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Experten-Kolumne 24.10.2016 10:12:40

Die Enteignung der Destinatäre - Gibt es eine Medizin?

Kolumne

Sparen lohnt sich nicht mehr. Insbesondere risikoarme Anlagen rentieren nicht, ja kosten eine "Aufbewahrungsgebühr", den Negativzins. Da dieser dem privaten Sparer nicht belastet wird, entsteht der Irrglaube, dass nur die "Institutionen" oder die "Reichen" belastet werden, eben die "Anderen".

Jedoch haben alle verstanden, dass etwas nicht richtig läuft und da es Verlierer gibt, muss es ja auch Gewinner geben. Diese werden jedoch kaum beim Namen genannt. Oft werden in der Vorsorge die heutigen Rentner als die Gewinner ausgemacht, da sie keine Verluste erleiden. Es wird nicht hinterfragt, warum sie reduzierte Renten erhalten sollten; schliesslich haben sie zumeist in Zeiten guter Renditen mit ihren Pensionskassen einen gültigen Vertrag, eben die Rente, abgeschlossen. 

Dass erhebliche Beträge aus der Vorsorge abgesaugt werden, da künstliche Niedrigzinsen verrechnet werden, wird in seinem Ausmass heute von der Bevölkerung kaum realisiert. Die Lücken in der Altersvorsorge werden erst langfristig sichtbar und somit wird Zeit gekauft. 

Letztendlich handelt es sich nicht um ein Problem der Vorsorge, sondern um eine riesige Umverteilung von den Sparern zu den Profiteuren der Niedrigzinsen. Dies sind die Staaten, Institutionen oder Firmen, die sich günstig am Kapitalmarkt finanzieren können. Insofern ist die Herkulesaufgabe nicht die etwaige Rettung der Vorsorge, sondern die Wiedereinführung von marktgerechten Zinsen und Risikoprämien. 

Die Renditelosigkeit wird zudem durch ansteigende Preise von Vermögenswerten verschleiert. Anstelle von Zinsen gibt es einen Preisanstieg der Zinspapiere. Die "Bubble", vor allem der Zinspapiere, ist für jedermann sichtbar und trotzdem werden derartige Papiere weiter gekauft. Man spricht vom Anlagenotstand ohne wirklich zu präzisieren, worin dieser besteht. 

Pensionskassen, die (immer noch) risikoarme Nominalwerte präferieren, gehören klar zu den Verlierern. 

Doch kann die Vorsorge nicht auch von dieser gigantischen Umverteilung profitieren?

Niedrige Zinsen begünstigen den Einsatz von Fremdkapital und ermöglichen interessante Eigenkapitalrenditen trotz hoher Preise. Dies birgt Risiken und deshalb muss für eine derartige Strategie die Qualität der Aktiva stimmen.  Ein Beispiel hierfür sind erstklassige Immobilien. Die hohe Beleihbarkeit erklärt deren Attraktivität auch im heutigen Preisumfeld, da weiterhin interessante Risikoprämien generiert werden. Dies ist auch für Pensionskassen möglich, die jedoch im direkten Einsatz von Krediten begrenzt sind. 

Im Bereich der Infrastruktur besteht eine ähnliche Situation. Auch hier existieren oftmals stabile und langfristige Cash-Flows. Es wird viel günstiges Fremdkapital eingesetzt und es ergeben sich ebenso Renditeopportunitäten.  Je stabiler das Geschäftsmodell, je mehr Fremdkapitaleinsatz ist möglich, was eine Risikoprämie auf den eingesetzten Hebel ergibt. 

Da es sich vielfach um nicht börsengehandeltes Eigenkapital handelt, werden zusätzlich Illiquiditätsprämien gezahlt, die den Ertrag weiter verbessern. Letztendlich existieren vielfach in derartigen Firmen nur geringe operative Risiken, jedoch hohe Finanzrisiken durch Fixkosten für Zinsen und Rückzahlungen der Kredite. Sofern kein Liquiditätsbedarf besteht und damit eine lange Haltedauer möglich ist, können Vorsorgeeinrichtungen von den niedrigen Zinsen im Zuge der Fremdfinanzierung profitieren. 

Was die Anlage in börsenkotierte Aktien anbelangt, so sind z. B. die Firmen interessant, die einerseits stabile Geschäftsmodelle aufweisen und andererseits nur zu einem geringen Grad fremdfinanziert sind. Sie können hohe Zahlungen an die Aktionäre leisten, wenn die Finanzierungskapazitäten ausgeschöpft werden. 

Die gleiche Logik führt dazu, Bankaktien zu meiden, da diese aufgrund der  heute nur geringen Zinsmarge und dem schon sehr hohen "Leverage" zu den Verlierern der aktuellen Geldpolitik gehören. 

Fazit ist, dass heute anders als zuvor angelegt werden muss, um noch signifikante Renditen zu erwirtschaften. Da der risikolose Zins negativ oder Null ist, kann nur durch das Eingehen von Risiken eine Rendite erwirtschaftet werden. Ein Weg ist es, Eigenkapital in soliden Unternehmen bzw. Aktiva mit stabilen Renditen zu erwerben, die zu einem hohen Anteil fremdfinanziert sind. Dies ist Neuland für Pensionskassen.

Olaf Meyer: Stiftungsratspräsident Profond Vorsorgeeinrichtung

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus.


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