Kursabstürze am Markt 16.12.2018 21:48:00

Russell Investments erwartet keinen Bärenmarkt, sondern nur eine "chaotische Korrektur"

Russell Investments erwartet keinen Bärenmarkt, sondern nur eine "chaotische Korrektur"

Die Lage an den Aktienmärkten wird immer prekärer. Statt einem Endjahres-Run müssen die meisten Werte Verluste hinnehmen. Der US-amerikanische Index S&P 500 musste sogar mehr als zehn Prozent an Wert seit seinem im September erreichten Ein-Jahres-Hoch einbüssen und befindet sich somit in einer Korrekturphase, die ab 10 Prozent Kursverlust betitelt wird - ab 20 Prozent spricht man in der Finanzwelt von einem Bärenmarkt.

Bullenmarkt könnte noch ein Jahr halten

Doch für den Senior-Portfolio-Manager Doug Gordon von Russell Investments sind die aktuellen Kursverluste noch kein Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Die Phase, die die Aktienmärkte derzeit durchlaufen, sei genau das: Nur eine Phase. "Die erste und grundlegende Frage ist die: Ist es eine Korrektur oder ist es der Start für einen Bärenmarkt? Während man auf jeden Fall einen Pfad sehen kann, der uns in einen Bärenmarkt führen könnte, denke ich, dass es eher eine chaotische Korrektur ist."

Optimistisch blickt Gordon auch auf den Verlauf des nächsten Börsenjahres. Der Bullenmarkt wird seiner Ansicht nach wahrscheinlich noch mindestens ein Jahr andauern - wenn alle gegenwärtigen Probleme gelöst worden seien, die ein Risiko für den Markt bedeuteten.

Handelskrieg und Zinserhöhungen der Fed als Risikofaktoren

Und Risikofaktoren gibt es zurzeit viele: Der Handelsstreit zwischen den USA und China, die Leitzinserhöhungen der Fed, politische Risiken, die den Brexit betreffen, und die umstrittenen Budgetpläne Italiens, die die Europäische Union belasten könnten.

Vor allem die ersten beiden Punkte würden am US-Markt für grosse Unsicherheit sorgen, die in einer hohen Volatilität, sprich Schwankungsbreite, der Aktienkurse resultiere. Damit reiht sich Gordon in eine Reihe mit dem JPMorgan -Chef Jamie Dimon, der die Ursachen der Volatilität ebenfalls in diesen beiden Faktoren begründet sieht.

Marktentwicklung schwer vorhersagbar

Da die gefährdenden Punkte alle von ausserhalb kämen, sei es für Aktionäre und andere Marktteilnehmer besonders schwer, ihre Entwicklung und die damit einhergehenden Auswirkungen an den Märkten vorherzusagen.

Doch sollte der Handelskrieg zwischen den USA und China weiter eskalieren und weitere Handelsbeschränkungen sowie mehr und höhere Zölle eingesetzt werden, würde das laut Gordon das weltweite Wirtschaftswachstum stark verlangsamen. Seit einer Woche herrscht eine 90-Tage-Gnadenfrist zwischen den beiden Konfliktparteien, während derer sie sich auf eine angebrachte Lösung einigen sollen. Gordon zeigt sich zuversichtlich, dass die Probleme in gutem Sinne für die Wirtschaft gelöst werden.

Marktirritation bei weiteren Zinserhöhungen

Gordon warnt ausserdem davor, dass die Wall Street die weiteren Zinsschritte der Fed unterschätze. Höchstwahrscheinlich wird es bei der nächsten Fed-Sitzung in diesem Monat zu einer weiteren Leitzinserhöhung kommen. Gordon mutmasst, dass es damit aber nicht getan sein wird und die Zentralbank auch 2019 weitere Steigerungen bei den Zinssätzen vornehmen wird. Diese Massnahmen könnten den Markt ebenfalls irritieren.

Doch da der Portfolio-Analyst annimmt, dass diese Risikofaktoren zufriedenstellend geklärt werden können, glaubt er nicht, dass der Bärenmarkt so bald kommen wird. Denn sobald es Lösungen für die aktuellen Probleme gibt, könnte auch die hohe Volatilität aufhören und die Korrektur sich wieder verflüchtigen. "Man muss zwar flink sein, aber man sollte auch geduldig sein, dahingehend, dass man dabei bleibt, was man will, und das ist ein breit gefächertes Portfolio." Ob Anleger noch weiter vom Bullenmarkt profitieren können oder sie ihre Strategie auf eine baldige Baisse umstellen müssen, kann niemand genau vorhersagen. Klar ist aber, dass die politischen Entwicklungen, die auch die Börse beeinflussen, genauestens beobachtet werden sollten. Aktionäre müssen selbst entscheiden, auf welchen Ausgang sie wetten.

Theresa Rauffmann / Redaktion finanzen.ch

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