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Expertenkolumne 30.04.2024 10:33:58

Die Aussichten bei erwarteten Zinssenkungen

Die Aussichten bei erwarteten Zinssenkungen

Blickt man auf das Wachstum der verschiedenen weltweiten Volkswirtschaften, so sticht vor allem die US-Wirtschaft mit sehr resilientem Wachstum und wirtschaftlicher Dynamik hervor. Es scheint, als wenn die US-Wirtschaft weniger empfindlich auf die bisherigen Zinserhöhungen reagiert.

Ausserhalb der USA zeigt sich ein anderes Bild. Es gibt einige Anzeichen für eine stärkere Abschwächung der Volkswirtschaften in Europa, wie etwa in Grossbritannien. Wir sind der Ansicht, dass diese Entwicklung den Zentralbanken ausserhalb der USA eine Lockerung der Geldpolitik ermöglichen wird, vielleicht ausserhalb des Zyklus und nicht unbedingt synchron mit der Fed. Und das bietet attraktive Chancen. Abgesehen von den wirtschaftlichen Fundamentaldaten sind die globalen Anleiherenditen recht attraktiv und das waren sie schon lange nicht mehr.

Was die Zentralbankpolitik angeht, so sind wir der Meinung, dass die Terminkurven (bzw. die darin enthaltenen Markterwartungen) nach den Kurskorrekturen im bisherigen Jahresverlauf nun ziemlich genau dem entsprechen, was die Fed wahrscheinlich tun wird. Wir gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen im Laufe des Jahres wahrscheinlich senken wird, vielleicht sogar mehrmals in diesem Jahr. Doch angesichts des starken US-Wirtschaftswachstums und der hartnäckig hohen Inflation besteht auch das Risiko, dass die Zentralbank überhaupt nicht eingreift. Es besteht sogar ein Risiko von zehn bis 20 Prozent, dass sie den Zinssatz anheben muss. Es herrscht also grosse Unsicherheit.

Aber was für aktive festverzinsliche Anlagen grossartig ist, ist die Tatsache, dass die Volatilität dieser weniger synchron ablaufenden Zyklen sehr gute Möglichkeiten bietet, Portfolios zu diversifizieren und diese Märkte für Alpha-Chancen zu nutzen.

Anlagechancen bei steigende Anleiherenditen inmitten der Inflation

Langfristig gesehen erscheinen die Renditen sehr, sehr attraktiv. Die nominalen Renditen, die jetzt im mittleren Teil der Kurve wieder im Bereich von fünf Prozent liegen, oder auch die realen Renditen, die deutlich über zwei Prozent liegen, sind aus historischer Sicht sehr attraktiv.

Wenn man einen Schritt zurücktritt und die Bewertungen von festverzinslichen Wertpapieren aus einer längerfristigen Perspektive betrachtet, sehen sieben bis acht Prozent Rendite für hochwertige Anleihen im Vergleich zu Aktien des öffentlichen Markts sehr attraktiv aus. Man erhält eine aktienähnliche Rendite bei einem viel attraktiveren Gesamtprofil. Und sieben bis acht Prozent Rendite in einem hochwertigen Anleiheportfolio waren in der Vergangenheit gegenüber Bargeld sehr attraktiv.

Wir denken nicht, dass man aktuell garantieren kann, dass die Cash-Zinsen noch lange bei 5 oder 5,5 Prozent liegen werden. Und das ist typischerweise der Zeitpunkt, an dem wir uns am langen Ende orientieren, um diese sehr attraktiven Renditen sichern.

Kurzfristig sind wir der Meinung, dass es nach dem jüngsten Ausverkauf an der Zeit ist, in den meisten von uns verwalteten Portfolios zu einer neutralen oder sogar leicht übergewichteten Position gegenüber dem Zinsrisiko zurückzukehren. Und das tun wir nicht nur auf dem US-Markt, sondern auch durch diversifizierte Käufe anderer Staatsanleihen höherer Qualität in Regionen wie Australien, Kanada und sogar Grossbritannien. Aus taktischer Sicht sind wir der Meinung, dass der jüngste Ausverkauf vielleicht etwas übertrieben ist und die Aussichten auf stabilere Renditen in der Nähe des aktuellen Niveaus - oder sogar ein Rückgang der Renditen im Laufe dieses Jahres - immer besser werden. Also attraktive Erträge mit ebenfalls attraktivem Gesamtrenditepotenzial.

Auswirkungen höherer und längerfristiger Zinssätze auf Kreditnehmer und Kreditmärkte sowie Chancen für Anleger

Höhere Leitzinsen stellen bestimmte Bereiche der Wirtschaft vor Herausforderungen. Wir sehen die unmittelbaren Auswirkungen auf regionale Banken, die im Bereich der Gewerbeimmobilien einige Probleme haben. Ebenso gibt es in einigen privaten Kreditsektoren erste Anzeichen für eine weitere Verschlechterung - auch hier sind Gewerbeimmobilien betroffen.

Diesen Sektoren ist gemeinsam, dass ein grosser Teil der Finanzierung auf den Märkten für variable Zinssätze erfolgt, und angesichts der höheren kurzfristigen Zinssätze, die auch noch länger höher bleiben werden, wird sich die Lage weiter verschlechtern.

Das bietet natürlich die Möglichkeit, neue Kapitalquellen zu erschliessen. Aber wir glauben auch, dass es gegen Ende dieses Jahres und Anfang 2025 zu weiteren Herausforderungen kommen wird, die sich vielleicht sogar noch beschleunigen werden - vor allem, wenn es zu wirtschaftlichen Abschwächungen kommt.

Chancen durch neue Kapitalquellen

Es gibt Chancen im gesamten Spektrum. Auf den öffentlichen Märkten haben wir angesichts der erhöhten Volatilität an den Aktienmärkten und der geopolitischen Risiken eine gewisse Ausweitung der Spreads und interessante Möglichkeiten auf den traditionellen Märkten für Unternehmenskredite festgestellt.

Ausserdem haben regionale Banken und andere Risikoträger aus dem gesamten Spektrum der Gewerbeimmobilien risikoreichere Segmente wie Büroimmobilien verstärkt verkauft. Aber wir sehen weitere interessante Chancen, sogar im Bereich der Mehrfamilienhäuser. Im Bereich der Asset-Backed-Securities sind wir allgemein in allen PIMCO-Fonds stark übergewichtet. Wir sind nach wie vor der Meinung, dass Verbraucherkredite der widerstandsfähigste und attraktivste Bereich des Kredituniversums sind. Und diese Chancen können sowohl im Rahmen traditioneller Investmentfonds als auch über aggressivere, renditestärkere Vehikel genutzt werden.

Von Dan Ivascyn, Group CIO, PIMCO

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