Experten-Kolumne 14.05.2019 12:06:36

Allgemein oder privat: Keine Zwangsjacke im Alter

Kolumne

Im Gegensatz zu der obligatorischen Grundversicherung sind Zusatzversicherungen freiwillig. Sie bieten verschiedene ergänzende Leistungen und erfreuen sich grosser Beliebtheit: Umfragen zeigen, dass vier von fünf Personen mindestens eine Zusatzversicherung haben. So können zum Beispiel ein Krankenpflegezusatz, Zahnzusatz und Alternativzusatz abgeschlossen werden. Am wichtigsten und mit den höchsten Kosten verbunden ist der Spitalzusatz, bei dem die Versicherten wählen, ob sie bei einem Spitalaufenthalt in der halbprivaten oder privaten Abteilung behandelt werden wollen. Der Aufenthalt in der allgemeinen Abteilung zum Tarif des Wohnkantons in einem anerkannten Spital wird von der Grundversicherung gedeckt.

Ein Modell, das im Umfeld der kontinuierlich steigenden Krankenkassenprämien viele Versicherte überzeugt, ist die flexible Spitalversicherung (Flex-Modell). Vor Spitaleintritt wird gewählt, welche Abteilung respektive Behandlung im konkreten Fall gewünscht wird. Entscheidet sich der Versicherte für halbprivat oder privat, so muss er eine Kostenbeteiligung leisten - im Gegenzug sind aber seine laufenden Prämien deutlich niedriger.

Alter ist der grösste Kostenfaktor

Zweifelsohne deckt die Spitalzusatzversicherung ein wichtiges Bedürfnis ab - und es ist soweit nichts dagegen einzuwenden, dass die Höhe der Versicherungsbeiträge vom Leistungsumfang, Gesundheitszustand und Alter des Versicherten abhängt. Dennoch haben die Zusatzversicherungen einige Tücken, die vor allem ältere Personen in der Wahl der gewünschten Pflegeleistungen massiv einschränken können. Das Alter ist der grösste Kostenfaktor einer Zusatzversicherung, und die Prämien steigen in der Regel mit zunehmendem Alter. Das hat einerseits zur Folge, dass die Prämien im Alter - gerade wenn die Grundversicherung wieder teurer wird - manchmal kaum mehr bezahlt werden können, andererseits ist es für viele ältere Personen kaum möglich, noch eine Zusatzversicherung zu erhalten.

Wer eine Zusatzversicherung abschliessen oder ein Upgrade von halbprivat auf privat vornehmen möchte, wird von vielen Krankenkassen ab einem bestimmten Alter oder bei einem schlechteren Gesundheitszustand abgewiesen. Je nach Versicherungsgesellschaft können Kunden ab 55 oder 60 Jahren auch keine Anpassungen mehr vornehmen, sondern nur noch aussteigen. Und ob sie bei einer anderen Krankenkasse die gewünschte Zusatzversicherung abschliessen können, ist höchst fraglich oder nur unter Vorbehalten, Risikoaufschlägen oder Leistungsausschlüssen möglich.

Frühzeitig Zusatzversicherung wählen

Ein Downgrade - also der Wechsel von privat zu halbprivat oder allgemein - ist abgesehen von Mehrjahresverträgen immer möglich, jedoch mit den Opportunitätskosten der geringeren Leistungen oder Wahleinschränkung verbunden. Der Wechsel von einem halbprivaten Modell zu einem Flex-Modell kann hingegen problematisch sein. Diese Anpassung stellt kein eigentliches Downgrade dar, da bei der flexiblen Spitalversicherung die Option besteht, gegen Aufpreis in der privaten Abteilung zu liegen, was ein Upgrade wäre. Somit kann dieser Wechsel Altersbeschränkungen unterliegen oder aufgrund des Gesundheitszustands abgelehnt werden.

Damit die Krankenversicherung im Alter nicht zur Zwangsjacke wird, sollten Versicherte schon in jüngeren Jahren entscheiden, welche Versicherungsleistungen sie im Alter in Anspruch nehmen möchten und bezahlen wollen respektive können. Nicht nur der Abschluss einer Zusatzversicherung, sondern auch ein Klassenwechsel soll gut überlegt sein und rechtzeitig in Angriff genommen werden. Besonders wichtig ist dabei, die bestehende Police erst zu kündigen, wenn die schriftliche Zusage der Aufnahme in eine andere Kasse vorliegt.

Stephan Wirz ist Mitglied der Geschäftsleitung der Maklerzentrum Schweiz AG, einer führenden Anbieterin von Versicherungslösungen im Privatkundenbereich.

Stephan Wirz ist Mitglied der Geschäftsleitung der Maklerzentrum Schweiz AG, einer führenden Anbieterin von Versicherungslösungen im Privatkundenbereich.

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus.

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