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Experten-Kolumne 07.12.2020 10:55:34

Bitcoin Rallye - was ist anders als 2017?

Kolumne

Die aktuelle Rallye im Bitcoin erinnert nur auf den ersten Blick an den Hype aus 2017. Während damals die Kryptowährung innerhalb von einem Jahr von knapp 800 US-Dollar auf nahezu 20.000 US-Dollar um unglaubliche 2400 Prozent stieg, ist der Anstieg dieses Mal deutlich moderater. Mit immer noch imposanten 180 Prozent, von 7.000 US-Dollar auf knapp unter 20.000 US-Dollar in den vergangenen 365 Tagen. Was unterscheidet die Rallye von damals also von der Heutigen? Und ist Bitcoin das neue Gold?

2017 war es Investoren unmöglich, sich dem Phänomen Bitcoin zu entziehen. Mit einer nahezu beispiellosen Kursrallye zog der Pionier unter den Kryptowährungen alle Aufmerksamkeit auf sich. Kurz nach Erreichen des vorläufigen Allzeithochs bei knapp unter 20.000 US-Dollar zerplatzte jedoch die Bitcoin-Blase. Der Kurs fiel in den folgenden zwölf Monaten auf ein Tief von 3.150 US-Dollar. Mit der Blase platzten auch die Träume tausender Kleinanleger, die dem Hype unterlegen waren.
Während diese nämlich noch zu Höchstkursen kauften, nahmen professionelle Anleger ihre Gewinne längst mit. Insbesondere der starke Kursanstieg rief damals Zentralbanken und Finanzministerien rund um den Globus auf den Plan, welche in der Kryptowährung eine Bedrohung für das globale Währungssystem sahen und durch Androhung von Verboten und Regulierung den Crash weiter beschleunigten.

Heute, ziemlich genau drei Jahre danach, steht Bitcoin erneut bei knapp unter 20.000 US-Dollar. Die Situation ist jedoch eine andere.

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Regulierung und Zentralbankgeld

Während es 2017 so schien, als ob Behörden durch Regulierung Kryptowährungen verbieten würden, scheinen die Politiker nun einen pragmatischeren Ansatz zu wählen. Im September forderten einige EU-Finanzminister die EU-Kommission dazu auf, bis 2024 verbindliche, strikte und klare Regeln für Kryptowährungen zu definieren. Darüber hinaus sollen bis dahin die Zulassungsvoraussetzungen für Anlagevehikel, die in Kryptoassets investieren, definiert werden. Gleichzeitig haben sich Zentralbanken mit der Thematik beschäftigt und entwickeln seither eigene Kryptowährungen. China scheint dabei aktuell die Nase vorne zu haben, da sie bereits in vier Städten die Nutzung des digitalen Zentralbankgeldes testen. Kryptowährungen und -anlagen scheinen also weiter an Legitimität bei den politischen Entscheidungsträgern zu gewinnen.

Institutionelle Investoren

Während sich institutionelle Anleger aufgrund der oben erwähnten regulatorischen Unsicherheiten 2017mit Investments in Kryptoassets zurückhalten mussten, fliessen in der aktuellen Phase Millionenbeträge in den Markt. So hat unter anderem die Vermögensverwaltungsgesellschaft Guggenheim angekündigt, durch den hauseigenen "Macro Opportunities Fund" bis zu 10 Prozent der verwalteten Gelder, also bis zu 530 Millionen US-Dollar, in den Grayscale Bitcoin Trust investieren zu wollen. Dieser hält nach eigenen Angaben mittlerweile 500.000 Bitcoins mit einer Marktkapitalisierung von annähernd 10 Milliarden US-Dollar. Weitere Fonds dürften diesem Vorbild folgen und somit für einen nachhaltigeren Kursverlauf sorgen.

Inflationsängste und Gold

Um die im Rahmen der Coronakrise auferlegten staatlichen Hilfsprogramme zur Unterstützung der Wirtschaft finanzieren zu können, hat die US-Zentralbank die eigene Bilanz in diesem Jahr quasi verdoppelt. Lag die Bilanzsumme im Herbst 2019 noch bei knapp 3.8 Billionen US-Dollar, liegt diese nun bei knapp über 7.2 Billionen US-Dollar. Dies führt bei Anlegern zusehends zu Inflationsängsten, zumal das nächste Hilfspaket im Umfang von bis zu 2 Billionen US-Dollar gerade im US-Senat verhandelt wird. Während traditionell in Zeiten von hoher Inflationserwartung Gold am stärksten profitiert, sehen wir im Edelmetall seit seinem Allzeithoch im August rückläufige Kurse. Während Gold seither um etwa 11 Prozent gefallen ist, stieg Bitcoin um 60 Prozent. Damit scheint Bitcoin seiner ureigenen Bestimmung, der Abkoppelung von den Zentralbanken, gerecht zu werden, und läuft Gold somit den Rang als sicherer Hafen zusehends ab. Sollte sich diese Tendenz in Zukunft bestätigen, dürften wir noch weit höhere Umpositionierungen von Gold zu Bitcoin sehen. Zumal Bitcoin als Zahlungsmittel immer mehr Akzeptanz findet und somit gegenüber Gold einen klaren Vorteil bietet.

Unter Berücksichtigung der genannten Faktoren stellt sich bei der aktuellen Rallye in Bitcoin eine deutlich stabilere Gesamtsituation als noch 2017 dar. Aktuell stellt die handelspsychologisch wichtige Marke von 20.000 US-Dollar jedoch einen starken Widerstand dar. Bei Überschreiten des Widerstands wäre zwar kurzfristig mit einer kräftigen Anschlussbewegung zu rechnen. Das Rückschlagsrisiko bleibt jedoch hoch. Sollte der Widerstand dagegen erneut nicht übertroffen werden, könnte ein Rücksetzer bis auf 16.300 US-Dollar und darunter bis auf 14.000 US-Dollar bevorstehen.

Neben der sehr hohen Volatilität stellt aber die nach wie vor fehlende Regulierung von Bitcoin als Zahlungsmittel ein erhebliches Risiko dar. Je höher die Marktkapitalisierung steigt, umso eher wird auch Bitcoin wieder auf der Agenda der Politiker stehen.

Christos Maloussis ist Market Analyst und Premium Client Manager bei der IG Bank.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus.

Christos Maloussis ist Market Analyst - Premium Client Manager bei IG Bank S.A.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus.

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