Experten-Kolumne 08.11.2019 12:17:42

Private Krankenversicherungen für Kinder: Sinn oder Unsinn?

Kolumne

In den letzten Jahren wurden in der Schweiz immer mehr halbprivate und private Krankenzusatzversicherungen für Kinder abgeschlossen. Am Uni-Kinderspital beider Basel beispielsweise haben die privaten Zusatzversicherungen für Patienten im Kindesalter von 3,9 Prozent im Jahr 2011 auf 15 Prozent im Jahr 2018 zugenommen. Im Zürcher Kinderspital hat sich die Anzahl junger Patientinnen und Patienten mit Zusatzversicherung binnen acht Jahren auf fast 20 Prozent verdoppelt. Die Spitäler freuts, denn die zusätzlichen Einnahmen helfen, finanzielle Löcher zu stopfen. Bei der Behandlung von Kindern genügen die Fallpauschalen nicht, denn die Ärzte brauchen für die Betreuung viel länger als in den Tarifen vorgesehen, da sie alles mit den Kindern und mit den Eltern besprechen müssen.

Doch was bringen halbprivate oder private Krankenversicherungen den Kindern und Eltern? Brauchen Kinder freie Arztwahl und Einzelzimmer? Erwachsene wählen eine private Spitalzusatzversicherung oft nicht nur wegen der Möglichkeit der Behandlung durch den Chefarzt, sondern auch wegen dem Komfort eines Einzelzimmers. Dies ist angenehm und reduziert zugleich die Ansteckungsgefahr durch Spitalkeime. Der Trend zu Einzelzimmern - auch für Patienten ohne Zusatzversicherung - lässt dieses Argument jedoch etwas in den Hintergrund rücken. So setzt das Universitätsspital Zürich bei der baulichen Gesamterneuerung grundsätzlich auf Einbettzimmer.

Allgemein gute Betreuung von Kindern

Für Kinder ist die Unterbringung in Einzelzimmern umstritten, manche Experten bestätigen, dass Kinder schneller gesund werden, wenn sie nicht allein in einem Zimmer sind. Kinderspitäler sind dafür meist auch gar nicht eingerichtet, Einzelzimmer sind die Ausnahme. Es ist jedoch insbesondere bei kleinen Kindern, bei denen ein Elternteil mit ihnen im Spital übernachtet, angenehm, wenn kein weiteres Kind im gleichen Zimmer untergebracht ist. Hinsichtlich der Arztwahl sind bei schwerkranken Kindern und komplexen Unfällen sowieso Spezialisten in die Behandlung involviert. Zudem sind Spitalaufenthalte bei Kindern meist Notfälle, bei denen keinen Unterschied zwischen allgemein, halbprivat und privat Versicherten gemacht wird.

Dennoch sind bestimmte Zusatzversicherungen für Kinder sinnvoll. Grundsätzlich sollten Kinder bereits vor der Geburt versichert werden. Das ist kostenlos und garantiert, dass das Kind auch bei einem Geburtsgebrechen in die Zusatzversicherungen aufgenommen werden kann. Zudem kann das Kind im Erwachsenenalter selber entscheiden, ob es eine Zusatzversicherung fortführen möchte oder nicht, da es bereits aufgenommen ist. Alle Kinder werden von der Grundversicherung vorbehaltslos aufgenommen, nicht jedoch von der Zusatzversicherung. Dort kann das Kind später wegen möglichen Krankheiten oder Behinderungen abgelehnt werden. Wird die Zusatzversicherung vor der Geburt abgeschlossen, ist eine Aufnahme ohne Gesundheitsprüfung möglich.

Flex-Modell und Zahnversicherung

Auch für Kinder bis 18 Jahre ist im Bereich der Spitalzusatzversicherung ein Flex-Modell empfehlenswert: Die Eltern können vor Spitaleintritt wählen, ob das Kind allgemein, halbprivat oder privat behandelt wird. Es entsteht bei halbprivat und privat eine Kostenbeteiligung, aber die laufenden Prämien sind niedriger. Manche Eltern wünschen die Möglichkeit «sanfter» Behandlungsmöglichkeiten beim Kind. Da die Grundversicherungen nur einzelne Leistungen der Komplementärmedizin in eingeschränkter Form (Schulmediziner mit entsprechender Zusatzausbildung) bezahlen, kann eine entsprechende Zusatzversicherung in Betracht gezogen werden. Auch eine Kinder-Invaliditätsversicherung sollte geprüft werden, da Kinder in diesem schwerwiegenden Fall nur Leistungen aus der 1. Säule erhalten, da sie noch keine Deckung aus der 2. Säule haben. Solche Zusatzversicherungen übernehmen die Kosten unabhängig davon, ob die Invalidität durch eine Krankheit oder durch einen Unfall hervorgerufen wurde.

Kosten und Nutzen von Zusatzversicherungen müssen bei Kindern - wie auch bei Erwachsenen -abgewogen werden. Ein klares Muss ist jedoch die Zahnversicherung. Der finanzielle Aufwand für die Korrektur von Zahnfehlstellungen beträgt schnell einen fünfstelligen Betrag. Warten Eltern zu lange mit dem Abschluss einer Zahnversicherung, laufen sie Gefahr, später mit sehr hohen Kosten konfrontiert zu sein, da die Grundversichersicherung nichts an Zahnkorrekturen zahlt. Viele Versicherer verlangen ab dem 6. Geburtstag ein zahnärztliches Attest; bei Bestehen einer Zahnfehlstellung kann die Deckung nicht mehr abgeschlossen werden. Die Prämien dafür - wie auch für Zusatzversicherungen für Kinder allgemein - sind vergleichsweise niedrig.

Stephan Wirz ist Mitglied der Geschäftsleitung der Maklerzentrum Schweiz AG, einer führenden Anbieterin von Versicherungslösungen im Privatkundenbereich.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus.

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