| Expertenkolumne |
13.02.2026 10:15:36
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Beurteilung der «bekannten Unbekannten» nach dem Erdrutschsieg bei den Wahlen in Japan
Was ein stärkeres politisches Mandat für Wachstum, Inflation und Finanzmärkte bedeutet - und was nicht.
Die Zweidrittelmehrheit der LDP versetzt Takaichi in die Lage, ihre Macht innerhalb der Partei zu festigen. Dadurch wird auch die Umsetzung ihrer Agenda nachhaltiger und der Druck auf die Märkte erhöht, die beurteilen müssen, ob die Regierung ihre Ambitionen umsetzen kann. Die Zustimmung der Wähler zu einer wachstumsorientierten Strategie spiegelt die jahrelange Frustration über die wirtschaftliche Stagnation wider. Das schwache Wachstum hat das Einkommen der Haushalte und den Aufbau von Vermögen belastet. Pandemiebedingte Importpreisschocks, hinter den Erwartungen zurückbleibende Lohnerhöhungen und eine schwächere Währung haben den Lebensstandard weiter verschlechtert.
Vor diesem Hintergrund findet Takaichis Prinzip einer «verantwortungsvollen, proaktiven Finanzpolitik» bei den Haushalten Anklang, insbesondere ihre Argumentation, dass die finanzielle Nachhaltigkeit letztlich von einem stärkeren Wachstum abhängt. Dies stellt die gängige Annahme in Frage, dass Japans Wachstumshemmnisse in erster Linie fiskalischer Natur sind. Ihr Fokus auf Investitionen in Verteidigung und Energie sowie Wachstumsinvestitionen in Technologie ist wirtschaftlich intuitiv und politisch attraktiv. Für Investoren stellt sich jedoch die Frage, ob die Umsetzung den Absichten gerecht werden kann. Sie müssen sich mit einer Reihe unbeantworteter Fragen auseinandersetzen, die den weiteren politischen Kurs bestimmen werden. Erstens bleiben Umfang und Ausmass der fiskalischen Investitionen ungewiss. Der Haushalt für 2026 steht weitgehend fest, aber weitere Details zur Wachstumsstrategie werden für Juni erwartet. Die wirtschaftlichen Auswirkungen werden davon abhängen, ob die Investitionen die Produktivität schnell genug steigern, um zusätzlichen Inflationsdruck und höhere Zinsen in einem postdeflationären Umfeld zu verhindern. Fiskalische Impulse kurbeln die Nachfrage schnell an, während Produktivitätssteigerungen durch Investitionen in Technologien wie KI langsamer und nur dann wirksam werden, wenn sie durch Deregulierung und ergänzende Reformen unterstützt werden.
Ein zweiter Unsicherheitsfaktor betrifft dauerhafte oder halb-dauerhafte Haushaltsausgaben. Die von Takaichi befürwortete vorübergehende Senkung der Konsumsteuer auf Lebensmittel ist zwar von geringem Umfang, doch jede Verlängerung könnte die langfristige Schuldenentwicklung Japans verändern. Ebenso könnte jede nachhaltige Erhöhung der Verteidigungsausgaben über die derzeitigen 2% des BIP hinaus dauerhafte Auswirkungen haben.
Drittens bleibt die Schuldenpolitik unklar. Die japanischen Staatsanleihemärkte haben angesichts der allgemeinen Bedenken hinsichtlich der Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik bereits negativ reagiert. Die Rendite für 40-jährige Staatsanleihen erreichte kurzzeitig 4%, nachdem die Idee einer Verbrauchssteuer aufkam. Der Renditeanstieg war übertrieben und wurde durch ein technisches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage noch verstärkt. Eine effektive Kommunikation und flexible Emissionen seitens des Finanzministeriums könnten dazu beitragen, die Marktbelastungen im Zuge der politischen Entwicklungen abzumildern.
Viertens sorgt die Geldpolitik für zusätzliche Unsicherheit. Japan befindet sich nicht mehr in einer Deflation, und die Inflation liegt nahe dem Zielwert der Bank of Japan von 2%, wobei die Risiken eher nach oben tendieren. Dies spricht für eine Normalisierung der Geldpolitik. Jede Einschätzung, dass die Fiskalpolitik die BOJ einschränkt, würde wahrscheinlich die Inflationserwartungen nach oben treiben und die Volatilität langfristiger japanischer Staatsanleihen erhöhen.
Eine fünfte Herausforderung betrifft die Aussenpolitik. Während die Allianz mit den USA weiterhin im Mittelpunkt steht, wird die Vertiefung der Beziehungen zu regionalen Partnern immer wichtiger. Die wirtschaftliche Nähe zu China unterstreicht die Dringlichkeit, bilaterale Spannungen zu bewältigen, auch wenn Takaichi die Resilienz der Lieferketten und eine schrittweise Verringerung der wirtschaftlichen Abhängigkeit von China im Laufe der Zeit betont.
Die Marktdynamik spiegelt bereits die Spannungen wider, die mit diesen Unsicherheiten einhergehen. Steigende Renditen japanischer Staatsanleihen deuten darauf hin, dass Anleiheinvestoren eine Prämie für das politische Risiko verlangen, während die Aktienmärkte offenbar von einer reibungsloseren Lösung der verbleibenden Unbekannten ausgehen.
Die entscheidende Frage für Anleger ist nicht, ob die Absichten der Regierung wachstumsfördernd sind, sondern ob ihre Umsetzung die Inflationserwartungen stabilisieren, die Glaubwürdigkeit der Finanzpolitik gewährleisten und unnötige Erhöhungen der Laufzeitprämien - die zusätzlichen Renditen, die Anleger für den Kauf längerfristiger Anleihen verlangen - begrenzen kann. So gesehen geht es in Japan nach dem Erdrutschsieg weniger um das Mandat selbst als vielmehr darum, wie die Märkte die noch offenen Fragen bewerten.
von Tomoya Masanaom, Head of Asia-Pacific Portfolio Management, Co-Head of PIMCO Japan
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