| Handelsmechanik |
28.11.2025 22:43:00
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Wie ETF-Liquidität entsteht: Der Unterschied zwischen Primär- und Sekundärmarkt
ETFs gelten als hoch liquide, selbst wenn ihr Orderbuch wenig Handel zeigt. Das Zusammenspiel aus Börsenhandel und dem Mechanismus zur Schaffung neuer Anteile macht nahezu jederzeitige Käufe und Verkäufe möglich.
• Market Maker und autorisierte Teilnehmer halten Preise stabil und ermöglichen grosse Orders
• In Stressphasen bleiben ETFs handelbar, auch wenn Auf- oder Abschläge auftreten
Warum ETF-Liquidität mehr ist als sichtbares Handelsvolumen
Häufig wird die Liquidität von Exchange Traded Funds am sichtbaren Handelsvolumen gemessen. Doch dieser Eindruck greift zu kurz. Aus einem Bericht der Deutschen Börse geht hervor, dass das echte Liquiditätspotenzial eines ETFs wesentlich grösser ist als das, was Anleger im Orderbuch sehen.
Der Sekundärmarkt bildet dabei lediglich die erste Schicht der Handelbarkeit. Marktteilnehmer wie Privatanleger können ETF-Anteile kaufen oder verkaufen, ohne dass der Anbieter des ETFs beteiligt ist.
Laut ETF Stream entsteht daraus ein entscheidender Vorteil: ETFs können zusätzlich auf einen zweiten Markt zugreifen - dem Primärmarkt. Dort werden ETF-Anteile geschaffen oder zurückgegeben. Dadurch sind selbst Produkte mit geringem sichtbaren Volumen häufig deutlich liquider als viele Anleger annehmen.
Der Primärmarkt: Creation und Redemption als Liquiditätsmotor
Das Rückgrat des ETF-Handels ist der Primärmarkt. Laut extraETF ermöglicht der Creation-Redemption-Prozess die flexible Anpassung der ausstehenden Anteile an die Nachfrage. Autorisierte Teilnehmer tauschen Wertpapierkörbe gegen ETF-Anteile oder umgekehrt. Dieser Vorgang ist für Privatanleger unsichtbar, bildet aber die Basis dafür, dass grosse Orders ohne Kursverzerrung abgewickelt werden können.
Ein Beispiel liefert die NASDAQ: Wenn ein Market Maker mehr Anteile liefern muss, als im Sekundärmarkt verfügbar sind, kann er mithilfe eines autorisierten Teilnehmers neue ETF-Anteile erschaffen. Der ETF bleibt dadurch handelbar und sein Preis eng am Nettoinventarwert ausgerichtet.
Der Sekundärmarkt: Wo Anleger tatsächlich handeln
Besonders für Anleger spielt der Sekundärmarkt eine zentrale Rolle. Hier werden ETF-Anteile wie Aktien an Börsen gehandelt. Nach Angaben der Deutschen Börse stellen Market Maker und sogenannte Designated Sponsors Kauf- und Verkaufskurse bereit und berechnen diese auf Basis der aktuellen Zusammensetzung des ETF.
Grundlage dafür sind die täglichen Portfolio Composition Files, in denen der Anbieter die genaue Gewichtung der enthaltenen Titel veröffentlicht. ETF Stream beschreibt Market Maker als Bindeglied zwischen beiden Märkten. Sie gleichen Angebot und Nachfrage aus und sorgen dafür, dass die Geld-Brief-Spanne, also der Spread, angemessen bleibt.
In turbulenten Phasen: NAV-Abweichungen, Spreads und die "Illusion der Liquidität"
Besonders in Stressphasen rückt die ETF-Struktur in den Fokus. ETF Stream berichtet, dass im März 2020 viele Anleihen-ETFs mit deutlichen Abschlägen auf ihren Nettoinventarwert gehandelt wurden, weil die Liquidität im Anleihemarkt versiegte. Diese Abweichungen sind jedoch Ausdruck der Marktrealität, keine Schwäche der ETF-Struktur.
Der Deutschen Börse zufolge können Market Maker auch in volatilen Phasen Kurse stellen, solange der zugrunde liegende Markt zumindest teilweise funktionsfähig bleibt. Fällt die Liquidität der Basiswerte komplett weg, können autorisierte Teilnehmer zeitweise nicht mehr am Primärmarkt agieren. Die ETFs bleiben dann aber weiterhin über den Sekundärmarkt handelbar, wenn auch zu breiteren Spreads. Im Vergleich zu klassischen Fonds, die in solchen Situationen Rücknahmen aussetzen müssen, bieten ETFs Anlegern damit ein höheres Mass an Flexibilität.
Redaktion finanzen.ch
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