SMI 12’199 -2.0%  SPI 15’600 -1.9%  Dow 34’899 -2.5%  DAX 15’257 -4.2%  Euro 1.0443 -0.4%  EStoxx50 4’090 -4.7%  Gold 1’793 0.2%  Bitcoin 49’922 -9.5%  Dollar 0.9233 -1.3%  Öl 72.9 -11.4% 
25.11.2021 08:30:21

Schroders: Schwellenländer - ein ereignisreiches Jahr

Schroders: Schwellenländer - ein ereignisreiches Jahr

Vera German
Fund Manager, Equity Value

Juan Torres Rodriguez
Fund Manager, Equity Value

Zwölf Monate an den Finanzmärkten gilt normalerweise nicht als lange Zeit. Als Value-Anleger ist unser Ansatz natürlich sehr langfristig ausgerichtet: Wir bevorzugen lange statistische Datenreihen und analysieren Märkte unter Berücksichtigung von mehr als 100 Jahren Finanzgeschichte.

Aber wie Lenin einmal sagte: "Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts passiert, und es gibt Wochen, in denen Jahrzehnte passieren." Man kann mit Sicherheit behaupten, dass in den vergangenen zwölf Monaten sehr viel geschehen ist.

Im Folgenden beschreiben wir drei Lektionen, die wir in diesem Jahr als Value-Anleger in den Schwellenländern gelernt haben.

1. Vom eigenen Ansatz überzeugt sein

Als Fondsmanager muss man an das glauben, was man tut und warum man es tut. Ein Zitat, das oft Alexander Hamilton, einem der Gründerväter der USA, zugeschrieben wird, lautet: "Wer für nichts steht, fällt auf alles herein." Wir wissen, wofür wir stehen. Unser Prozess wurde im Laufe der Jahre präzisiert und ist darauf ausgerichtet, die besten Anlagechancen in den unbeliebtesten Bereichen des Anlageuniversums zu identifizieren.

Unsere Disziplin und unsere Entschlossenheit wurden bei vielen Gelegenheiten auf die Probe gestellt. Vor einem Jahr hatten wir Schwierigkeiten, Anlageideen in Lateinamerika zu finden. Mexiko und Chile, deren Entwicklung am weitesten fortgeschritten ist, gehören zu den Bestandteilen des MSCI Emerging Markets (EM) Index. Die beiden Länder verfügen über robuste inländische Pensionsfonds, die als Käufer der letzten Instanz fungieren und eine Bewertungsuntergrenze bieten, was diese Märkte strukturell teuer macht. Brasilien, die andere grosse Komponente des lateinamerikanischen Universums, hatte sich sehr gut entwickelt und bot für Value-Anleger nur begrenzte Möglichkeiten.

Trotz aller Anstrengungen fanden wir nur drei lateinamerikanische Aktien, die unseren strengen Bewertungskriterien entsprachen; eine winzige Zahl, wenn man bedenkt, dass im MSCI EM Index 100 Aktien aus der Region enthalten sind. Das war für uns kein gutes Gefühl. Aber Kompromisse bei unserem Ansatz und unseren strengen Kriterien bei der Titelauswahl kamen für uns nicht in Frage.

Die Schwellenländer entwickeln sich jedoch ständig weiter, und das Blatt sollte sich in Chile und Brasilien schon bald wenden.

In Brasilien ordnete Präsident Bolsonaro die Absetzung des CEO von Petrobras, der staatlichen Ölgesellschaft, an und ersetzte ihn durch einen Mann aus dem Militär ohne Erfahrung im Management oder Öl- und Gasgeschäft.

Dies führte dazu, dass der brasilianische Aktienmarkt im Februar 2021 um rund 10 % nachgab, was zeigt, wie wichtig unsere frühere Bewertungsdisziplin war.

Ein Abverkauf birgt immer auch Chancen. Als mehr brasilianische Aktien die von uns verlangten Bewertungen aufwiesen, überprüften wir den Markt: Wir analysierten die Aktien, entwickelten Finanzmodelle und befolgten unseren Prozess Schritt für Schritt.

Doch selbst dann konnten wir uns mit dem Risiko-Ertrags-Profil dieser Titel nicht anfreunden. "Billiger" ist manchmal nicht billig genug. Wir haben hier jedoch sehr viel Vorarbeit geleistet. Sollten die brasilianischen Aktienkurse erneut nachgeben, können wir schnell handeln.

2. Politische Umwälzungen

Später im Jahr kam es in Chile zu einigen der bedeutendsten politischen Umwälzungen seit Jahrzehnten. Die Wahlen für die verfassunggebende Versammlung hatten ein von den Markterwartungen stark abweichendes Ergebnis: Plötzlich winkte die Aussicht auf eine umfassende Verfassungsänderung.

Chile ist ein Markt, den einige Indexanbieter als Industrieland und nicht als Schwellenland einstufen. Allerdings war niemand auf diese plötzliche Ungewissheit vorbereitet, sodass der lokale Index innerhalb weniger Tage um 12 % fiel.

Dadurch ergaben sich Chancen für uns. Während wir vor einem Jahr Mühe hatten, geeignete Anlagen ausfindig zu machen, identifizierten wir jetzt qualitativ hochwertige Unternehmen - unter anderem eine Bank, ein Getränkekonzern und ein Versorgungsunternehmen -, die unseren strengen Kriterien entsprachen.

3. Kein Allheilmittel

Bewertungsdisziplin ist kein Allheilmittel gegen Fehler, zum Beispiel, wenn es um staatliche Unternehmen (SOEs) geht. Die Frage, wie Staatsunternehmen zu behandeln sind, wird bei Investitionen in Schwellenländern oft diskutiert.

Viele Anleger sind der Ansicht, dass man in ein Unternehmen, wenn es sein Schicksal nicht selbst bestimmt, nicht mehr investieren kann. Leider erfuhren wir am eigenen Leib, was passiert, wenn dieses Risiko eintritt.

Die fragliche Aktie gehörte zum günstigsten Quintil des Schwellenländer-Universums. Die Bewertung machte einen überzeugenden Eindruck und das Unternehmen verfügte über eine sehr starke Bilanz mit reichlich Barmitteln - was den nötigen Schutz bietet, den wir verlangen, falls es für das Unternehmen schwierig wird. Allerdings befand sich das Unternehmen auch zu 73 % im Besitz des chinesischen Staats.

Wir wussten, dass es ein Risiko darstellte, den Staat als Mehrheitsaktionär zu haben. Wir waren jedoch der Ansicht, dass dieses Risiko am ehesten durch eine Fehlallokation von Kapital entstehen würde. Wir wurden daher von der Durchführungsverordnung von Präsident Trump im November 2020 völlig überrumpelt, die besagte, dass die Aktie auf der schwarzen Liste stand - und somit nicht von US-Anlegern gehalten werden kann.

Kurz gesagt, wir hatten das SOE-Risiko sehr eng interpretiert: unzureichende Geldverteilung. Wir hatten den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen - die "bekannte Unbekannte" der politischen Spannungen zwischen China und den USA, die Sanktionen gegen börsennotierte Unternehmen zufolge hatten.

Bedeutet das, dass wir von SEOs in Zukunft die Finger lassen? Wir glauben, dass ein undifferenzierter Schwarz-Weiss-Ansatz in diesem Fall - oder bei Schwellenländern im Allgemeinen - nicht hilfreich ist und die Gefahr besteht, dass eine komplexe Realität zu stark vereinfacht wird. Deep-Value-Anleger wie wir sollten in der Lage sein, die von Staatsunternehmen ausgehenden Risiken auszuhalten, sofern wir dafür entschädigt werden.

Darüber hinaus möchten wir nicht anhand eines einzigen Beispiels weitreichende Schlussfolgerungen für unser gesamtes Anlageuniversum ziehen.

Zurück zu unserer früheren Definition des SOE-Risikos als Unternehmen, die "keine Kontrolle über ihr eigenes Schicksal haben": Die vergangenen Monate erinnerten uns daran, dass man nicht im Besitz des Staates sein muss, um diesem Risiko ausgesetzt zu sein.

Wir sprechen natürlich über das Durchgreifen der Aufsichtsbehörden gegen Technologieunternehmen in China. Bei diesen Unternehmen handelt es sich durchweg um Privatunternehmen. Bis vor kurzem galten sie als unangreifbar - sie spielten eine entscheidende Rolle in Chinas "neuer Ökonomie", die sowohl bei ihren Akteuren als auch bei Investoren sehr beliebt ist. Es kam jedoch zu einer dramatischen Kehrtwende, als der Staat klar machte, dass er jederzeit eingreifen kann, ob die Unternehmen nun SEOs sind oder nicht.

Solche Unternehmen waren im Allgemeinen eher an den Märkten beliebt und stellten nicht die Deep-Value-Chancen dar, an denen wir interessiert sind. Dennoch glauben wir, dass die Situation zeigt, dass Themen wie der staatliche Einfluss in Schwellenländern sehr komplex sind, und eine differenziertere Sichtweise, anstatt eine grobe Unterteilung des Universums in SOEs und Privatunternehmen, gefragt ist.

Das vergangene Jahr war zweifelsohne ereignisreich. Die gelernten Lektionen dürften jedoch für die kommenden zwölf Monate und darüber wertvoll sein.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

Wichtige Informationen: Bei dieser Mitteilung handelt es sich um Marketingmaterial. Die Einschätzungen und Meinungen in diesem Dokument geben die Auffassung des Autors bzw. der Autoren auf dieser Seite wieder und stimmen nicht zwangsläufig mit Ansichten überein, die in anderen Veröffentlichungen, Strategien oder Fonds von Schroders zum Ausdruck kommen. Dieses Material dient ausschliesslich zu Informationszwecken und ist in keiner Hinsicht als Werbematerial gedacht. Das Dokument stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf eines Finanzinstruments dar. Es ist weder als Beratung in buchhalterischen, rechtlichen oder steuerlichen Fragen noch als Anlageempfehlung gedacht und sollte nicht für diese Zwecke genutzt werden. Die Ansichten und Informationen in diesem Dokument sollten nicht als Grundlage für einzelne Anlage- und/oder strategische Entscheidungen dienen. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für künftige Ergebnisse. Der Wert einer Anlage kann sowohl steigen als auch fallen und ist nicht garantiert. Alle Anlagen sind mit Risiken verbunden. Dazu gehört unter anderem der mögliche Verlust des investierten Kapitals. Die hierin aufgeführten Informationen gelten als zuverlässig. Schroders garantiert jedoch nicht deren Vollständigkeit oder Richtigkeit. Einige der hierin enthaltenen Informationen stammen aus externen Quellen, die von uns als zuverlässig erachtet werden. Für Fehler oder Meinungen Dritter wird keine Verantwortung übernommen. Darüber hinaus können sich diese Daten im Einklang mit den Marktbedingungen ändern. Dies schliesst jedoch keine Verpflichtung oder Haftung aus, die Schroders gegenüber seinen Kunden gemäss etwaig geltender aufsichtsrechtlicher Vorschriften wahrnimmt. Die aufgeführten Regionen/Sektoren dienen nur zur Veranschaulichung und stellen keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf dar. Die im vorliegenden Dokument geäusserten Meinungen enthalten einige Prognosen. Unseres Erachtens stützen sich unsere Erwartungen und Überzeugungen auf plausible Annahmen, die unserem derzeitigen Wissensstand entsprechen. Es gibt jedoch keine Garantie, dass sich etwaige Prognosen oder Meinungen als richtig erweisen. Diese Einschätzungen oder Meinungen können sich ändern. Herausgeber dieses Dokuments: Schroder Investment Management Limited, 1 London Wall Place, London EC2Y 5AU, Grossbritannien. Registriert in England unter der Nr. 1893220. Zugelassen und beaufsichtigt durch die Financial Conduct Authority.


Bildquelle: Schroders

Fondsfinder

Nachrichten

  • Nachrichten zu Fonds
  • Alle Nachrichten

finanzen.net News

Datum Titel
{{ARTIKEL.NEWS.HEAD.DATUM | date : "HH:mm" }}
{{ARTIKEL.NEWS.BODY.TITEL}}
pagehit