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Übernahmekandidaten 20.07.2022 22:09:00

Credit Suisse-Aktie, Zur Rose-Aktie & Co.: Diese Schweizer Konzerne könnten nach der Valora-Übernahme ebenfalls auf der Wunschliste der Käufer stehen

Credit Suisse-Aktie, Zur Rose-Aktie & Co.: Diese Schweizer Konzerne könnten nach der Valora-Übernahme ebenfalls auf der Wunschliste der Käufer stehen

Mit dem Kaufangebot der mexikanische FEMSA-Gruppe für den Kiosk-Konzern Valora dürften sich einige Anleger die Frage stellen, welche Schweizer Unternehmen sich ebenfalls für eine Übernahme qualifizieren. Gerüchte um Akquisitionen machen sowohl bei Standard- als auch bei Nebenwerten die Runde.

• FEMSA will Valora für Milliardenbetrag übernehmen
• Weitere Schweizer Übernahmekandidaten
• Grossaktionäre können Deal blockieren

Valora rechnet nach Corona-Flaute mit Erholung

Für den Kiosk-Konzern Valora brachte die Corona-Pandemie anfangs einige Herausforderungen mit sich. So profitierte der Betreiber von Ketten wie k Kiosk, Brezelkönig, Press & Books, Caffè Spettacolo oder Backwerk von einer hohen Mobilität in der Bevölkerung, etwa durch das Pendeln zwischen Arbeitsplatz und Wohnort. Mit der mehrheitlichen Umstellung auf Homeoffice im Frühjahr 2020 wurde dem Kiosk-Geschäft der Muttenzer aber zunächst ein Riegel vorgeschoben. Trotz der Verbreitung der Omikron-Variante des Corona-Virus sieht sich der Konzern mit einer vermehrten Rückkehr in die Büros nun aber auf einem guten Weg. Im ersten Halbjahr 2022 rechnet Valora mit einem Aussenumsatzplus von 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie es Anfang Juli in einer Mitteilung hiess. Beim Erreichen dieses Ziels soll auch helfen, dass man kürzlich die Übernahme von Frittenwerk erfolgreich abgeschlossen habe. Für das Gesamtjahr 2022 wird derweil erwartet, dass das Vorkrisenniveau wieder erreicht werden könne.

FEMSA bietet Milliardenbetrag für Valora

In einer separaten Mitteilung erklärte der Konzern ausserdem, ein Übernahmeangebot des mexikanischen Detailhandels- und Getränkekonzerns FEMSA erhalten zu haben. "FEMSA und Valora gibt es jeweils seit mehr als 100 Jahren. Beide Unternehmen haben erfolgreiche Geschäftsmodelle und starke Unternehmenskulturen entwickelt", äussere sich FEMSA-CEO Daniel Rodriguez Cofré in der Ankündigung zur geplanten Akquisition. "Nachdem FEMSA in den vergangenen vier Jahrzehnten in Lateinamerika ein bedeutendes Filialnetz und Kompetenz im Bereich Convenience und Logistik aufgebaut hat, waren wir auf der Suche nach einer Plattform, um unser Detailhandelsgeschäft in Märkten ausserhalb Lateinamerikas zu expandieren und auszubauen. Valora hat mit ihrem ausgefeilten Konzept innovativer Formate an hoch frequentierten Standorten im internationalen Detailhandel und im Food Services-Geschäft einen hervorragenden Ruf erworben." Und auch Valora-Verwaltungsratspräsident Sascha Zahnd rechnet damit, dass die Übernahme "einzigartige Chancen für beide Unternehmen und Vorteile für alle Stakeholder" mit sich bringe. FEMSA will etwa 1,1 Milliarden Franken für alle ausstehenden Valora-Aktien bezahlen, ein Abschluss wird Ende September 2022 erwartet.

Lange Liste der Schweizer Übernahmekandidaten

Die jüngsten Geschehnisse zeigen: Auch Schweizer Unternehmen sind international attraktive Übernahmekandidaten. Im Falle von Valora und FEMSA scheint das Interesse beidseitig zu sein, dies muss aber nicht immer der Fall sein, wie das derzeitige Hin und Her um die Twitter-Übernahme durch Tesla-Chef Elon Musk zeigt. Welche Firmen mit Sitz in der Eidgenossenschaft könnten sich also - ob nun einvernehmlich oder nicht - als nächstes für Akquisitionen qualifizieren?

Krisengeplagte Credit Suisse vor Verkauf?

Besonders Krisenkonzerne stehen immer wieder im Verdacht, durch eine Übernahme das Ruder herumreissen zu wollen - so auch die heimische Grossbank Credit Suisse, die in den vergangenen Monaten mit zahlreichen Skandalen und Klagen von sich reden machte. So berichtete das Finanzblog "Inside Paradeplatz" im vergangenen Monat über ein mögliches Kaufinteresse des US-amerikanischen Finanzdienstleisters State Street an der kleinen Schwester der UBS. So wisse man von einem Insider, dass der US-Konzern der Credit Suisse 9 Franken je Aktie zahlen wolle - der Preis läge deutlich über dem aktuellen Kurs des Geldhauses, der in den letzten Monaten deutlich unter Druck stand. Kurz darauf dementierte State Street die Gerüchte aber. Wenige Tage nach den ersten Gerüchten vermeldete das Unternehmen allerdings eine Beteiligung von 2,88 Prozent an den Schweizern.

Zwar war es seitdem ruhig um eine mögliche Übernahme der krisengeplagten Schweizer Bank, aber auch UBS-Experte Daniele Brupbacher prognostiziert aufgrund externer sowie hausgemachter Probleme der Credit Suisse radikalere Massnahmen, wie aus einer Studie hervorgeht. Ein möglicher Ausweg aus der Kostenmisere könne etwa ein Verkauf - oder Teilverkauf - von einzelnen Unternehmenszweigen - darstellen. Alternativ sei auch eine Übernahme durch eine andere Bank im Rahmen des Möglichen.

Zur Rose-Übernahme durch E-Gigant wie Amazon möglich

Ein Schnäppchen könnten Käufer "Finanz und Wirtschaft" zufolge auch bei der E-Apotheke Zur Rose schiessen. Kostete eine Zur Rose-Aktie im Februar 2021 noch knapp 500 Franken, notieren die Anteile mittlerweile zweistellig. Damit wäre die Versandapotheke, die auf die Einführung des E-Rezepts in Deutschland pocht, ein gefundenes Fressen für Grosskonzerne wie Amazon. Der Online-Gigant plant aktuell, im Gesundheitsbereich Fuss zu fassen und könnte die angeschlagene DocMorris-Mutter aus der "Portokasse" bezahlen, so das Blatt. Bereits in der Vergangenheit wurde gemunkelt, dass der Bezos-Konzern Zur Rose kaufen wolle, um seine Position in Europa schnell auszubauen.

Temenos nach geplatzten Übernahme-Deals dennoch interessant

Auch beim Softwareunternehmen Temenos lief zuletzt nicht alles rund. Zwar konnte der Genfer Konzern in den letzten Wochen immer wieder neue Kunden und Aufträge vermelden, die softwareseitige Umstellung vom Lizenzmodell hin zum cloudbasierten Abo-Dienst sorgt bei Anlegern aber nach wie vor für Verunsicherung. Und auch hier wurde zuletzt immer über einen Verkauf gemunkelt. So waren Insidern zufolge die schwedische Private-Equity-Gesellschaft EQT und eine weitere Firma aus den USA an einer Übernahme interessiert, wie aus einem Bericht von "The Market" zurückgeht, sollen die Deals nun aber geplatzt sein. So sollen dem Verwaltungsrat von Temenos zwar mehrere Angebote ohne Kaufbindung vorgelegen haben, weswegen man sich auch von der US-Grossbank Goldman Sachs beraten liess. Mitte Februar sollen die Gespräche laut dem Medium sogar kurz vor dem Abschluss gestanden haben. Nachdem Russland dann aber wenige Tage später seinen Angriffskrieg auf die Ukraine gestartet hatte und es an den Börsen zu teilweise dramatischen Einbrüchen kam, soll es bezüglich des Übernahmepreises Nachverhandlungen gegeben haben. EQT habe zwischen 130 und 140 Franken je Aktie bezahlen wollen, was deutlich über dem aktuellen Kursniveau liegt, Temenos hatte sich aber offenbar einen höheren Preis vorgestellt. Damit zogen sich die Interessenten wieder zurück, wie es Anfang Juli hiess. "Temenos bleibt aber ein Übernahmekandidat", bestätigte Remo Rosenau von der Helvetischen Bank aber gegenüber Finanz und Wirtschaft.

Grössere Elektrokonzerne könnten Interesse an Logitech zeigen

Ebenfalls abwärts ging es zuletzt zwar auch für den Kurs der Logitech-Aktie, hier gab es Finanz und Wirtschaft zufolge aber noch keine Übernahmegerüchte - zu Unrecht, wenn es nach Rosenau geht. So könne der Peripheriegerätehersteller Profitabilität aufweisen und sitze auf Barreserven über 1,3 Milliarden Franken. Auch sei Logitech schuldenfrei. Zwar befindet sich das Logitech-Papier derzeit in der Stabilisierungsphase nach dem Homeoffice-Boom zu Beginn der Corona-Krise, für einen grösseren Elektronikkonzern wie HP, der kürzlich erst den Anbieter von Videokonferenzsystemen Poly aufkaufte, könnte das Unternehmen mit Sitz in Lausanne aber von Interesse sein.

Clariant im Visier von SABIC?

Bei Clariant häuften sich Gerüchte um eine Übernahme in der Vergangenheit hingegen. Erst Ende Juni sei der Vertrag mit der saudischen SABIC ausgelaufen, die 31,5 Prozent an Clariant hält. Daher sei es laut Finanz und Wirtschaft wahrscheinlich, dass hier früher oder später eine neue Vereinbarung getroffen werde. Zwar sei bereits 2019 die Rede von einem Joint-Venture zwischen beiden Vertragspartnern gewesen, hier sei man aber auf keinen grünen Zweig gekommen. Es bestehe aber nun die Gefahr eines feindlichen Übernahmeversuchs durch SABIC. Die erneut aufgeflammten Übernahmespekulationen trieben den Kurs der Clariant-Aktie jüngst jedoch an.

Auch starke Unternehmen wie VAT, Comet und Inficon potenzielle Kandidaten

Aber nicht nur schwächelnde Unternehmen könnten in den Fokus der Käufer rücken, wie Fondsmanager Marc Possa gegenüber cash betonte. "Es ist durchaus denkbar, dass Unternehmen wie VAT, Comet oder Inficon das Interesse von finanzkräftigen Käufern wecken werden", so der Vermögensverwalter. "Das sind Weltmarktführer in ihren Bereichen: Sie zu besitzen wäre für ein Unternehmen interessant, und wenn die Synergien stimmen, liesse sich sogar ein relativ hoher Kaufpreis rechtfertigen."

Holcim und ams OSRAM keine Top-Kandidaten

Weniger für eine Übernahme dürfte sich der Zementkonzern Holcim eignen, so Rosenau gegenüber dem Wirtschaftsblatt. Zwar sei das Unternehmen derzeit "sicher sehr günstig bewertet", die hohe Marktkapitalisierung sowie das nicht mit ESG-Faktoren vereinbare Zementgeschäft dürfte das Unternehmen aber als Übernahmekandidaten deutlich abrutschen lassen.

Bevor der Halbleiterersteller ams 2020 das Photonik-Unternehmen OSRAM übernahm, seien auch Private-Equity-Gesellschaften an den Münchnern interessiert gewesen, berichtete Finanz und Wirtschaft. Zwar stand der Aktienkurs von ams OSRAM zuletzt ebenfalls deutlich unter Druck, ein erneuter Verkauf dürfte laut dem Experten aber vorerst ausbleiben.

Übernahmen durch Kernaktionäre gefährdet

Problematisch könnte sich eine Übernahme jedoch gestalten, wenn ein Konzern über starke Kernaktionäre verfüge, wie es bei cash.ch heisst. Dies können Grossaktionäre mit langfristigen Investitionsstrategien, aber auch Inhaberfamilien oder Stiftungen sein. In diesem Fall könne eine Akquisition schnell blockiert werden und scheitern. Sind die Interessen der Shareholder aber finanzieller Natur, könne ein grosszügiger Kaufpreis ein ausschlaggebendes Übernameargument darstellen. Dies habe sich etwa im vergangenen Jahr gezeigt, als Vifor-Grossaktionär Martin Ebner der Übernahme durch CSL zustimmte, so das Portal weiter.

Mehr Übernahmen erwartet - aber nicht um jeden Preis

Possa zufolge dürfte es zukünftig eher vermehrt zu Übernahmen kommen. Zwar stocken die Notenbanken den Leitzins deutlich auf, im historischen Vergleich seien Geldmittel aber immer noch günstig zu haben, so der Leiter des SaraSelect"-Fonds gegenüber cash. "Wir sehen das an den Aktienrückkäufen vor allem in den USA, aber auch im Markt für Fusionen und Übernahmen." Im Fokus der Geschäftsführer stehe vor allem das Interesse der Aktionäre, was auch durch Übernahmen befriedigt werden könne. "Ich wäre nicht erstaunt, wenn wir bei den Mergers and Acquisitions demnächst wieder mehr Aktivität sehen werden", so der Fondsexperte.

Und auch Andreas Neumann, der bei der ZKB den Bereich Equity Capital Markets leitet, rechnet mit einem verstärkten Markt für Akquisitionen, wie er gegenüber Finanz und Wirtschaft bekräftigte. "Allerdings messen die bestehenden Investoren die Angebote an ihrem Einstandspreis", relativierte der Stratege. "Haben sie zu höheren Kursen gekauft als dem angebotenen Kaufpreis, könnten sie zurückhaltender sein bei der Andienung, es sei denn, die Prämie ist hoch."

Redaktion finanzen.ch


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