Experten-Kolumne 20.11.2017 07:20:56

Was ist gutes Risikomanagement bei den Investitionen?

Kolumne

Mehrere sagten aus, gar kein Risikomanagement zu betreiben, andere gaben die regelmässige Offenlegung der Einhaltung der Limiten in den Anlagereglementen an, was eine sehr konkrete Umsetzung von Risikomanagement darstellt. Für weitere Anlageverantwortliche war das Risikomanagement durch die Erstellung einer ALM-Studie alle 3 Jahre erledigt.

Nun gibt es nicht DAS perfekte Risikomanagement. Und kein Risikomanagement zu betreiben ist schlicht unmöglich - es wird sicher in jeder Schweizer Pensionskasse betrieben, allerdings unter vielen unterschiedlichen Bezeichnungen. Risikomanagement muss immer den Bedürfnissen der Einrichtung entsprechen und kann nicht verallgemeinert werden. Und auf der Basis dieser spezifischen Bedürfnisse sollte das Risikomanagement soviel zum Gesamterfolg beitragen, wie nur denkbar.

Darum sollte ein Ansatz verfoglt werden, in dem es nicht nur um Risikoüberwachung, sondern tatsächlich um die aktive Gestaltung, also das Management der Risiken geht. Investitionen beinhalten immer Chancen und Risiken. Investitionen verwalten und allozieren heisst also zwangsläufig, sich über die Gesamthöhe des akzeptablen Risikos Gedanken zu machen und zwischen unterschiedlichen Risiken zu verteilen. In der Sprache des Portfoliomanagements der letzten Jahre wird das besonders deutlich: Man spricht nicht mehr nur von Anlageallokation, sondern von der Allokation auf Risikoprämien oder Risikofaktoren. Und so ist die Hauptaufgabe der Anlagekommision einer Vorsorgeeinrichtung in der Tat, das Risikobudget auf die verschiedenen Risikofaktoren aufzuteilen und somit das Risiko bewusst und aktiv zu bewirtschaften.

Dabei stellt sich die spannende Frage, was man denn als das zentrale Risiko für seine Vorsorgeeinrichtung ansieht. Aufgrund des Erfolges des Konzeptes der Finanzmarkttheorie wird das Risiko oft unter der Volatilität der Rendite zusammengefasst. Aber ist dies wirklich für jede Kasse das richtige Mass?

Etwas weiter führt da ein Mass, das die Besorgnis vieler Stiftungsräte annähernd gut beschreibt: Risiko ist, dass der Deckungsgrad im nächsten Jahr unter ein bestimmtes Niveau fällt. Das Niveau wird dann gerne bei 100% gesetzt.

Aber das eigentlich wichtige Risiko, dass sich auch aus dem Grundauftrag der beruflichen Vorsorge direkte ablesen lässt, sit doch das Risiko, dass langfristig die Rendite auf die Anlagen die versprochenen Leistungen (also die Verpflichtungen gegenüber den Versicherten) nicht erreicht.

Dieses Risiko sollte den grössten Augenmerk des Stiftungsrates erhalten; das Risiko einer kurzfristigen Unterdeckung hingegen sollte nur als Nebenbedingung fungieren. Natürlich sollte es extrem eingeschränkt werden, denn eine zu grosse Unterdeckung könnte dazu führen, dass man die Anlagerisiken im falschen Moment reduzieren muss und so nicht mehr die Chancen hat, durch erneute Marktperformance wieder zu einem positiven Ergebnis zu gelangen. Aber es sollte nicht der zentrale Punkt sein.

All die Punkte, die man anhin als Risikomanagement bezeichnet, wie Limitierung eines Emittenten auf 1% des Portfolios etc., sind lediglich kleine, aber wohl unabdingbare Hilfsmittel auf dem Weg zum Pensionskassenerfolg: Mehr verdienen als man leisten muss und dies den Versicherten zukommen lassen.

Christina Böck: Chief Investment Officer, Profond Vorsorgeeinrichtung

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