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24.06.2021 17:00:50

Schroders: Die drei Treiber des starken Anstiegs der Halbleiternachfrage

Schroders: Die drei Treiber des starken Anstiegs der Halbleiternachfrage

Vijay Anand
Analyst für europäische Aktien

Lieferengpässe bei Halbleitern sorgten in den letzten Monaten wiederholt für Schlagzeilen. Die Autohersteller litten besonders stark darunter. Viele mussten die Produktion kürzen oder Verzögerungen hinnehmen.

Die Probleme verdeutlichen die zunehmende Abhängigkeit des Automobilsektors von Halbleitern, während sich die Branche in der Umstellung auf Elektrofahrzeuge befindet und fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme (ADAS) integriert.

Wie die folgende Grafik zeigt, ist die Automobilindustrie jedoch ein relativ kleiner Endmarkt für Halbleiter. Strukturelle Trends wie das Internet der Dinge, künstliche Intelligenz und die Verbesserung der Kommunikationsnetze (von 4G auf 5G und möglicherweise 6G am Ende des Jahrzehnts) sind auf längere Sicht wahrscheinlich erheblich stärkere Wachstumstreiber für die Halbleiterindustrie.

Dennoch wird der steigende Anteil von Halbleiterkomponenten in Autos das langfristige Wachstum von Unternehmen antreiben, die ein überdurchschnittliches Engagement in diesem Sektor haben.

Das Internet der Dinge und künstliche Intelligenz werden die Nachfrage in den nächsten zehn Jahren antreiben

Ein bedeutender Wachstumsbereich für Halbleiter im kommenden Jahrzehnt dürfte das Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) sein - Geräte mit eingebauten Sensoren und integrierter Software, die über das Internet miteinander vernetzt sind.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind enorm. Intelligente Fabriken, bei denen die Produktion aus der Ferne überwacht werden kann, sind ein wichtiges Beispiel dafür. In diesen Fabriken kann praktisch alles überwacht werden, vom Energieverbrauch einer Maschine bis zu ihren Ausfallzeiten, aber auch die Lagerhaltung und die Bestände. Dies verbessert die Effizienz, setzt Kapazitäten frei und reduziert die Kosten.

Ein weiteres Beispiel sind vernetzte Haushalte, in denen die Beleuchtung und Geräte über ein Smartphone oder Tablet gesteuert werden können. IoT-Geräte könnten auch zur Verbesserung der Sicherheit verwendet werden. Sie ermöglichen die Fernüberwachung von offenen Fenstern, Lecks oder Rauch.

Laut Statista wird die Anzahl der vernetzten Geräte von 7,74 Milliarden im Jahr 2019 auf 25,44 Milliarden im Jahr 2030 steigen (Quelle).

Und natürlich müssen alle von diesen Geräten erzeugten Daten verarbeitet, analysiert und gespeichert werden. Daher dürften die Kapazitäten von Rechenzentren weiter ausgebaut werden, während künstliche Intelligenz immer wichtiger wird.

5G ist endlich da

Mit der Umstellung auf 4G wurden die Mobilfunknetze erheblich verbessert, und mittlerweile ist die Aufrüstung auf 5G voll in Fahrt gekommen. 5G bietet höhere Geschwindigkeiten, eine grössere Zuverlässigkeit und eine geringere Latenz.

5G ist eine Voraussetzung für den Betrieb der oben erwähnten Arten vernetzter Geräte und für die Übertragung der dafür benötigten Datenmengen.

Die Umstellung auf 5G dürfte die Nachfrage nach neuen Smartphones ankurbeln. Das Marktforschungsunternehmen IDC erwartet, dass die Auslieferungen von 5G-Smartphones im Jahr 2021 mehr als 40 % des weltweiten Volumens ausmachen werden. Bis 2025 dürfte der Anteil auf 69 % anwachsen (Quelle).

Das steigende Mobiltelefonvolumen und die grössere Komplexität von 5G-Geräten führen zu einer grösseren Halbleiternachfrage von Handyherstellern. Branchenkenner weisen darauf hin, dass ein 5G-Smartphone einen 20 % bis 50 % grösseren Anteil an Halbleitern enthält als ein 4G-Smartphone.

Die Automobilindustrie bringt einen weiteren Strukturwandel mit sich

Der Halbleiteranteil von Autos nimmt ständig weiter zu. Selbst einfache Dinge wie das Öffnen eines Autofensters erfolgen jetzt auf Knopfdruck, wofür Halbleiter nötig sind. Sicherheitsausstattungen wie Airbags benötigen Drucksensoren, die die Geschwindigkeit überwachen, die Daten verarbeiten und auf heftige Veränderungen reagieren.

Durch die Zunahme der Elektrofahrzeuge werden auch sehr viel mehr Halbleiter benötigt. Laut Infineon Technologies ist der Gesamtwert der in einem Elektrofahrzeug verwendeten Halbleiter mehr als doppelt so hoch wie bei einem Auto mit Verbrennungsmotor.

Hinzu kommen die fortschrittlichen Fahrerassistenzsysteme, die in modernen Autos immer häufiger eingesetzt werden. Diese Systeme lösen zum Beispiel die Bremse aus, wenn Sensoren feststellen, dass ein Unfall droht, halten einen konstanten Abstand zum vorausfahrenden Auto oder halten das Fahrzeug in der Spur. Solche Systeme erfordern mehrere Radargeräte, Sensoren und Kameras, die alle miteinander interagieren und den Fahrer warnen müssen.

Voll automatisierte Fahrzeuge sind die nächste Weiterentwicklungsstufe nach ADAS. Sie erfordern einen noch höheren Halbleiteranteil. Ein autonomes Auto ist effektiv ein IoT-Gerät, da es mit anderen Fahrzeugen und Geräten in seiner Umgebung kommunizieren muss. Die von ihm generierten Daten werden auch zur Verarbeitung, Analyse und Speicherung an den Hersteller zurückgesandt.

Warum wurden Autohersteller von den Chip-Engpässen überrascht?

Angesichts des erheblich gestiegenen Halbleitergehalts von Autos mag es verwunderlich erscheinen, dass die Branche in den Warteschlangen der Zulieferer derzeit offenbar an letzter Stelle steht. Dies ist eine Folge der durch Covid-19 verursachten Störungen und des Unterschieds zwischen den Lieferketten im Halbleitersektor und der Automobilbranche.

Zu Beginn der Pandemie im letzten Jahr brach der Neuwagenabsatz zunächst ein. Daher fuhren die Autohersteller die Produktion zurück und reduzierten die Bestellungen für Komponenten, einschliesslich Halbleitern. Die Nachfrage nach Elektronik (Smartphones, Laptops usw.) nahm jedoch stark zu, da die Unternehmen ihre Mitarbeiter für die Arbeit zu Hause ausrüsten mussten. Die Pandemie veranlasste viele Unternehmen auch zu einer schnelleren Einführung von Cloud-Services, was wiederum zu einer fortgesetzt starken Nachfrage nach Halbleitern für Rechenzentren führte. Daher war es für die Halbleiterhersteller kein Problem, freie Kapazitäten mit Aufträgen für diese Endmärkte zu füllen.

Der Automobilsektor verlässt sich normalerweise auf "Just in Time"-Lieferketten. Die Unternehmen selbst haben nur geringe Lagerbestände. Dies hat sich über Jahrzehnte hinweg zu einem äusserst effizienten System entwickelt. Nachdem die Autohersteller ihre Bestellungen für Halbleiter gekürzt hatten, stellten sie jedoch fest, dass sie sie nicht einfach wieder erhöhen konnten, als die Autonachfrage früher wieder anstieg als erwartet. Die Kapazitäten waren bereits vergeben.

Mehrere Halbleiterhersteller haben erhebliche Investitionen in den Ausbau ihrer Kapazitäten angekündigt. Das taiwanesische Unternehmen TSMC investiert 100 Mrd. US-Dollar in neue Anlagen, Samsung 116 Mrd. US-Dollar und Intel 20 Mrd. US-Dollar. Die Zahlen sind riesig. Doch es wird einige Zeit dauern, bis die Kapazitäten in Betrieb genommen werden können. Daher werden die Engpässe vorerst andauern.

Wo sind die europäischen Halbleiterunternehmen einzuordnen?

Man kann mit Recht sagen, dass ohne das niederländische Unternehmen ASML keine der Innovationen bei Halbleitern der letzten Jahrzehnte möglich gewesen wäre. ASML ist ein wichtiger Zulieferer für die Branche. Das Unternehmen stellt die Werkzeuge her, die Chiphersteller zur Massenproduktion von Mustern auf Silizium benötigen, damit Chips immer kleiner, schneller und umweltfreundlicher werden.

Die neueste Innovation von ASML ist eine EUV-Maschine (Extreme Ultraviolet Lithography), die das Muster eines integrierten Schaltkreises auf einen Siliziumwafer "brennt". Die Investment-Website ValueWalk verglich diese Technologie mit "der Präzision, die nötig wäre, um mit einem auf der Erde abgeschossenen Pfeil einen Apfel auf dem Mond zu treffen". Diese fortschrittliche Technologie ist eine entscheidende Voraussetzung für die Entwicklung modernster Halbleiter.

Andere europäische Firmen in diesem Sektor sind beispielsweise die Ausrüstungsunternehmen ASM International und BESI, die Innovationen in verschiedenen Teilen der Produktionswertschöpfungskette ermöglichen. Ausserdem gibt es Hersteller wie Infineon Technologies oder STMicroelectronics. Weitere Informationen erhalten Sie hier: Die versteckten Stars des europäischen Technologiesektors

Es scheint klar, dass der Halbleitersektor derzeit sowohl ein zyklisches als auch ein strukturelles Nachfragewachstum verzeichnet. Die zyklische Nachfrage resultiert aus der Erholung der Bestellungen nach der Covid-Krise und dem Bedarf an neuen Geräten aufgrund des Trends zur Arbeit im Homeoffice.

Doch selbst wenn sich diese Nachfrage normalisiert, erwarten wir, dass das strukturelle Wachstum in der Branche noch auf viele Jahre hinaus vom Internet der Dinge, künstlicher Intelligenz, fortschrittlicher Kommunikation und der steigenden Automobilnachfrage angetrieben wird.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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