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12.11.2021 10:00:27

Schroders: Kann Fischzucht wirklich nachhaltig sein?

Schroders: Kann Fischzucht wirklich nachhaltig sein?

Lucie Hughes

Alina Gregory

Rund 70 % unseres Planeten sind von Wasser bedeckt. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen schätzt jedoch, dass derzeit nur 2 % der weltweiten Nahrungsversorgung aus dem Meer stammen. Da die Weltbevölkerung weiter wächst und bis 2050 nahezu 10 Milliarden Menschen erreichen wird, wird es immer schwieriger, Nahrungsquellen zu finden, mit denen die Menschheit nachhaltig ernährt werden kann. Fisch und Meeresfrüchte werden wahrscheinlich eine immer wichtigere Rolle spielen.

Diese Aussicht auf eine langfristige Nachfrage erklärt unsere Investition in Mowi, dem weltweit grössten Lachszuchtunternehmen. Im Wealth Management halten wir die Aktien des Unternehmens seit 2019 in direkten Aktienportfolios und sind auch über Nachhaltigkeitsfonds Dritter engagiert. Das Unternehmen wird auch in Fonds von Schroders gehalten, die von unseren Nachhaltigkeitsspezialisten verwaltet werden.

Anfang des Jahres rückte die Netflix-Dokumentation Seaspiracy, die ein Ende des Fischkonsums fordert, Mowi ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Wir glauben immer noch, dass Mowi dazu beitragen kann, die Herausforderung einer nachhaltigen globalen Nahrungsmittelversorgung zu meistern. Aber natürlich wollen wir uns auch mit der Kritik, die der Dokumentarfilm an Mowi übt, auseinandersetzen.

Positive Auswirkungen auf Mensch und Planet

Lachs ist weithin bekannt für seine Vorteile für die menschliche Gesundheit: Er ist arm an gesättigten Fettsäuren und eine gute Quelle für Protein, Vitamin B12, Kalium und andere Nährstoffe. Auch ist sein ökologischer Fussabdruck wesentlich geringer als der von Geflügel oder Fleisch. Lachs produziert weniger Kohlenstoff und verbraucht weniger Süsswasser.

Quelle: Mowi, Salmon Farming Industry Handbook 2021
Hinweis: Die Proteinretention ist ein Mass dafür, wie viel tierisches Futterprotein pro verfütterter Einheit Proteinfutter produziert wird. Das Futterverwertungsverhältnis gibt an, wie viel Kilogramm Futter benötigt wird, um das Körpergewicht des Tieres um ein Kilogramm zu erhöhen

Wir glauben, dass dies einen Wettbewerbsvorteil für die Branche darstellt, da das derzeitige Nahrungs- und Wassersystem für etwa 25 % der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich ist. "Wenn wir den globalen Temperaturanstieg unter 2 Grad halten wollen, ist ein grundlegender Wandel in der Art und Weise, wie wir Nahrungsmittel - insbesondere Protein - produzieren und konsumieren, erforderlich. Diese grosse Kehrtwende schafft entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Nahrungsmittelproduktion Chancen und Risiken für Unternehmen (und Anleger). Kohlenstoffarme Proteine spielen eine wichtige Rolle", so Isabella Hervey-Bathurst, Co-Managerin des Schroder Global Climate Change Fund.

Wie nachhaltig ist Fisch?

Zwar erkennen die UN und andere an, dass Fisch und Meeresfrüchte eine wichtige Rolle für die Ernährungssicherheit spielen. Das Problem der Nachhaltigkeit kann jedoch nicht ignoriert werden. Fisch und Meeresfrüchte können nicht auf unbestimmte Zeit aus den Ozeanen geholt werden. 33 % der wild gefangenen Fische sind überfischt und weitere 60 % sind bereits ausgelastet. Die Nachfrage nach Fisch kann also eindeutig nicht durch Meeresfischerei gedeckt werden. Überfischung ist nur eine der unerwünschten Folgen der Fehlbewirtschaftung der Ressourcen unserer Ozeane: Zerstörerische Fischereipraktiken, IUU-Fischerei (illegale, ungemeldete und unregulierte), Meeresverschmutzung und Ozeanversauerung können alle zur Zerstörung von Ökosystemen und dem Verlust von Lebensräumen und der biologischen Vielfalt führen.

Diesen Herausforderungen begegnet eines der Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, Leben unter Wasser (SDG 14), das darauf abzielt, "die Ozeane, Meere und Meeresressourcen für eine nachhaltige Entwicklung zu erhalten und nachhaltig zu nutzen".

Fischzucht (Aquakultur) kann eine nachhaltigere Alternative sein. Viele Produzenten, darunter Mowi, züchten im Meerwasser, ohne jedoch die nicht nachhaltigen Praktiken, die oft ein Merkmal der Meeresfischerei sind, und ohne die Wildfischpopulationen zu überfischen. Doch wird die Branche auch kritisiert - wie zuletzt in Seaspiracy.

Fangfischerei und Aquakulturproduktion weltweit

Quelle: Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, 2020

Die Kritikpunkte in Seaspiracy

Wir sprachen vor Kurzem mit Catarina Martins, Chief Sustainability Officer von Mowi, um die von Seaspiracy geäusserten Bedenken zu diskutieren und herauszufinden, wie das Unternehmen Fortschritte in der Nachhaltigkeit bewirkt. Catarina Martins ist Mitglied des Managementteams der Gruppe und verfügt über einen wissenschaftlichen Hintergrund mit einem MSc in Meeresbiologie und einem PhD in Tierwissenschaften.

Wir wollten insbesondere drei Themen diskutieren: Meeresverschmutzung, Fischfutter und Meerläuse.

Seaspiracy argumentiert gegen die enormen Mengen an zurückgelassener Ausrüstung von Fischereien und die damit einhergehende Plastikverschmutzung. Da Mowi nicht an der Wildfischerei beteiligt ist, werden keine Netze über den Meeresboden geschleift oder auf See verloren. In der Aquakultur ist es viel einfacher, den Überblick über die Ausrüstung zu behalten. In Mowis Fall sind Netze markiert und können nachverfolgt werden. Das Unternehmen beteiligt sich auch an Recyclingprogrammen, um sicherzustellen, dass die Netze sorgfältig entsorgt werden, wobei Nylon aus den Netzen zu Teppichen, Socken und sogar Badebekleidung "upcycled" wird. Mowi strebt an, bis 2023 100 % der Ausrüstung aus Kunststoff wiederzuverwenden oder zu recyceln - derzeit sind es 85 %.

Ausserdem prangert Seaspiracy die Verwendung von Fischfutter an. Der Dokumentarfilm behauptet, dass die Industrie Lebensmittelfarbe in ihren Futtermitteln verwendet, um Lachs für die Verbraucher attraktiver zu machen. Catarina Martins erklärte, dass dies nicht der Fall sei. Obwohl Lachs die Pigmentierung nicht selbst produziert, ist sie Teil seiner natürlichen Ernährung und fördert sein Wachstum und seine Gesundheit. Die rosa Farbe des Wildlachses kommt vom Verzehr von Krustentieren, Krill und Algen, die dieses Pigment enthalten. Zuchtlachs braucht qualitativ hochwertiges Futter, das diese Nährstoffe, und eben auch das Pigment, liefert. Das Pigment wird nicht aus kosmetischen Gründen an die Fische verfüttert.

Aufgrund der Prozesse und Rohstoffe, die bei der Herstellung von Futtermitteln eingesetzt werden, sind Futtermittel die Hauptursache der Treibhausgasemissionen der Branche. Mowi strebt an, die Gesamtemissionen bis 2030 um 35 % und bis 2050 um 72 % zu reduzieren. Deshalb ist es wichtig, die Emissionen entlang der gesamten Lieferkette, einschliesslich Futtermittel, zu untersuchen. Soja ist heute einer der Hauptbestandteile von Mowis Futtermitteln. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, nur entwaldungsfreies Soja zu verwenden, um die damit verbundenen Emissionen deutlich zu reduzieren.

Rohstoffentwicklung für Lachsfutter in Norwegen

Quelle: Mowi, Salmon Farming Industry Handbook 2021

In der Vergangenheit war die Industrie auf wild gefangenen Fisch angewiesen, um Fischmehl und Fischöl (FMFO) herzustellen, was den Druck auf die Meeresfischpopulationen weiter erhöhte. Erfreulicherweise wird FMFO als Futterquelle in der Branche immer seltener eingesetzt: FMFO machte im Jahr 2020 27 % der Futtermittel aus, während es 1990 noch 89 % waren. Alle Fische, die für die Herstellung dieser Futterquelle verwendet werden, müssen nun nach dem Standard des Marine Stewardship Council (MSC) und/oder der Marine Trust-Zertifizierung als nachhaltig zertifiziert werden.

Mowi sucht ständig nach innovativen Lösungen bei der Verwendung von Futtermitteln und testet neuartige Quellen wie Algenöl und Insekten. Diese Alternativen sind aufgrund von Skalierbarkeit, Preis, Klimabilanz und Ernährungsfaktoren bislang noch keine praktikablen Lösungen, sodass das Unternehmen weitere alternative Optionen prüft.

Seaspiracy weist auch auf die Prävalenz von Seeläusen in der Fischzucht hin und zeigt beunruhigende Aufnahmen zu den unangenehmen Auswirkungen der Krankheit. In Wirklichkeit kommen Seeläuse sowohl in Wildfischpopulationen als auch in Fischfarmen vor. Die Aufsichtsbehörden legen strenge Grenzwerte für Seeläuse in bewirtschafteten Gebieten fest und erkennen an, dass ein effektives Seelausmanagement für das Wohlergehen der Fische wichtig ist.

Mowi sagte uns, dass sie nach Möglichkeit nicht-medizinische Behandlungen anwenden, um die Umweltverschmutzung und die Auswirkungen auf andere Arten zu minimieren. Das Unternehmen verwendet medizinische Behandlungen inzwischen deutlich seltener. Im Jahr 2020 waren 64 % der Behandlungen nicht-medizinisch - wie Wasserstrahlen und Laser - verglichen mit 12 % im Jahr 2015. Jede medizinische Behandlung wird einer gründlichen Umweltverträglichkeitsprüfung unterzogen, bevor sie von den Aufsichtsbehörden genehmigt wird. Bei der Verabreichung von Medikamenten wird Tarpaulin verwendet, um die Netze zu umschliessen und die Ausbreitung des Medikaments zu verhindern.

Pflanzlicher Fisch?

Wir haben Mowi nach der potenziell disruptiven Alternative von Fisch und Meeresfrüchten auf pflanzlicher Basis gefragt. Fleisch auf pflanzlicher Basis, das von Unternehmen wie Beyond Meat und Impossible Foods hergestellt wird, ist inzwischen ein ernstzunehmender Konkurrent von Fleisch und Geflügel. Könnte es der Lachszuchtindustrie ähnlich ergehen? Im Gespräch mit Catarina Martins traten einige wichtige Unterschiede auf. Fische auf pflanzlicher Basis werden normalerweise stärker verarbeitet, wobei der Schwerpunkt auf der Nachbildung der Textur und des Geschmacks von Fisch liegt. Es ist jedoch schwierig, das in Lachs natürlich vorkommende Protein, Omega-3, Jod und Vitamine zu replizieren. Daher sind pflanzliche Ersatzprodukte aus ernährungsphysiologischer Sicht mit Fisch nicht gleichwertig.

Wir gehen davon aus, dass sich die Innovation in diesem Bereich in den kommenden Jahren fortsetzen wird. "Wir sind besonders an den langfristigen Wachstumsaussichten für Fleisch und Fisch auf pflanzlicher Basis interessiert", kommentiert Isabella Hervey-Bathurst.

Die Absicht der Fischzucht war nie, die Umwelt zu belasten, sondern die Ernährungssicherheit zu erhöhen. Es muss eindeutig ein Gleichgewicht zwischen der Deckung des Bedarfs an Nahrungsproteinen und dem Schutz der natürlichen Welt geschaffen werden. Durch die Überwachung und Anwendung bewährter Verfahren und der Einhaltung der strengsten Umweltstandards für die Aquakultur glauben wir, dass Mowi gut aufgestellt ist, um das Gleichgewicht in einem nachhaltigen Lebensmittelsystem zu erreichen.

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