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23.09.2021 15:30:04

Schroders: Was macht ein Unternehmen in Sachen Klimaschutz zum Vorreiter?

Schroders: Was macht ein Unternehmen in Sachen Klimaschutz zum Vorreiter?

Simon Webber
Leitender Portfoliomanager

Isabella Hervey-Bathurst
Globales Aktienteam

Die Dringlichkeit, gegen den Klimawandel vorzugehen, wurde durch die Ereignisse dieses Sommers verdeutlicht. Die Auswirkungen extremer Hitze und Niederschläge haben sich in Feuer- und Überschwemmungskatastrophen in der Türkei, Kanada, China und Deutschland niedergeschlagen.

Im August warnte der Weltklimarat bzw. Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen der Vereinten Nationen (IPCC), dass extreme Wetterverhältnisse häufiger auftreten werden, wenn die globale Erwärmung anhält. Die Treibhausgase müssen daher rasch reduziert werden, um den Temperaturanstieg weltweit auf 2 °C oder vorzugsweise 1,5 °C des vorindustriellen Stands zu begrenzen.

Weiterlesen: Ändert der IPCC-Bericht etwas?

Obwohl viele Staaten sich das Ziel gesetzt haben, den Kohlenstoffausstoss auf null zu reduzieren, nimmt der Temperaturanstieg weiter zu. Unser aktuelles Climate Progress Dashboard zeigt zwar einige Fortschritte in jüngster Zeit. Dennoch werden die Temperaturen langfristig um 3,4 °C ansteigen. Hier besteht dringender Handlungsbedarf.

Was bedeutet das für Anleger?

In Anbetracht der erhöhten Dringlichkeit wollen die Anleger zunehmend sicherstellen, dass ihr Vermögen in Strategien investiert wird, die in einem Einklang mit einer raschen Dekarbonisierung stehen. Dem Schroders Institutional Investor Survey von 2021 zufolge war das Klimarisiko für 21 % der institutionellen Anleger ein wesentlicher Einflussfaktor bei Kapitalanlagen, verglichen mit nur 8 % im Jahr 2020.

Investitionen in die Dekarbonisierung könnten bedeuten, dass nur diejenigen Unternehmen ausgewählt werden, die mit ihren Produkten direkt zur Energiewende beitragen, beispielsweise Hersteller von Windturbinen oder Solarzellen. Inzwischen ist jedoch allseits bekannt, dass jede Branche auf dem Weltmarkt die Treibhausgase abbauen muss.

Unternehmen die, gemessen an den Scope 1 und Scope 2-Emissionen, einen geringen Ausstoss aufweisen, werden, verglichen mit Grossemittenten, bereits mit einem Kursaufschlag belohnt, wie aus nachstehender Abbildung ersichtlich wird. Scope 1-Emissionen werden direkt durch die Geschäftstätigkeit des Unternehmens erzeugt. Die Scope 2-Emissionen schliessen hingegen den Energieverbrauch der Firma ein.

Die Unternehmen werden jedoch ehrgeiziger. Sie sind zunehmend bestrebt, ihre Emissionen völlig zu eliminieren. Daher erweitern sie ihre Zielvorgaben, auf Scope 3-Emissionen, d. h. die indirekten Emissionen, die in der Wertschöpfungskette von Lieferanten und durch den Einsatz verkaufter Produkte entstehen.

Die Einbeziehung indirekter Emissionen in die Unternehmensziele bedeutet, dass Unternehmen mit Lieferanten zusammenarbeiten müssen, die denselben Weg eingeschlagen haben. Nur so lassen sich ihre Ziele erreichen, und es entsteht ein positiver Kreis von Geschäftspartnerschaften.

In der Praxis sehen wir dafür immer mehr Beispiele. Eines der Unternehmen, die wir aufmerksam verfolgen, ist das japanische Unternehmen Murata, das elektronische Bauelemente anbietet. Unlängst wurde Folgendes erklärt: "Murata wird aus Sicht der Emissionen bei unseren Kunden als Scope 3 eingestuft, und die Kunden bestätigen bei der Auswahl ihrer Lieferanten stets die Initiativen von Murata zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen. Ausserdem besteht eindeutig das Risiko, Aufträge zu verlieren, wenn wir keine überzeugenden Massnahmen zum Abbau der Treibhausgasemissionen vorlegen."

Dies ist nur ein aktuelles Beispiel dafür, was in Geschäftsbeziehungen mittlerweile gang und gäbe ist. Ferner glauben wir, dass sich das Ziel, in Sachen Klimawandel zu den führenden Unternehmen zu zählen, aktuell offensichtlich von einem Kostenfaktor zu einem Wettbewerbsvorteil wandelt.

Anlegern in diese Unternehmen könnten daher von höheren Renditen profitieren und gleichzeitig gewährleisten, dass ihr Kapital in Unternehmen investiert wird, die zur Dekarbonisierung beitragen.

Führende Unternehmen in diesem Bereich könnten ein niedrigeres Anlagerisiko darstellen als die Nachzügler. Klimaführer, die der Konkurrenz in Sachen Dekarbonisierung, u. a. auch in der Lieferkette, voraus sind, reduzieren ihr Risiko, wenn in der Zukunft aggressive staatliche und gesellschaftliche Massnahmen zur Regulierung, Besteuerung und Bepreisung von Treibhausgasen eingeführt werden.

So identifizieren Sie einen Klimaführer

Ein Unternehmen kann auch dann Klimaführer sein, wenn seine Aktivitäten keinen direkten Bezug zur Energiewende haben.

Für uns ist ein Klimaführer ein Unternehmen, das ehrgeizige Pläne zur Dekarbonisierung hat. Diese Pläne müssen mit den Zielen des Pariser Klimaabkommens vereinbar sein, den Temperaturanstieg auf 1,5 °C oder darunter zu begrenzen.

Wie finden wir diese Unternehmen? Zunächst durchsuchen wir das Universum globaler Aktien nach Firmen, die ein Emissionsreduktionsziel aufweisen, das bis 2030 einen Abbau der Emissionsintensität um 80 % vorsieht. Die Emissionsintensität ist die Menge der Emissionen je Produktionseinheit.

Anschliessend gleichen wir die von Unternehmen bereitgestellten Daten mit anderen Quellen ab, einschliesslich der UNFCC-Kampagne "Race to Zero", die auf wissenschaftlichen Vorgaben basiert. Beides trägt dazu bei, bewährte Verfahren für Unternehmen zu etablieren, die wissenschaftlich fundierte Emissionsreduktionsziele festlegen möchten.

Als Klimaführer betrachten wir ferner Unternehmen, deren Emissionsreduktionsziel unter 80 % liegt, bei denen jedoch eine Emissionsintensität angestrebt wird, die 80 % unter dem regionalen Branchendurchschnitt liegt. Kurz gesagt handelt es sich hierbei um Unternehmen, die ihre Vergleichsgruppe klar anführen, auch wenn ihr Gesamtreduktionsziel unterhalb von 80 % liegt. Damit sollen Unternehmen nicht benachteiligt werden, die sich bereits zu Klimaführern hochgearbeitet haben. Für sie ist es zwangsläufig schwieriger, die Emissionen noch zusätzlich zu verringern.

Natürlich gibt es auch Sonderfälle, Firmen, die möglicherweise keine so strengen Vorgaben haben, im Kontext der Branche aber ein ehrgeiziger und eindeutiger Klimaführer sind.

Klimaführerschaft in der Praxis: Microsoft

Ehrgeizige Ziele allein reichen nicht aus. Unternehmen müssen detaillierte Pläne ausarbeiten, wie sie diese Ziele realisieren wollen. Und diese Ziele dürfen nicht in Stein gemeisselt sein. Sie müssen, wenn sie einmal umgesetzt wurden, vielmehr wieder neu gesteckt werden. Ausserdem müssen wir sorgfältig prüfen, dass Unternehmen bei ihren Bemühungen nicht auf Abwege geraten. Denn die harte Arbeit liegt in der Umsetzung der Veränderungen und nicht in der Zielsetzung an sich.

Ein Beispiel für einen Klimaführer ist Microsoft. Hier hat man sich ehrgeizige Ziele gesetzt, die alle Unternehmensbereiche mobilisieren sollen, und das Unternehmen verpflichtet sich, die Fortschritte regelmässig zu überprüfen.

Microsoft strebt beispielsweise an, bis 2025 100 % erneuerbare Energie zu verwenden. Das Unternehmen hat sich zudem verpflichtet, bis 2030 wasserpositiv zu sein (d. h. mehr als den Wasserverbrauch wieder einzuspeisen). Darüber hinaus will man bis 2030 als abfallfrei zertifiziert sein und bei allen Neubauten eine Netto-Null-Entwaldung erzielen.

Darüber hinaus hat Microsoft versprochen, bis 2030 CO2-neutral zu sein und bis 2050 den gesamten CO2-Fussabdruck zu beseitigen, der seit der Gründung des Unternehmens im Jahr 1975 entstanden ist.

Wie kann dem Unternehmen dies gelingen? Ein Instrument ist die Schaffung einer internen "Kohlenstoffsteuer", die jede Microsoft-Abteilung auf der Grundlage der von ihr emittierten CO2-Mengen zahlen muss. Damit sind bereits Scope 1- und Scope 2-Emissionen erfasst, aber ab diesem Jahr ist auch Scope 3 enthalten. Die "Steuer" gibt jedem Unternehmensbereich einen Anreiz, auf seine Emissionen zu achten und sie zu reduzieren.

Der Abbau der Emissionen ist ein Thema, aber die Beseitigung historischer Schadstoffe steht auf einem anderen Blatt. Ein Grossteil der dafür benötigten Technologie steckt bestenfalls noch in den Kinderschuhen. Deshalb investiert Microsoft 1 Mrd. US-Dollar in einen Klimainnovationsfonds, um die globale Technologieentwicklung zur Reduzierung, Abscheidung und Entfernung von Kohlenstoff voranzutreiben.

Dabei ist wichtig, dass das Unternehmen seine Ergebnisse über einen jährlichen Umwelt-Nachhaltigkeitsbericht öffentlich nachverfolgt.

Microsoft ist bereits auf dem Weg zu netto-null. Unzählige andere Firmen befinden sich in einer weitaus früheren Phase dieses Prozesses.

Für Anleger gibt es nach unserer Einschätzung klare Chancen für Anlagen in Unternehmen, bei denen die Verantwortung für die Dekarbonisierung ernst genommen wird. Da Gesellschaft und politische Entscheidungsträger dazu übergehen, Inaktivität zu bestrafen und Unternehmen zu belohnen, die sich für die Bekämpfung des Klimawandels einsetzen, können diese Investitionen wertschöpfend sein.

Dieser Artikel wurde im September 2021 veröffentlicht. Alle Bezugnahmen auf Unternehmen dienen nur zur Veranschaulichung und sind weder als Kauf- noch als Verkaufsempfehlung oder als Meinung zum Wert der Aktien dieses Unternehmens zu verstehen. Dieser Artikel ist nicht als Anlageempfehlung oder Research gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden. Wenn Sie sich bezüglich der Eignung eines Investments unsicher sind, sprechen Sie bitte mit einem unabhängigen Finanzberater.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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