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13.01.2022 14:47:51

Schroders: Der Startschuss ist gefallen: Das Rennen um die ESG-Regulierung ist eröffnet

Schroders: Der Startschuss ist gefallen: Das Rennen um die ESG-Regulierung ist eröffnet

Anastasia Petraki
Leiterin Policy Research

Wenn Sie Schwierigkeiten haben, mit den neuen ESG-Regulierungen auf der ganzen Welt Schritt zu halten, sind Sie nicht allein. Die Unmenge an neuen Vorschriften ist überwältigend. Vielleicht hilft es, wenn Sie sich daran erinnern, was diese Regeln erreichen wollen: die Investitionen sicherstellen, die wir brauchen, um unsere Volkswirtschaften nachhaltiger zu machen.

In vielen Fällen beginnt dies mit dem Netto-Null-Emissions-Ziel eines Landes - ein Ziel, dessen Erreichung sehr teuer sein wird. In einer Zeit, in der Regierungen mit pandemiebedingten Staatsschuldenbergen konfrontiert sind, werden private Investoren in die Zange genommen. Darum geht es bei "nachhaltiger Finanzierung".

Politische Entscheidungsträger haben eine lange To-Do-Liste, konzentrieren sich jedoch ausnahmslos auf drei Bereiche:

  • Unternehmensangaben, um sicherzustellen, dass die Anleger über die notwendigen Informationen zur Kapitalallokation verfügen
  • Angaben zu Anlageprodukten, damit offensichtlich ist, welche Produkte mit grösserer Wahrscheinlichkeit Kapital für nachhaltige Aktivitäten oder Aktivitäten bereitstellen, die den Weg zur Nachhaltigkeit ebnen können
  • Taxonomien, damit die Märkte ein gemeinsames Verständnis davon haben, was "nachhaltig" ist.

Im vorliegenden Artikel geben wir eine Zusammenfassung der aktuellen Lage weltweit.

Die Europäische Union erhält die meiste Aufmerksamkeit, da sie die erste Region ist, die einen nachhaltigen Finanzplan entwickelte, der weitgehend auf Offenlegung und Berichterstattung basiert. Es gibt eine EU-Taxonomie, um zu definieren, welche Aktivitäten als nachhaltig gelten. Damit berichten Unternehmen über die Nachhaltigkeit ihrer Aktivitäten gemäss der Nachhaltigkeitsberichterstattung (Corporate Sustainability Reporting Directive, CSRD). Vermögensverwalter nutzen diese Informationen, um über die Nachhaltigkeit ihrer Produkte gemäss der Offenlegungsverordnung (Sustainable Finance Disclosures Regulation, SFDR) zu berichten. Finanzberater verwenden diese Informationen dann für ihre Gespräche mit Endinvestoren, um deren "Nachhaltigkeitspräferenzen" gemäss dem MiFID-Eignungstest zu ermitteln.

Wenn Sie also davon ausgehen, dass dies die Reihenfolge sein wird, in der die Regulierung eingeführt wird, dann haben Sie Recht. Leider hat sich die EU-Taxonomie aus verschiedenen Gründen verzögert. Einer der Gründe war eine hitzige Debatte zwischen den Mitgliedstaaten darüber, ob Kernenergie und Gas als umweltverträgliche Aktivitäten eingestuft werden. Die Unternehmensberichterstattung wird nicht vor 2023 in Kraft treten. Auch die technischen Details, wie Vermögensverwalter über die Nachhaltigkeit ihrer Produkte berichten, gelten erst ab 2023.

Ab Januar 2022 müssen Vermögensverwalter jedoch noch eine Zahl für die Ausrichtung ihrer Produkte an einer unvollständigen EU-Taxonomie angeben, indem sie Daten zur Ausrichtung der Unternehmenstaxonomie verwenden, die nicht vorhanden sind. Und ab August 2022 sollten Berater die Präferenzen ihrer Kunden anhand der von Vermögensverwaltern gemeldeten Informationen beurteilen, die entweder auf unvollständigen oder vollständig fehlenden Daten basieren.

Eine weitere interessante Komplikation ist, dass einige EU-Mitgliedstaaten ihren eigenen Akzent setzen oder zusätzliche Regeln festlegen. Dies ist der Fall in Frankreich, Deutschland, Belgien und Spanien. Andere Länder könnten diesem Beispiel folgen.

Dies ergibt sich teilweise aus dem Bemühen, die EU-Vorschriften so auszulegen, dass die Aufsicht angesichts der anhaltenden Verzögerungen und des anhaltenden Mangels an Klarheit einfacher wird. Einiges davon ergibt sich durch den Versuch, ihre jeweiligen Inlandsmärkte von anderen Märkten abzusetzen (und möglicherweise zu schützen).

Was auch immer der Grund ist, das Ergebnis wird wahrscheinlich genau die Marktfragmentierung sein, die die EU-Vorschriften zu verhindern versuchen.

Grossbritannien hat inzwischen die verpflichtende Berichterstattung gemäss der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD) unternehmens- und finanzdienstleistungsübergreifend eingeführt.

Das Prinzip ist, dass der Markt dank der TCFD sehen kann, wo der meiste Kohlenstoff emittiert wird, und entsprechend Kapital zuteilen wird. Die Nachhaltigkeit geht jedoch über den Klimawandel hinaus. Deshalb hat die britische Regulierungsbehörde auch Pläne für Sustainability Disclosure Requirements (SDR) vorgestellt, die die TCFD-Berichterstattung um (noch nicht definierte) Nachhaltigkeitsfaktoren erweitern werden.

In gewisser Weise handelt es sich um die britische Version der SFDR - mit dem Unterschied, dass SDR auch Labels für nachhaltige Anlageprodukte einführen wird; etwas, das die EU-Politikerinnen und -Politiker absichtlich vermieden haben. Die Details werden in einem Konsultationsprozess im Verlauf des Jahres 2022 festgelegt. Natürlich gibt es laufende Pläne für eine UK-Taxonomie, die sich wahrscheinlich leicht von der EU-Taxonomie unterscheiden wird und zu der im Jahr 2022 weitere Details bekannt werden.

Die USA haben mit der Biden-Administration einen ziemlich radikalen Richtungswechsel vollzogen. Die neue Politik konzentriert sich hauptsächlich auf den Klimawandel.

Das Ergebnis der Überprüfung der Vorschriften des US-Arbeitsministeriums, die im Januar 2021 unter der vorherigen Regierung durchgeführt wurden, wird mit Spannung erwartet. In der Praxis erschwerten diese es privaten Pensionskassen, in Strategien mit Nachhaltigkeitsbezug zu investieren und über Beschlüsse zu Umwelt- und Sozialfragen abzustimmen.

Unter der neuen Regierung im März 2021 kündigte das Arbeitsministerium an, dass es die Regeln nicht durchsetzen und stattdessen die Interessenträger konsultieren würde. Dies gipfelte in neuen Vorschlägen, die im Oktober 2021 veröffentlicht wurden und anerkennen, dass Treuhänder Nachhaltigkeitsfaktoren bei der Bewertung von Anlagemöglichkeiten und bei Entscheidungen zur Stimmrechtsvertretung berücksichtigen können.

Das Endergebnis wird in den ersten Monaten des Jahres 2022 erwartet und könnte, wenn es dem Vorschlag ähnelt, grosses Kapital für nachhaltige Investitionen freisetzen.

Die Märkte in Asien waren auch nicht untätig. Auch wenn die Gefahr einer zu starken Vereinfachung besteht, betrafen die meisten der jüngsten regulatorischen Entwicklungen die Verbesserung der Corporate-Governance-Standards und der Unternehmensberichterstattung.

Dies ist der Fall beim überarbeiteten Corporate Governance Kodex und den Listingregeln in Hongkong, die ab Januar 2022 strengere Anforderungen an die Unabhängigkeit und Diversität des Verwaltungsrats von Unternehmen sowie eine frühere Einführung der ESG-Berichterstattung beinhalten. Weitere Beispiele sind die Pläne in Taiwan, mehr ESG-Angaben in Geschäftsberichte börsennotierter Unternehmen einzuführen, während in Singapur die Offenlegung von TCFD und Board Diversity ab 2022 stufenweise vorgeschrieben wird.

Ein weiteres interessantes Merkmal der asiatischen Märkte ist der starke Fokus auf Bildung. Dies zeigte sich daran, dass die Hongkonger Börse eine ESG-Akademie gründete, eine zentralisierte Bildungsplattform für Unternehmen und den breiteren Markt. Singapur lanciert währenddessen im Rahmen seines Green Finance Action Plans Bildungsworkshops und E-Learning-Plattformen.

Ausserdem wird grosser Wert darauf gelegt, relevante Informationen an einem Ort zusammenzubringen. Zum Beispiel hat die koreanische Börse ein eigenes Segment für sozial verantwortliche Anleihen. In Hongkong gibt es eine öffentlich zugängliche Datenbank von Nachhaltigkeitsfonds auf der Website der Regulierungsbehörde, und die Regulierungsbehörde in Singapur schliesslich plant, digitale Plattformen für bessere Nachhaltigkeitsdaten zu testen.

Zur selben Zeit arbeitet China mit der EU an einer "gemeinsamen Taxonomie", die über die International Platform on Sustainable Finance (IPSF) ins Leben gerufen wurde. Dies ist keine Taxonomie an sich, sondern ein Werkzeug, das die grünen Taxonomien der EU und Chinas effektiv vergleicht und in die andere übersetzt. Dieses Werkzeug befindet sich noch in der Entwicklung, aber wenn es funktioniert, könnte es sehr nützlich für Anleger sein, die weltweit investieren.

Bei nachhaltigen Finanzen in Australien geht es weniger um Offenlegungen und mehr um das Management des Klimawandels. Die meisten der jüngsten Regulierungsaktivitäten stammten von der australischen Prudential Regulation Authority (APRA) in Form von Leitlinien für Banken, Versicherungen und Pensionsfonds zum Umgang mit klimabezogenen Risiken und Chancen.

Dabei geht es vor allem darum, ob sich Ereignisse im Zusammenhang mit dem Klimawandel als finanzielle Risiken manifestieren können, beispielsweise die Überlastung von Versicherungsunternehmen mit Ansprüchen aus Extremwetter-Sachschäden. Wenn dies geschieht, kann dies für Versicherungsunternehmen problematisch werden, was dann auf andere Finanzmarktteilnehmer übergreifen und die Märkte insgesamt destabilisieren könnte.

Wird ein internationaler Standard entstehen?

Man ist hoffnungsvoll, was die Unternehmensberichterstattung betrifft. Bei der Einführung des International Sustainability Standards Board (ISSB) geht es nämlich genau darum, einen globalen Unternehmensberichterstattungsstandard für Nachhaltigkeitskennzahlen zu schaffen. Der Zeitpunkt für die Bereitstellung dieser Standards ist etwas ungewiss, aber wir bleiben sehr hoffnungsvoll, da nationale Regulierungsbehörden, beispielsweise in Grossbritannien, bereits signalisiert haben, dass sie ihre Übernahme beabsichtigen.

Gemeinsame Standards für Anlageprodukte sind weniger wahrscheinlich. Einige Details des neuen britischen Rahmenwerks unterscheiden sich bereits vom EU-Ansatz. Wir würden uns nicht wundern, wenn die Unterschiede zu weiter entfernten Märkten noch grösser ausfallen würden. Allerdings bemühen sich internationale Regulierungsbehörden wie die Internationale Organisation der Wertpapieraufsichtsbehörden (IOSCO) um eine gewisse Kohärenz in der Vorgehensweise der nationalen Regulierungsbehörden.

Solange also keine international anerkannten Standards vorliegen, werden wir (und damit meine ich uns alle) auf ein Flickwerk unterschiedlicher Rahmenbedingungen angewiesen sein, die in jeder Region entwickelt wurden.

Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich, wer das am besten macht und damit das Rennen um die ESG-Regulierung "gewinnen" wird. Die Antwort ist wahrscheinlich niemand, aus dem einfachen Grund, dass dies noch nie jemand getan hat. Uns allen steht eine steile Lernkurve zur Nachhaltigkeit bevor - und dabei wissen wir nicht einmal, was uns auf der anderen Seite erwartet.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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Bildquelle: Schroders

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