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Börsengang 07.11.2019 19:43:00

Vor Aramco-IPO: Das sollten Anleger wissen

Vor Aramco-IPO: Das sollten Anleger wissen

• Aramco könnte den weltgrössten Börsengang stemmen
• Klimaschutzbedenken vs. Profitablität
• Was Anleger erwartet

Inmitten umfangreicher Debatten über Klimapolitik wagt einer der grössten Umweltsünder der Welt den Gang aufs Börsenparkett: Der saudi-arabische Ölriese Aramco.

Profitabelster Konzern der Welt

Der Ölgigant ist ein Unternehmen der Superlative - kein Konzern ist profitabler. Beheimatet im Land, das der weltweit grösste Ölexporteur ist, hat Aramco, ein staatseigener Konzern, allein im vergangenen Jahr Umsätze von 355,9 Milliarden US-Dollar erzielt und dabei satte 111,1 Milliarden US-Dollar verdient.

"In den letzten drei Jahren waren wir für jedes achte weltweit produzierte Barrel Rohöl verantwortlich, und unsere nachgewiesenen firmeneigenen Vorkommen waren Ende 2018 fünfmal so gross wie die kombinierten Vorkommen der fünf wichtigsten grössten Ölkonzerne", betonte Aramco-CEO Amin H. Nasser kürzlich.

Die schiere Grösse und Marktdominanz von Aramco ist Fluch und Segen zugleich: Denn das Unternehmen verdient gutes Geld und sorgt mit dafür, dass die Staatskassen des Landes gut gefüllt bleiben. Doch Saudi-Arabien will sich zunehmend unabhängiger von Öl machen - der Börsengang ausgerechnet des grössten Ölkonzerns der Welt soll dies ermöglichen. Doch Aramco wird nur dann weiter gute Geschäfte machen, wenn fossile Brennstoffe weltweit weiterhin stark nachgefragt werden. Noch ist diese Voraussetzung gegeben - dass sich die Welt in naher Zukunft vollständig von fossilen Energieformen abwenden wird, scheint unwahrscheinlich. Auch die OPEC geht davon aus, dass Öl auch in den kommenden Jahrzehnten der wichtigste Energieträger bleibt.

Klimasünder deluxe

Doch die Debatten laufen: Die Forderungen nach dem Umstieg auf alternative Energiemodelle werden immer lauter, was auch bezüglich der Zukunft von Aramco Fragen aufwirft. Denn das Unternehmen ist einer der weltweit grössten Verursacher von Treibhausgasen: Rund 5 Prozent der Treibhausemissionen gehen auf Aramcos Konto.

Das könnte den Ruf des Ölriesen im aktuell klimafreundlichen Umfeld empfindlich belasten - und im schlimmsten Fall Anleger vom Kauf von Aramco-Aktien abhalten. Ähnlich wie die Glücksspiel- oder Waffenbranche dürften auch Ölkonzerne in naher Zukunft zu den Investments zählen, die als ethisch nicht korrekt zählen. Das wiederum würde dem Bemühen von Saudi-Arabien, sich durch den Börsengang aus seiner Ölabhängigkeit zu befreien, zuwiderlaufen.

Erschwerend hinzu kommt noch, dass die saudische Politik in vielen Teilen der Welt Anlass zur Sorge gibt. Denn die Regierung ist wenig transparent, immer wieder gibt es Vorwürfe über Menschenrechtsverletzungen im Land. Das könnte auch die Entwicklung von Aramco an der Börse belasten, denn der Staat wird unzweifelhaft der mit Abstand grösste Anteilseigner des Ölgiganten bleiben und damit auch über uneingeschränkte Entscheidungsgewalt über geschäftliche Entscheidungen verfügen. Viele Anleger könnte diese Tatsache abschrecken.

Rekord-IPO-Erlös winkt

Erst kürzlich hat die Finanzmarktbehörde CMA des Königreichs den Antrag auf den Börsengang von Aramco durchgewunken. Den Plänen zufolge soll zunächst ein Teil der Aktien an der saudi-arabischen Wertpapierbörse Tadawul gehandelt werden. Während man sich über die Bewertung des Gesamtkonzerns uneinig ist - Saudi Arabien hofft auf zwei Billionen Dollar, Analysten bewerten das Unternehmen mit 1,5 Billionen Dollar um ein Viertel niedriger - scheint doch klar zu sein: Aramco könnte den weltweit grössten Börsengang stemmen. Selbst bei den zuletzt diskutieren ein bis zwei Prozent, die an der Börse gehandelt werden sollen, winkt dem Königreich ein Emissionserlös zwischen 15 und 40 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Der chinesische Alibaba-Konzern hatte im Rahmen seines IPO 2014 25 Milliarden US-Dollar eingenommen.

Das Geld will der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman in die Reform der staatseigenen Wirtschaft investieren. Mit seiner "Vision 2030" plant er eine Diversifizierung der saudischen Wirtschaft und massive Investitionen in den Bereichen Gesundheit, Infrastruktur und Tourismus.

Wie sehen Grossinvestoren die Chancen?

Das Umfeld dürfte für Aramco zunehmend schwieriger werden - auch und vor allem aufgrund der aktuellen Klimaschutzdebatte, die zunehmend in Richtung Abkehr von fossilen Brennstoffen geführt wird. Für viele potenzielle Grossinvestoren ist dies bereits jetzt ein Grund, sich gegen ein Investment bei Aramco zu entscheiden. So hatten kürzlich unter anderem der norwegische Staatsfonds und der Staatsfonds von Singapur bei einem möglichen Einstieg abgewunken.

Andere Investoren dürften aber für eine Beteiligung am profitabelsten Unternehmen der Welt durchaus offen sein. Andere Pensionsfonds etwa, die sich von einem Einstieg Gewinne erhoffen. Und auch Indexfonds-Anbieter werden auf Dauer wohl kaum um eine Beteiligung an Aramco herum kommen, wenn die Aramco-Aktie erst einmal in grosse Indizes aufgenommen wird.

Hinzu kommt: Aramco umschmeichelt zukünftige Aktionäre und verspricht bereits jetzt für das kommende Jahr eine Dividendenausschüttung in Höhe von 75 Milliarden US-Dollar. Und auch in Sachen Umweltschutz bemühen sich die Saudis, mögliche Anlegerbedenken zu zerstreuen und haben sich etwa die Reduzierung von Klimagasen auf die Fahnen geschrieben. Zudem arbeitet das Unternehmen gemeinsam mit anderen grossen Branchenvertretern daran, die Entwicklung einer Technik voranzutreiben, mit deren Hilfe Kohlenstoff, der bei der Verbrennung fossiler Energien anfällt, im Boden gespeichert wird, statt ihn ungefiltert in die Atmosphäre zu blasen.

Ob diese Bemühungen ausreichen, um den Börsengang von Aramco zu einem Erfolg werden zu lassen, bleibt abzuwarten.

Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: FAYEZ NURELDINE/AFP/Getty Images