Börsenausblick 07.12.2015 12:30:00

«Die Zentralbanken geben den Takt der Börse an»

«Die Zentralbanken geben den Takt der Börse an»



Was beschäftigt derzeit die Finanzmärkte?
Romy Dollé*: Während die Medien derzeit nur die Themen Terror und Flüchtlinge kennen, lässt das die Finanzmärkte völlig kalt. Vielmehr bestimmen die Zentralbanken das Marktgeschehen. In den USA scheint die Zinserhöhung nun sicher, die Renditen der langfristigen Bonds zeigen nach Norden, während die US Aktienmärkte wohl nur temporär negativ beeinflusst sein werden. Selbst wenn die langfristigen Zinsen stiegen, bleibt das Niveau zu tief, um nach Spesen eine attraktive Rendite zu erwirtschaften. Deshalb sind Aktieninvestments in den USA trotz steigenden Zinsen ein Muss. In Europa sind weitere grosszügige Massnahmen der EZB vorprogrammiert, welche das Zinsniveau tief halten und auch hier Aktieninvestments begünstigen.

Wie wird sich die Schweizer Börse kurzfristig entwickeln?
Nach der kurzen und schmerzlosen Korrektur im August und September hat sich der Schweizer Aktienmarkt wieder erholt und ist schon ziemlich fair bewertet. Er zeigt jedoch einen Abschlag zu den europäischen Märkten, was ein gewisses Aufholpotenzial birgt. Im Moment begeben sich die Marktteilnehmer jedoch nicht aufs Glatteis, was dementsprechend nicht auf einen fulminanten Jahresabschluss hinweist. Kurzfristig ist mit einer volatilen, im Grundton leicht positiven Bewegung zu rechnen.



Wo steht der SMI in 12 Monaten?
Aufgrund des Anlagenotstands wegen der tiefen Zinsen kommen die Investoren nicht am Aktienmarkt vorbei. Deshalb sollte der SMI im nächsten Jahr ein neues Allzeithoch erreichen. Wie schon in diesem Jahr ist durch die eher tiefe Liquidität an den Märkten eine höhere Volatilität zu erwarten. Da die Bewertung nicht mehr wirklich günstig ist, sollten für Neuinvestments Korrekturen abgewartet werden. Die Attraktivität der vielen international tätigen Schweizer Unternehmen geben dem SMI die Chance, 2016 die 10‘000er Marke zu erreichen.

Wo sehen Sie Chancen?
Bei den Währungen bietet der US-Dollar die höchsten Chancen. Der Investmentfokus sollte daher auf Unternehmen liegen, die von einem steigenden US-Dollar profitieren. Das sind auf jeden Fall Pharmaunternehmen in der Schweiz und in Europa. Die Uhren- und Schmuckindustrie geniesst nicht nur Vorteile der Währung, sondern auch des anziehenden Absatzes in den USA. Schliesslich bleibt der Technologiesektor weltweit durch seine Innovationskraft interessant.

Ihr Geheimtipp am Aktienmarkt?
Das Pharmaunternehmen Galenica. Für 2016 gibt es den Plan, das Unternehmen in zwei Sparten aufzuspalten, was den Wert der zwei Unternehmen dann nochmals erhöhen sollte. Beide Sparten agieren bereits sehr erfolgreich und zeigen ein erfreuliches Umsatzwachstum in ihren Kernprodukten. Durch die spezielle Positionierung im Pharmamarkt mit OTC-Produkten, dem Betrieb von Apotheken und dem ausgezeichneten Vertriebsnetz ist das Unternehmen in einem margenträchtigen Business. Über die nächsten Jahre kann ein stetiges überdurchschnittliches Gewinnwachstum erwartet werden.

Von welchem Investment sollten Anleger die Finger lassen?
Der allgemeine Rohstoffindex befindet sich auf einem 6-Jahres-Tief. Der drastische Rückgang der chinesischen Nachfrage wird die Rohstoffpreise vorerst noch weiter vernichten. Tiefe Rohstoffpreise ziehen wiederum die Rohstoffwährungen mit nach unten. Neben den Rohstoffwährungen ist auch der Wert des Euros durch die Massnahmen der EZB und die strukturellen Probleme Europas in Gefahr. Das Gleiche gilt für den japanischen Yen. Bei Investments in die europäischen und japanischen Aktienmärkte sollte die Währung unbedingt abgesichert werden. Vorsicht ist ausserdem in Bezug auf die relativ tiefe Liquidität der Aktien- und Bondmärkte geboten. Eine tiefe Liquidität verstärkt Preisbewegungen nach oben und unten.

Wie geht’s weiter beim Gold?
Das relativ neue Thema von Terrorattacken in Europa hatte bislang keinen Einfluss auf die "Fluchtwährung" Gold. Gold hat ein neues 6-Jahres-Tief erreicht. Die Goldnachfrage sinkt stetig. In vielen Ländern drückt die negative Konsumstimmung auf die Schmucknachfrage ausser im Luxussegment. Investitionen in Goldaktien und ETFs wurden mit schlechter Performance bestraft. Im derzeitigen Deflationszeitalter steht ein Hedge gegen Inflation mit Gold nicht zur Diskussion. Die Zinserhöhung des Fed im Dezember könnte der letzte Nagel im Sarg von Gold sein, womit ein Absturz von Gold unter die 1000er Linie wahrscheinlich wird.

*Romy Dollé, eidg.dipl. Bankfachfrau und MBA, ist Geschäftsführerin der Mein Vermögen GmbH in Zürich.

Weitere Links:

Eintrag hinzufügen

Aktien Top Flop

Adecco Group 44.81
0.52 %
Geberit 515.40
0.27 %
Lonza Grp 567.80
0.21 %
ABB 23.58
0.13 %
Novartis 76.01
0.08 %
LafargeHolcim 43.51
-0.68 %
Roche Hldg G 315.05
-0.69 %
Givaudan 3’752.00
-0.74 %
Swiss Re 70.36
-1.26 %
Swisscom 479.80
-1.60 %
Der Euro wertet deutlich auf, ist das bereits die Trendwende? | BX Swiss TV

Finanzen.net News

pagehit