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ETF-Kolumne 11.06.2025 10:30:00

Gold: Zeit der Krisenwährung

Gold: Zeit der Krisenwährung

Gold fasziniert die Menschheit seit Jahrtausenden - als Symbol für Reichtum, Sicherheit und Beständigkeit. In wirtschaftlich und politisch unruhigen Zeiten rückt das Edelmetall erneut in den Fokus von Investoren und Entscheidungsträgern.

Die offensichtliche Kluft zwischen dem geldpolitischen Kurs der Federal Reserve und dem Handeln des US-amerikanischen Präsidenten wird deutlich. Seit Wochen drischt der US-Präsident auf Jerome Powell ein. Trump fordert den Chef der US-Notenbank dazu auf, die Zinsen zu senken. Er bezeichnete den obersten Währungshüter der Staaten dabei als «Loser» oder «Mr. Zu Spät». Am 8. Mai legte der Republikaner nach. «Jerome Powell ist ein Dummkopf, der keine Ahnung hat», schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Damit reagierte er auf die tags zuvor getroffene Fed-Entscheidung, den Leitzins unverändert in der Spanne von 4.25% bis 4.50% zu belassen. Trotz des permanenten Drucks hat die US-Notenbank den Wunsch des Präsidenten nach einer geldpolitischen Lockerung nicht erfüllt. Vielmehr möchte der Offenmarktausschuss zunächst sehen, ob und wie sich der Handelskonflikt auf die grösste Volkswirtschaft der Welt auswirkt. «Wir sind in einer guten Position, um abzuwarten, und haben es nicht eilig», sagte Powell.

Zweifel am Privileg

Trumps permanente Zolldrohungen sorgen zusammen mit seinen Angriffen auf die Unabhängigkeit der Notenbank für ein hohes Mass an Verunsicherung. «Internationale Investoren beginnen damit, das "exorbitante Privileg" und den Safe-Haven-Status des US-Dollars zu hinterfragen», stellt J.P. Morgan fest. Bis dato würden sich ausländische Kapitalgeber darauf verlassen, dass ihre USD-Assets sicher sind und dass sie fair behandelt werden. Die Vereinigten Staaten konnten auf diese Weise ein immenses Handelsdefizit gegenfinanzieren und dank eines robusten Wirtschaftswachstums sämtlichen Verpflichtungen nachkommen. «Eine unabhängige Federal Reserve ist bereit, als Kreditgeber der letzten Instanz zu fungieren und die Liquidität und Stabilität der Märkte zu gewährleisten», ergänzen die Analysten der Grossbank. Sollte die internationale Investorengemeinschaft den skizzierten Status tatsächlich hinterfragen, würde sehr viel auf dem Spiel stehen. «In den letzten fünf Jahrzehnten haben ausländische Investoren kontinuierlich US-Finanzvermögen angehäuft», stellt J.P. Morgan fest.

Schwacher Dollar, starkes Gold

Laut Zahlen aus dem Fed kamen Ende 2024 knapp USD Bio. 57 zusammen - rund 200% des Bruttoinlandsprodukts der USA. Neben Direktinvestitionen besteht der Grossteil dieser Summe aus Unternehmens- und Staatsanleihen sowie Aktien. Allein seit der Jahrtausendwende haben die von internationalen Anlegern gehaltenen USD-Assets um mehr als den Faktor sieben zugenommen. Schon jetzt lastet der ramponierte Status der USA auf dem US-Dollar. Ende April ist der U.S. Dollar Index - dieser Gradmesser zeigt die Entwicklung des Greenbacks relativ zu Währungen wichtiger US-Handelspartner - auf ein Dreijahrestief gefallen. Praktisch zeitgleich kostete die Feinunze Gold zum ersten Mal USD 3'500. Zwar konnte die Krisenwährung dieses Spitzenniveau nicht halten, doch J.P. Morgan bleibt im Lager der Bullen. Die Analysten sehen das Edelmetall in einer strukturellen Aufwärtsbewegung. Diese würde vor allem von dem durch den Zollstreit verursachten Risiko einer Rezession und Stagflation getrieben. «Wir gehen davon aus, dass der Goldpreis bis zum vierten Quartal 2025 einen Durchschnittswert von USD 3'675 je Feinunze erreicht», schreibt die US-Bank. Im ersten Semester des kommenden Jahres könnte das Edelmetall die runde Marke von USD 4'000 ansteuern.

Eine gewagte Hypothese

Soweit die kurzfristige Prognose. Gerade hat J.P. Morgan an der Wall Street und darüber hinaus mit einer gewagten Hypothese für Aufsehen gesorgt. Das Commodity Research unterstellt darin, dass internationale Investoren ihre Dollarbestände in Richtung der Krisenwährung verschieben könnten. «Eine potenzielle Umschichtung von nur 0.5% des ausländischen US-Vermögens in Gold könnte eine jährliche Rendite von 18% erbringen und den Goldpreis bis Anfang 2029 in Richtung USD 6'000 treiben», schreiben die Analysten. Ein Argument ist die Tatsache, dass der Goldmarkt relativ klein ist. Insofern könnte eine zusätzliche Nachfrage die Notierung deutlich bewegen. J.P. Morgan erachtet das begrenzte Wachstum der Produktion als Basis für eine weitere Verteuerung des Edelmetalls.

Bergbaukonzerne im Fokus

«In den vergangenen zehn Jahren stagnierte das Angebot an neuen Minen mit einer jährlichen Wachstumsrate von etwa 1%», stellen die Experten fest. Sie machen keinen Hehl daraus, dass die Bergbauunternehmen neuerdings mehr Kapital in die Ausweitung der Kapazitäten stecken. Doch das ändert nichts daran, dass der Grossteil des verfügbaren Goldes bereits oberirdisch lagert. Das World Gold Council (WGC) taxiert die 2024 als Schmuck, Barren, Münzen oder in einer anderen Form vorhandene Menge auf mehr als 216'000 Tonnen. Mit rund 3'700 Tonnen bewegt sich der jährliche Goldabbau in Minen nur bei weniger als 2% dieser Menge. Weitere knapp 1'400 Tonnen kommen aus dem Recycling. Allerdings hat die Gold-Wiederaufbereitung trotz der Preisrallye zuletzt nachgegeben. So oder so wartet jede Menge Arbeit auf den Bergbausektor. Das gilt umso mehr, wenn der Run auf das wichtigste Edelmetall weiter zunimmt.

Über den Autor

Simon Przibylla

Simon Przibylla arbeitet seit 2010 in der Abteilung Public Solutions bei Leonteq. Während seiner Zeit hat Simon die Entwicklung im Bereich des öffentlichen Vertriebs massgeblich beeinflusst. Er begann seine Karriere bei UBS und Deutsche Bank. Simon hat ein Diplom in technischer Volkswirtschaftslehre des Karlsruher Institut für Technologie.


Bildquelle: Leonteq

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