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Werbung 03.11.2021 16:00:51

Schroders: Fünf Abbildungen zur Erklärung der Inflationsentwicklung

Schroders: Fünf Abbildungen zur Erklärung der Inflationsentwicklung

Simon Keane
Equities Specialist

"Produktionslücke", "Engpässe", "Kerninflation", "Basiseffekte", "Zweitrundeneffekte", "Erwerbsbeteiligung". Dies sind einige der Fachausdrücke, die unerlässlich sind, um die Inflationsentwicklung zu verstehen.

Mit der schrittweisen Aufhebung der coronabedingten Beschränkungen stiegen die offenen Stellen infolge der Konjunkturerholung der grossen Volkswirtschaften weltweit. Rohstoffengpässe, Energiemangel und Transportprobleme zeichneten sich ebenfalls ab und verursachten Verzögerungen in zahlreichen Sektoren.

"Die Nachfrage ist stark genug", erklärt Keith Wade, Chefvolkswirt bei Schroders. "Die Unternehmen können die Waren nur nicht schnell genug ausliefern, und das ist das Problem. Man muss einfach abwarten, bis die Herstellung und Auslieferung besser klappen."

Die Verzögerungen sind aus den Umfragen zur Geschäftstätigkeit oder den Einkaufsmanagerindizes ersichtlich (siehe Abb. 1). Die rechte Achse zeigt die Lieferzeiten. Eine Ziffer unter 50 bedeutet, dass die Anlieferungen bei Unternehmen länger dauern (Lieferzeit zum Vormonat).

Eine rückläufige Entwicklung der Lieferungen (z. B. der Mangel an Halbleitermikrochips) hat Konsequenzen für Warenhersteller und Dienstleister und ihre Kosten. Hersteller könnten versuchen, die Zusatzkosten durch Preiserhöhungen von Endprodukten für Verbraucher abzufangen (wie Laptops und Neuwagen mit vielen Mikrochips).

Generell wird diese Tendenz mit einer höheren Inflation der Verbraucherpreise in Verbindung gebracht und durch den Verbraucherpreisindex dargestellt (siehe Abb. 2).

Chinas jüngste drakonische Massnahmen gegen die Delta-Variante bzw. die anhaltenden Beschränkungen in Schwellenländern mit einer niedrigen Durchimpfungsrate könnten die Unterbrechungen verlängern. Dadurch erhöhen sich die Preise unter Umständen noch zusätzlich.

Der Begriff "Verzögerung" impliziert jedoch eine vorübergehende Situation. Dabei handelt es sich um Engpässe in den Versorgungsketten und nicht permanente Unterbrechungen. Diese Engpässe sollten sich letztlich auflösen.

Eine denkbare Abhilfe wäre, mehr Hafenarbeiter in amerikanischen Häfen anzustellen und rund um die Uhr Containerschiffe zu löschen. Energieintensive Industriezweige in Europa könnten vom Staat subventioniert werden, um die stark angestiegenen Erdgaspreise zu bewältigen.

Ist die Belegschaft seit Covid-19 geschrumpft?

Selbstverständlich besteht die Möglichkeit, dass einige dieser Engpässe von Dauer sein werden.

Eine Frage, die Volkswirte aktuell beschäftigt, ist, ob seit der Pandemie die Belegschaft geschrumpft ist. Die amerikanische Erwerbsbevölkerung ist im September, verglichen zum Zeitraum vor der Pandemie, um über drei Millionen gefallen.

"Wenn die US-amerikanische Erwerbsbevölkerung tatsächlich geschrumpft ist, dann ist auch die freie Kapazität in Bezug auf die Produktionslücke gesunken. Diese Lücke könnte kleiner sein als bisher angenommen; und das heisst, die Kerninflation könnte sich als hartnäckiger erweisen", erläutert Keith Wade.

Die Produktionslücke ist die Differenz zwischen der tatsächlichen und der potenziellen Produktion einer Volkswirtschaft. Eine "negative Produktionslücke" ist gewöhnlich typisch für Volkswirtschaften, die näher am Anfang eines neuen Konjunkturzyklus stehen, bevor freie Kapazitäten vollständig ausgeschöpft sind.

Im Anschluss an eine Rezession, wie die der Finanzkrise 2007-2008, würde man erwarten, dass die Produktion von Gütern und das Angebot von Dienstleistungen in einer Volkswirtschaft recht schnell zunimmt. Selbst bei Lohnerhöhungen kann der Produktionszuwachs die Lohnkosten eines Unternehmens pro Artikel oder die Lohnstückkosten senken.

In Europa und den USA sind jedoch starke Lohnerhöhungen in bestimmten Sektoren festzustellen. Auch die zunehmenden unbesetzten Stellen sind ein Anlass zur Sorge.

Aktuell gibt es in den USA über zehn Millionen unbesetzte Stellen. Dies übersteigt die momentane Arbeitslosenzahl; eine Situation, die sich zum letzten Mal 2018, am Ende des vorherigen Konjunkturzyklus, abzeichnete.

Ist der heutige Preisauftrieb künstlich hoch?

Eine Inflationsanalyse unterscheidet deutlich zwischen "Gesamtinflation" und Kerninflation. Die Gesamtinflation enthält die stark schwankenden Lebenshaltungskosten (Lebensmittel und Energie). Aktuell sorgt die Gesamtinflation für Schlagzeilen.

Zudem schufen sehr niedrige Energiepreise während der Pandemie eine niedrige Vergleichsbasis gegenüber dem Vorjahr. Dadurch ist aufgrund der "Basiseffekte" (siehe Abb. 3) die Gesamtinflation künstlich hoch.

Die Kerninflation, die diese Bestandteile ausklammert, ist eine bessere Messlatte für die zugrunde liegende Preisentwicklung. Energiepreise, die weltweit möglicherweise länger erhöht bleiben, haben zu Vergleichen mit den 1970er-Jahren geführt. Damals schwankten die Ölpreise über einen längeren Zeitraum stark, und die Löhne stiegen in vielen westlichen Volkswirtschaften an.

Zahlreiche grosse Volkswirtschaften erlebten daher eine "Stagflation", d. h. eine Mischung aus langsamem Wachstum und zunehmender Kerninflation. Häufig bezeichnet man das auch als "angebotsseitige Inflation". Sie tritt auf, wenn Volkswirtschaften beispielsweise aufgrund von Arbeitskräftemangel oder Engpässen weniger Kapazitäten haben als erwartet.

Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Situation ist gering, nimmt aber zu.

Nach jeder Runde steigender Löhne und Preise besteht ohne ein sorgfältiges Wirtschaftsmanagement die Gefahr destabilisierender "Lohnpreisspiralen". Davon sprach Anfang Oktober Gita Gopinath, Chefökonomin des IWF. Inflationserwartungen werden hier zur selbst erfüllenden Prophezeiung. Daher steigen die Preise oder es entsteht eine "Entankerung der Inflationserwartungen".

Grund zum Optimismus ist derzeit, dass zahlreiche Bestandteile der Kerninflation (z. B. Gebrauchtwagen, Flugtickets, Kleidung), die mit der Wiedereröffnung der US-amerikanischen Wirtschaft zu Jahresbeginn angezogen haben, wieder nachlassen.

Kommt die zweite Teuerungswelle früher als erwartet?

Obwohl dies die Inflation insgesamt bremst, könnten steigende Löhne einige der anderen Kernkomponenten in die Höhe treiben, auf die die Aufhebung der coronabedingten Beschränkungen wenig Einfluss hatte. In diesen Bereich könnten beispielsweise die Mieten gehören.

Das Ergebnis ist unter Umständen eine zweite Welle der Kernpreiserhöhungen, die sogenannten Zweitrundeneffekte, die früher eintreten, als viele Prognosen vermuten lassen. Aktuell wird ein Rückgang des Kern-VPI der USA im kommenden Jahr auf 2 % erwartet, bevor er wieder anzieht.

Laut Umfragedaten der National Federation of Independent Business (NFIB) gehen 30 % der amerikanischen Kleinunternehmen in den kommenden drei Monaten von Gehaltserhöhungen aus. Das ist der höchste Anteil seit über 15 Jahren.

Der Beschäftigungskostenindex des Bureau of Labor Statistics, der das Arbeitnehmerentgelt in der gesamten US-Wirtschaft misst, folgt häufig der NFIB-Umfrage. Das unterstreicht die Tatsache, dass höhere Löhne bevorstehen. (Siehe Abb. 4).

"Wir befürchten eine zweite Teuerungswelle, da Unternehmen mit höheren Löhnen konfrontiert sind und versuchen, die Kosten an Verbraucher weiterzugeben", erklärt Keith Wade den aktuellen Fokus auf die Beschäftigungsquote in den USA (siehe Abb. 5).

Die Beschäftigungsquote zeigt den Prozentanteil der erwerbstätigen oder nach Arbeit suchenden Bevölkerung über 16 Jahre. Die Quote gab während der Pandemie deutlich nach, ist aber seitdem wieder angezogen. Im September lag sie jedoch immer noch rund 1,5 % unter dem Niveau vor der Pandemie, was rund 3,1 Millionen fehlenden Arbeitnehmern entspricht.

"Die Löhne steigen, weil Unternehmen mehr Mitarbeiter einstellen wollen", so Keith Wade. "Das zeichnet sich nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und in Grossbritannien ab: In bestimmten Sektoren steigen Löhne und Gehälter stark an."

Deshalb wird man den Beschäftigungsdaten der USA für Oktober grosse Aufmerksamkeit schenken. Optimisten hoffen, dass die erneute Aufnahme des Schulbetriebs und das Ende der Unterstützungsmassnahmen Menschen wieder auf den Arbeitsmarkt bringen. Dennoch könnte die Angst vor Covid-19 und eine veränderte Lebensweise dies hinauszögern.

Ökonomen warten darauf, ob die Beschäftigungsquote nach dem Plateau wieder ansteigt.

Die für das reibungslose Funktionieren der Volkswirtschaften Verantwortlichen würden es begrüssen, wenn einige der 3,1 Millionen US-Arbeitnehmer auf den Arbeitsmarkt zurückkehrten. Dadurch könnte der Arbeitskräftemangel gelindert und das Risiko einer zweiten Teuerungswelle früher als erwartet verringert werden.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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