| Managementwechsel |
27.02.2026 17:58:03
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Holcim-Aktie schlussendlich im Minus: Gewinneinbruch in 2025 - Erwartungen teils übertroffen
Der Baustoffkonzern Holcim hat im vergangenen Jahr Umsatz und Gewinn im fortgeführten Geschäft gesteigert.
Im operativen Geschäft sorgte der starke Franken im vergangenen Jahr erneut für Gegenwind. Die Aufwertung der Schweizer Währung kostete 810 Millionen Franken Umsatz. In der Folge sank dieser derweil um 2,9 Prozent auf 15,72 Milliarden Franken. Organisch, also aus eigener Kraft, sei der Umsatz um 2,9 Prozent gestiegen, teilte der drittgrösste Baukonzern der Welt am Freitag mit.
Der wiederkehrende Betriebsgewinn EBIT nahm um 1,4 Prozent auf 2,88 Milliarden Franken zu. Organisch wäre der wiederkehrende EBIT dagegen gar um 12,2 Prozent gestiegen. Damit habe Holcim das eigene Ziel übertroffen, sagte Konzernchef Miljan Gutovic an der Bilanzmedienkonferenz in Zürich.
Der Konzerngewinn im fortgeführten Geschäft kletterte auf 1,78 Milliarden Franken. Das ist ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Währungsverlust in Nigeria
In den Zahlen ist das im vergangenen Sommer abgespaltete Nordamerika-Geschäft nicht mehr enthalten, das als eigenständiges US-Unternehmen Amrize in New York an der Börse kotiert ist. Insofern sind die Vorjahreszahlen Pro-Forma-Resultate.
Zudem hat Holcim Geschäfte in Nigeria, Jordanien sowie im Irak verkauft. Der Ausstieg aus Nigeria führte zu einer buchhalterischen Belastung wegen der jahrelangen Abschwächung der nigerianischen Währung gegenüber dem Franken. Dieser Abschreiber, der beim Verkauf des Geschäfts nötig wurde, schlug mit 1,38 Milliarden aufs Ergebnis unter dem Strich.
Damit wies Holcim für 2025 nur noch einen Konzerngewinn von 387 Millionen aus, nach 1,46 Milliarden Franken im Vorjahr. Die Belastung sage nur etwas über die Entwicklung der nigerianischen Währung gegenüber dem Franken aus, sagte Finanzchef Steffen Kindler. "Das hat keinen Einfluss auf das operative Geschäft und die Cashgenerierung."
Europa im Aufschwung
Holcim hat seine Gewinnsteigerung im fortgeführten Geschäft praktisch vollumfänglich der Region Europa zu verdanken. Auf dem "Alten Kontinent" legte der wiederkehrende Betriebsgewinn EBIT um 5,7 Prozent auf 1,47 Milliarden Franken zu.
"Ich habe noch nie so viele Infrastrukturprojekte in der Schweiz gesehen", sagte Gutovic am Freitag am Rande der Bilanzmedienkonferenz im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.
Ausserdem hätte die Zahl der Baubewilligungen in Europa mit zweistelliger Prozentzahl angezogen. Sogar in Deutschland und Frankreich habe der Wohnungsbau zugelegt, nachdem er lange Zeit in der Krise gewesen sei. Daneben laufe das Geschäft in Osteuropa stark, sagte Gutovic.
Gewinnrückgang in Lateinamerika
Dagegen erlitt der Konzern in Lateinamerika einen Gewinntaucher. Der wiederkehrende EBIT brach um 10,5 Prozent auf 953 Millionen Franken ein. Hier schlug der starke Franken voll durch. In Lokalwährungen sei der Betriebsgewinn praktisch stabil geblieben, hiess es.
Holcim sei von Projektverzögerungen in Mexiko gebremst worden. Mittlerweile seien diese Projekte gestartet, darunter seien zwei Eisenbahnlinien. Zudem wolle die mexikanische Präsidentin Claudia Sheinbaum 1,8 Millionen Wohnungen bauen. Auch in Argentinien habe sich die Bremse gelöst.
Gleichzeitig expandiere man weiter im Baumarktgeschäft, wo Holcim zwei Baumarktketten übernommen hatte. In Lateinamerika soll die operative Lage nach dem Rückgang im vergangenen Jahr wieder besser werden, wie es weiter hiess.
Vom Ergebnis sollen die Aktionäre profitieren: Holcim will eine Dividende von 1,70 Franken je Aktie ausschütten.
Im laufenden Geschäftsjahr 2026 erwartet Holcim ein Umsatzwachstum von 3 bis 5 Prozent in lokaler Währung. Der wiederkehrende EBIT soll gleichzeitig um 8 bis 10 Prozent in lokaler Währung zulegen. Die entsprechende Marge soll weiter steigen.
Holcim mit Veränderungen in Geschäftsleitung
Holcim nimmt per 1. März mehrere personelle Veränderungen in seiner Geschäftsleitung vor. In verschiedenen Regionen kommt es zu Neubesetzungen.
Zentral- und Osteuropa-Chef Simon Kronenberg übernimmt neu die Leitung der Region Lateinamerika. Er folgt auf Oliver Osswald, der das Unternehmen nach mehr als 30 Jahren verlässt, wie Holcim am Freitag mitteilte.
Die Verantwortung für die Region Zentral- und Osteuropa geht an Xavier Guesnu. Er war bislang CEO von Holcim in Frankreich.
Zudem wird Dragan Maksimovic, bisher Regionalleiter Westeuropa, zum Gruppenleiter Gebäudesysteme ernannt. Seine Nachfolge in Westeuropa tritt Grant Earnshaw an, der aktuell Gebietsleiter Naher Osten und Afrika ist.
So reagiert die Holcim-Aktie
Die Papiere von Holcim zeigen sich volatil. Analysten überzeugte vor allem die gute operative Entwicklung des Unternehmens im Geschäftsjahr 2025. Der Gewinn wurde jedoch durch den Verkauf des Geschäfts in Nigeria belastet. Auch die Rahmenbedingungen sorgen für Unsicherheiten.
Schlussendlich verloren die Valoren 1,42 Prozent auf 70,88 Franken. Die Eröffnung war noch klar positiv, wenig später drehten die Papiere aber vorübergehnd ins Minus bevor sie wieder stiegen. Schon am Vortag waren Holcim wegen eines Berichts um den Emissionshandel in der EU um fast vier Prozent eingebrochen. Der Konzern hatte zuletzt stark in "grünen" Beton investiert.
Insgesamt befinden sich die Holcim-Aktien seit Anfang des Monats in einer Schwächephase. Nach dem starken Lauf seit der Abspaltung von Amrize wurden vermehrt Gewinne mitgenommen und auch regulatorische Anpassungen zum Emissionshandel in der EU hielten die Aktien etwas zurück. Aufgrund der Unsicherheiten beim Emissionshandel dürften die Papiere auch noch länger volatil bleiben, schreibt der zuständige Analyst von RBC. Die mag auch die erste Kursreaktion zu einem Teil erklären.
Die Entwicklung im frühen Handel spiegelt sich nicht in den ersten Kommentaren der Analysten wider. Diese zeigen sich einhellig positiv zu den Zahlen und den Aussichten. Holcim habe "starke Zahlen und eine überraschend zuversichtliche Guidance ausgegeben", schreibt etwa die UBS. Die Prognosen kamen dabei grösstenteils über den Erwartungen der Experten zu liegen und es gebe auch noch positives Überraschungspotenzial. Eine Anpassung der Konsens-Erwartungen sei aber noch nicht zu erwarten, heisst es etwa bei RBC.
Analysten sprechen auch von einer "guten" operativen Entwicklung von Holcim im vierten Quartal. Auch der überraschend hohe freie Cashflow von Holcim findet Anklang unter den Experten. Auch im Vergleich mit der Konkurrenz habe Holcim besser abgeschnitten. "Das Ergebnis überzeugt auch im Sektorvergleich", so der zuständige Analyst der ZKB.
jb/ra
Zug (awp)
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