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23.12.2021 10:00:35

Schroders: Ausblick für 2022: Aktien Asien ohne Japan

Schroders: Ausblick für 2022: Aktien Asien ohne Japan

Robin Parbrook
Co-Leiter Asian Equity Alternative Investments

Toby Hudson
Leiter Asian ex-Japan Equity Research

  • Staatliche Einmischung schmälert chinesische Anlagechancen
  • Auf den ersten Blick erscheinen indische Aktienbewertungen hoch, aber zahlreiche geplante IPOs bieten neue Möglichkeiten
  • Der Finanzsektor, der von einer höheren Inflationsrate profitieren könnte, wird jedoch mit neuen Marktteilnehmern konfrontiert

Für Aktien aus Asien ohne Japan war 2021 ereignisreich. Chinesische Aktien hatten mit mehreren Gegenwinden gleichzeitig zu kämpfen. deren Auswirkungen wahrscheinlich auch 2022 noch spürbar sein dürften.

Eines der grössten Probleme 2021 war die Verschuldung des Bauträgers Evergrande. Wir glauben nicht, dass ein Ausfall des Unternehmens einen systemischen Zusammenbruch zufolge haben würde. Dennoch sind wir uns der Risiken durchaus bewusst.

Ein Konjunktureinbruch ist fast sicher. Strengere Vorschriften bei der Hypothekenbewilligung führen bereits zur Hinauszögerung von Bauvorhaben und Grundstückskäufen. Da das Immobiliengeschäft rückläufig ist, könnte sich dies auch auf Chinas gesamtwirtschaftliche Lage auswirken. Grund dafür ist die enge Korrelation zwischen Immobilien und Konsum.

Dies zu einem Zeitpunkt, zu dem bereits andere Schwächesignale beobachtet werden können, wie sinkende Einzelhandelsumsätze. Der Gegenwind für Chinas Konjunktur weht 2022 aus mehreren Richtungen, nämlich neue Virusinfektionen und ein Anstieg der Energiepreise.

Bei chinesischen Internetaktien herrscht weiterhin Ungewissheit

Was die chinesischen Aktien betrifft, so betrachten wir den hochkarätigen Internetsektor mit Vorsicht, vor allem im Hinblick auf die Underperformance von 2021.

Zunächst sind die neuen Vorschriften für den Sektor noch ungewiss. Sie sollen unlauteren Wettbewerb, Missbrauch der Verbraucherdaten und vieles mehr bekämpfen. Wir wissen nicht, wie sie umgesetzt werden, und diese Ungewissheit dürften die Aktienkurse unter Druck setzen.

Ausserdem wird es deutlich mehr Wettbewerb in den wichtigen Wachstumsbereichen der Geschäftstätigkeit von Internetfirmen geben. Die Bereiche sind unter anderem E-Commerce, Cloud sowie Content.

Und schliesslich werden die Beschränkungen im Hinblick auf Content sowie Vorschriften streng abgefasst sein. Plattformen müssen sich wahrscheinlich einer noch strengeren Eigenzensur unterwerfen. Ausländische Inhalte werden stark eingeschränkt und der lokale Informationsgehalt wird möglicherweise weniger ansprechend sein. Nutzungs- und Werbeeinnahmen könnten davon betroffen sein.

2022 wird für den chinesischen Internetsektor nach unserer Einschätzung insgesamt ein schwieriges Jahr sein. Das trifft insbesondere auf die Rentabilität zu, wenn die Auswirkungen von Wettbewerb und neuen Vorschriften spürbar werden. All dies geschieht zu einem Zeitpunkt, zu dem die konjunkturelle Entwicklung rückläufig ist und die Kosten steigen, wie Löhne und Versicherung.

Die Aktienkurse des Sektors sind bereits gefallen. Die erhöhte Unsicherheit bezüglich der Gewinnaussichten bedeutet, dass es nach wie vor schwierig ist, Wertpotenzial im Sektor zu identifizieren.

Weniger Anlagechancen in China

Bestimmte Wirtschaftssegmente der chinesischen Volkswirtschaft versprechen nach wie vor ein kräftiges Wachstum. Was uns beunruhigt, ist die zunehmende Bedeutung von Staatsbetrieben und der Staatsvorschriften in Chinas Schlüsselbranchen. Selbst wenn Branchen nicht von Staatsbetrieben dominiert werden, wie der Internetsektor, müssen sie eine grössere staatliche Einmischung im Geschäftsalltag akzeptieren.

Unserer Meinung nach "prescht der Staat voran, während sich der Privatsektor zurückzieht". Das heisst, dass die Renditeaussichten für Aktionäre in vielen Sektoren schwieriger geworden sind. Die Branchen und Aktien, an denen wir interessiert sind, haben sich verringert.

Aber auch die Märkte haben die veränderten Perspektiven schnell eingepreist. Die Bewertungen des breiteren chinesischen Marktes sind spürbar zurückgegangen. Weitaus geringere Wachstumsaussichten wurden eingepreist, weshalb die Abwärtsrisiken geringer sind als noch vor sechs Monaten.

In den vergangenen Jahrzehnten haben wir schon mehrmals einschneidende Kehrtwenden bei den Aussichten beobachtet. Jedes Mal gelang es dem chinesischen Markt, sich zu wenden und die Aufmerksamkeit konzentriert sich erneut auf die Bottom-up-Chancen in einem nach wie vor riesigen und diversifizierten Markt.

Indien: Anlagechancen, aber teuer

Indien profitiert in der Zwischenzeit anscheinend von den Konsequenzen des schwächeren chinesischen Markts. Eine kräftige inländische Erholung in den vergangenen Monaten unterstützt die Erholung der Unternehmensgewinne. Gleichzeitig gibt es an den lokalen Kapitalmärkten mehrere hochkarätige Börsengänge im Online-Bereich.

Dies verstärkte das überzeugende Aufwärtspotenzial in vielen Teilen der indischen Volkswirtschaft. Hinzu kommt ein regulatorisches Umfeld, das akkommodierender ist als in China.

Das längerfristige Potenzial vieler Sektoren in Indien schätzen wir auch künftig positiv ein. Durch den Infrastrukturausbau und die Digitalisierung sind die Aussichten der indischen Wirtschaft vielversprechender als in vielen asiatischen Schwellenländern.

Die ausgereizten Bewertungen Indiens sind allerdings ein Problem. Der gewaltige IPO- und Platzierungs-Rückstand des Landes dürfte jedoch Anlagemöglichkeiten eröffnen.

Und wie steht es ums restliche Asien?

China und Indien sind nicht die einzigen Länder in Asien. In Australien, Taiwan und Korea sind mit die besten asiatischen Unternehmen notiert. Wir verweisen auf international führende Unternehmen im Gesundheitswesen, der Halbleiter-, Batteriefertigung oder Nischenprodukte wie die Fahrradherstellung.

Der Ausblick für die koreanischen und taiwanesischen Märkte bleibt stark vom breiteren globalen IT-Zyklus abhängig. Innerhalb des Technologiesektors ist die Profitabilität zwar weiterhin sehr robust, die Märkte befürchten jedoch eine Abkühlung für 2022. Das ist teilweise der Einschätzung zuzuschreiben, dass ein Teil der erhöhten Nachfrage nach Produkten für das Homeoffice abnimmt, wenn Mitarbeitende wieder an den Arbeitsplatz zurückkehren. Dies könnte sich negativ auf die Aktienkurse auswirken.

Wir gehen eher von einer Abflachung als von einem starken Kursrückgang aus. Eine stärkere Nachfrage der Unternehmen, ein robuster Kaufzyklus für Smartphones und Autos könnten einen Grossteil der durch die Rückkehr zum Arbeitsplatz bedingten Kursabschwächung ausgleichen.

Was die ASEAN-Länder (Association of Southeast Asian Nations) angeht, bleiben wir in Bezug auf die Börsenaussichten relativ vorsichtig. Die aktuelle Zusammensetzung der ASEAN-Aktien ist angesichts der Disruptionen, denen etablierte Bank- und traditionelle Energieaktien durch Finanztechnologie und erneuerbare Energie ausgesetzt sind, nicht sehr attraktiv.

Neue Notierungen könnten dies ändern. Insgesamt ist es jedoch schwierig, sich momentan für ASEAN-Aktienmärkte zu begeistern, vor allem angesichts der hohen Bewertungen, zu denen bessere Unternehmen aufgrund ihrer Knappheit gehandelt werden.

Vorsicht bei der Titelauswahl

Die gesamte Marktbewertung ist 2021 zwar zurückgegangen, aber der grösste Teil der Kurskorrektur stammte aus China. Dort sind die Kurse nach unserem Ermessen aus gutem Grund gefallen. In anderen Marktbereichen kam es nur zu geringfügigen oder gar keinen Kurskorrekturen wie in Indien und ASEAN-Ländern.

Billige Bereiche des asiatischen Börsenmarkts im Hinblick auf die Bewertungskennzahlen sind Banken, Versicherungen oder Immobilien. Diese Sektoren profitieren gewöhnlich von einer höheren Teuerungsrate und Zinsen. Hier könnten sich die Renditen mittelfristig verbessern, sollte die Inflation nicht nur ein "vorübergehendes" Problem sein. Diese Industriezweige sind allerdings mit laufenden Strukturherausforderungen durch Fintech und E-Commerce in der Region konfrontiert. Daher sind wir nicht übermässig von ihnen überzeugt.

Angesichts der ungewissen Wachstums- und Inflationsaussichten der kommenden Quartale liegt der Schwerpunkt der Portfoliokonstruktion weiterhin auf einem hohen Mass an Diversifizierung.

Wir bevorzugen momentan asiatische Unternehmen, die in ihrem Bereich international führend sind. Dabei kann es sich um Firmen handeln, die in Geschäftsfeldern tätig sind, in denen der Markt aufgrund neuer Technologien wächst. Darüber hinaus sind wir an Unternehmen interessiert, die ihre Wettbewerbsvorteile nutzen, um Marktanteile zu gewinnen. Wir bevorzugen nach wie vor Technologien mit dem Schwerpunkt auf Halbleiter, Design-Dienste und Software.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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