, da sie Bedenken hinsichtlich ihrer Umweltauswirkungen haben.

Wir verweisen jedoch darauf, dass einige dieser Rohstoffe (insbesondere Metalle) für die Energiewende und den Umstieg auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft unabdingbar sind. Eine unzureichende Versorgung mit Kupfer oder Nickel wäre problematisch für die Entwicklung von Elektrofahrzeugbatterien oder den Anschluss von Solarparks und Windkraftanlagen an das Stromnetz.

Durch die Investition in Terminkontrakte, beispielsweise LME-Kupfer, können Anleger Vertrauen in die Lieferkette haben. Sie können auch sicher sein, dass der zugrunde liegende Kontrakt nicht für Metalle gilt, deren Sicherheitsmassnahmen bei der Produktion nicht dem Standard entsprechen.

Es ist auch erwähnenswert, dass ESG-Anleger als aktive Anleger auf Unternehmen Einfluss ausüben und zu Veränderungen beitragen können. Zu guter Letzt bleibt zu sagen, dass Rohstoffe nach wie vor eine Notwendigkeit und für eine funktionierende Weltwirtschaft oftmals unerlässlich sind.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

Wichtige Informationen: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Marketingmaterial. Die Einschätzungen und Meinungen in diesem Dokument geben die Auffassung des Autors bzw. der Autoren auf dieser Seite wieder und stimmen nicht zwangsläufig mit Ansichten überein, die in anderen Veröffentlichungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck kommen. Dieses Material dient ausschliesslich zu Informationszwecken und ist in keiner Hinsicht als Werbematerial gedacht. Das Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments dar. Es ist weder als Beratung in buchhalterischen, rechtlichen oder steuerlichen Fragen noch als Anlageempfehlung gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden. Die Ansichten und Informationen in diesem Dokument sollten nicht als Grundlage für einzelne Anlage- und/oder strategische Entscheidungen dienen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Der Wert einer Anlage kann sowohl steigen als auch fallen und ist nicht garantiert. Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden. Dazu gehört unter anderem der mögliche Verlust des investierten Kapitals. Die hierin aufgeführten Informationen gelten als zuverlässig. Schroders garantiert jedoch nicht deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Einige der hierin enthaltenen Informationen stammen aus externen Quellen, die von uns als zuverlässig erachtet werden. Für Fehler oder Meinungen Dritter wird keine Verantwortung übernommen. Darüber hinaus können sich diese Daten im Einklang mit den Marktbedingungen ändern. Dies schliesst jedoch keine Verpflichtung oder Haftung aus, die Schroders gegenüber seinen Kunden gemäss etwaig geltender aufsichtsrechtlicher Vorschriften wahrnimmt. Die aufgeführten Regionen/Sektoren dienen nur zur Veranschaulichung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Die im vorliegenden Dokument geäusserten Meinungen enthalten einige Prognosen. Unseres Erachtens stützen sich unsere Erwartungen und Überzeugungen auf plausible Annahmen, die unserem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass sich etwaige Prognosen oder Meinungen als richtig erweisen. Diese Einschätzungen oder Meinungen können sich ändern. Herausgeber dieses Dokuments: Schroder Investment Management Limited, 1 London Wall Place, London EC2Y 5AU, Grossbritannien. Registriert in England unter der Nr. 1893220. Zugelassen und beaufsichtigt durch die Financial Conduct Authority.


Bildquelle: Schroders

Fondsfinder

Nachrichten

  • Nachrichten zu Fonds
  • Alle Nachrichten

finanzen.net News

Datum Titel
{{ARTIKEL.NEWS.HEAD.DATUM | date : "HH:mm" }}
{{ARTIKEL.NEWS.BODY.TITEL}}
pagehit