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Rückgang teilweise erwartet 26.10.2021 17:45:00

Logitech macht trotz Rekordumsatz weniger Gewinn - Logitech-Aktie schlussendlich unter Druck

Logitech macht trotz Rekordumsatz weniger Gewinn - Logitech-Aktie schlussendlich unter Druck

Logitech bleibt auf Rekordjagd.

Der Umsatz des Computerzubehörherstellers kletterte im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2021/22 um 4 Prozent auf 1,31 Milliarden Dollar.

Das sei ein neuer Rekordwert, der sogar das aussergewöhnlich hohe Niveau des vergangenen Jahres übertreffe, erklärte Konzernchef Bracken Darrell am Dienstag in einem Communiqué. Die Verkäufe seien um 82 Prozent höher als im gleichen Vor-Coronaquartal von 2019. "Wir haben auch Marktanteile in den meisten Produktkategorien gewonnen."

Damit hat Logitech die Erwartungen der Analysten übertroffen. Diese hatten im Schnitt mit einem Umsatzrückgang gerechnet, weil die Vergleichsbasis des Vorjahresquartals sehr hoch war, das mitten in die Coronakrise fiel. Damals kaufte die ganze Welt Computerzubehör, weil die Menschen im Homeoffice ihre IT-Ausstattung aufrüsten mussten. So gingen Kameras für Videokonferenzen oder Tastaturen weg wie warme Weggli.

Rückgang teilweise erwartet

Nun ging die Nachfrage bei gewissen Produkten wie etwa Audio-Lösungen und Kopfhörern (-14 Prozent), mobilen Lautsprechern (-9 Prozent), PC-Webcams (-8 Prozent) zurück. Allerdings seien die Verkäufe von Webcams immer noch dreimal so hoch wie vor zwei Jahren, erklärte Logitech.

Der Rückgang bei den mobilen Lautsprechern sei erwartet worden, da man die Ressourcen auf schneller wachsende Marktsegmente umverteile. Auch bei den Audio-Lösungen und Kopfhörern habe man den Verkaufsrückgang erwartet, hiess es. Man rechne mit ähnlichen Rückgängen im zweiten Halbjahr, nachdem das Wachstum im Vorjahr sehr stark gewesen sei.

Auf der anderen Seite konnten mehrere Produkte teils stark zulegen. So stiegen die Verkäufe von Tastaturen um 17 Prozent auf 236,3 Millionen Dollar. Damit haben die Tastaturen die Ausstattung für Videokonferenzen als zweitgrösste Produktkategorie abgelöst, deren Umsatz um 2 Prozent auf 231,7 Millionen Dollar schrumpfte. Auch die grösste Produktkategorie Gaming wuchs um 11 Prozent auf 330,8 Millionen Dollar. Die Computermäuse waren ebenfalls stärker gefragt (+12 Prozent) und haben Marktanteile gewonnen.

Deutlich weniger Gewinn

Dagegen ging der Gewinn deutlich zurück. Der um die Kosten im Zusammenhang mit Übernahmen und Restrukturierungen bereinigte operative Gewinn EBIT (Non-GAAP) fiel in den Monaten Juli bis September um 40 Prozent auf 211,5 Millionen Dollar. Und der unbereinigte Reingewinn (GAAP) sank um 48 Prozent auf 139,5 Millionen Dollar.

Grund dafür seien die Kosten, die um gut die Hälfte gestiegen seien. So habe Logitech etwa die Marketingkosten um zwei Drittel erhöht, die man im vergangenen Coronajahr gestutzt habe. Auch die Forschungs- und Entwicklungskosten wurden um 29 Prozent nach oben gefahren, um neue Bezugsquellen zu erschliessen für Komponenten, die knapp seien.

Trotz des deutlichen Rückgangs hat Logitech operativ die Erwartungen der Analysten übertroffen. Diese hatten mit deutlich weniger Betriebsgewinn gerechnet.

Im Ausblick für das gesamte Geschäftsjahr 2021/22 rechnet Logitech nach wie vor mit einer stabilen Umsatzentwicklung. Das Wachstum werde im Bereich von -5 bis +5 Prozent erwartet, hiess es. Die Prognose zum Betriebsgewinn bestätigte die Gruppe ebenfalls. Da rechnet Logitech weiterhin mit einem EBIT von 800 bis 850 Millionen Dollar.

Logitech-Aktie nach durchwachsenem Q2 unter Druck

Die Aktien von Logitech sind am Dienstag entgegen den vorbörslichen Indikationen mit deutlichen Verlusten in den Handelstag gestartet. Der Computerzubehörhersteller aus der Westschweiz blickt auf ein schwieriges zweites Quartal zurück. In Bezug auf die Bruttomarge und den Reingewinn verfehlte das Unternehmen zum ersten Mal seit Jahren die Analystenschätzungen. Allerdings lässt die Bestätigung der diesjährigen Wachstums- und Gewinnvorgaben die Experten etwas aufatmen.

Die Aktie brach dennoch um 4,3 Prozent auf 78,38 Franken ein. Denn die Analysten kritisierten den Ausblick als zu konservativ. So weist Logitech beim Umsatz nach sechs Monaten bereits ein Plus von 28 Prozent aus, beim EBIT ist schon mehr als die Hälfte des Ziels erreicht. Logitech-Chef Darrell rechnet mit Zusatzkosten durch die Lieferkettenprobleme. Diese seien aber schwierig zu beziffern.

Die Logitech-Aktie war vor allem im vergangenen Jahr mit einem Plus von 87 Prozent ein absoluter Renner. Nach einem weiteren Anstieg um fast 50 Prozent in der ersten Jahreshälfte 2021 war dann die Luft aber draussen.

Seither hat das Papier vom Jahreshoch bei 124,90 Franken über ein Drittel eingebüsst, so dass mittlerweile auch die bisherige Jahresperformance deutlich im Minus liegt. Als belastend erwies sich zuletzt u.a. eine Umsatzwarnung von Corsair, einem Hersteller von Gaming-Zubehör. Diese Warnung habe Ängste geweckt, wonach auch Logitech von Lieferketten-Problemen geplagt sein könnte.

Umsatz nochmals gesteigert

Grundsätzlich werden die heute präsentierten Zahlen aber nicht als schlecht beurteilt. Im Gegenteil: Sowohl Umsatz wie auch EBIT haben den AWP-Konsens übertroffen. Das (adjustierte) operative Resultat sei erneut stark ausgefallen, meint denn auch die ZKB. Es habe profitiert von einer positiven Nachfrage und dies auf einem Umsatzniveau, das über 80 Prozent über dem Vorpandemieumsatz gelegen habe.

Was den Umsatzbeitrag aus den einzelnen Produktkategorien anbetrifft, fallen die Reaktionen der Experten allerdings unterschiedlich aus. Zumindest in zwei Punkten ist man sich jedoch einig: Gaming-Zubehör verkaufte sich zwischen Juli und September besser als gedacht, Video Collaboration enttäuschte hingegen.

Aber auch Vontobel ist beeindruckt: Das Ergebnis beweise einmal mehr die starke Umsetzungsfähigkeit des Unternehmens in einem sehr schwierigen Marktumfeld. Und aus Sicht der Analysten von UBS hat sich Logitech ebenfalls soweit gut geschlagen, auch wenn das Unternehmen die bankeigenen EBIT-Schätzungen aufgrund stark gestiegener Marketingausgaben verfehlt habe.

Für etwas Gesprächsstoff sorgen derweil die rückläufige Bruttomarge und auch der fast 50 Prozent unter dem Vorjahr liegende Reingewinn (nach GAAP). Auf diesen beiden Ebenen wurden die durchschnittlichen Analystenschätzungen verfehlt. Aber auch hier meint die ZKB: Der Rückgang sei erwartungsgemäss ausgefallen und die Marge sei innerhalb der Zielbandbreite zu liegen gekommen.

An den Wachstums- und Gewinnvorgaben für das Gesamtjahr hält das Unternehmen zudem unbeirrt fest. Der Ausblick für das Geschäftsjahr 2022 werde trotz der Unterbrechungen in der Lieferkette bestätigt, wenn auch auf Kosten eines höheren Betriebskapitals und damit eines niedrigeren Cashflows, schreibt Vontobel dazu.

Eine Analystenkonferenz findet wie üblich um 14.30 Uhr statt. Ab dann und mit Beginn des US-Handels könnte sich die Kursdynamik je nach dem nochmals deutlich akzentuieren, heisst es im Handel.

Lausanne (awp)

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Bildquelle: Araya Diaz/Getty Images for Logitech