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Werbung 16.02.2021 11:29:30

"Starke Wachstumsraten"

"Starke Wachstumsraten"

Das Thema Nachhaltigkeit wird im laufenden Jahr kräftig zulegen, davon ist der ETF-Experte Nima Pouyan von Invesco überzeugt. Doch was ist Nachhaltigkeit? Was sollten Anleger dazu wissen? Die Redaktion von BX Swiss TV klärt auf.

"Eine Säule des Wachstums am ETF-Markt im neuen Jahr ist das Thema Nachhaltigkeit". Die Einschätzung des Experten kann kaum deutlicher ausfallen. In einem Interview mit BX Swiss TV spricht Nima Pouyan von Invesco über die Perspektiven und Trends im laufenden Jahr. Dazu gehört seiner Einschätzung nach ganz klar das Thema Nachhaltigkeit. "Es ist der Bereich, in dem wir definitiv sehr starke Wachstumsraten sehen." Warum das so ist, liegt für Pouyan, der seit vielen Jahren das Geschehen rund um die börsengehandelten Indexfonds beobachtet und analysiert, auf der Hand. "Nachhaltigkeit ist nicht nur in aller Munde, sondern sie wird auch gelebt - sei es politisch, sei es über die Millennials, die mehr und mehr anfangen zu investieren, sei es über die Unternehmen, die nachhaltiger agieren wollen." Damit spricht der ETF-Experte eine Entwicklung an, die zu tiefgreifenden Veränderungen nicht nur am ETF-Markt, sondern am gesamten Kapitalmarkt führen wird. Geld wird zunehmend unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit angelegt. Nachhaltigkeit ist damit mehr als ein Trend, es ist eine Neujustierung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Verantwortung von Unternehmen

Doch was ist Nachhaltigkeit? Die Definition ist nicht einheitlich. Was die einen Investoren unter Nachhaltigkeit verstehen, wird von anderen als zu schwammig ablehnt, die Kriterien deutlich enger gefasst. Erschwert wird das Verständnis durch zahlreiche Begrifflichkeiten, die zum Teil synonym, zum Teil in Konkurrenz, gebraucht werden. Dabei ist der grundlegende Gedanke der Nachhaltigkeit, dass beim menschlichen Handeln soziale und ökologische Gesichtspunkte berücksichtigt werden, nicht neu. Bereits in den 1950er-Jahren schrieb der US-Ökonom Howard Bowen über die gesellschaftliche Verantwortung etwa von Unternehmen. In seinem 1953 erschienen grundlegenden Werk "Social responsibilities of the businessman" führt er dafür den Begriff Corporate Social Responsibilty, kurz CSR, ein.
Doch bis sich der Begriff wirklich durchsetzt, dauert es noch eine ganze Zeit. Erst zu Beginn der 2000er-Jahre greift etwa die Europäische Kommission das Thema auf. In einem Diskussionspapier mit dem Titel "Promoting a European Framework für Corporate Social Responsibility" wird CSR als System definiert, "das den Unternehmen als Grundlage dient, auf freiwilliger Basis soziale Belange und Umweltbelange in ihre Unternehmenstätigkeit und in die Wechselbeziehungen mit den Stakeholdern zu integrieren". Später wird diese Definition von der Kommission deutlich strenger gefasst und den Unternehmen nahegelegt, unbedingt auf die Auswirkungen ihres Handelns auf Gesellschaft und Umwelt zu achten. 2017 wird schliesslich für bestimmte Branchen (unter anderem Banken, Versicherungen und Fondsgesellschaften) und Unternehmen ab einer bestimmten Mitarbeiterzahl und Umsatzhöhe sogar eine regelmässige CSR-Berichtspflicht eingeführt.
An der Berichtspflicht auf Ebene der Europäischen Union (EU) orientiert sich auch eine Gesetzesinitiative in der Schweiz. Nach der Ablehnung einer Volksinitiative im zurückliegenden Jahr trat ein Gegenvorschlag in Kraft. Dieser sieht unter anderem eine Rechenschaftspflicht für Unternehmen über Menschenrechte und Umwelt vor, die stark an die CSR-Berichtspflicht in der EU erinnert.

Massstab für nachhaltiges Handeln

Auch auf globaler Ebene hat sich in den zurückliegenden Jahren in Sachen Nachhaltigkeit einiges getan. Ein Meilenstein ist die "Agenda 2030", die im September 2015 von den Vereinten Nationen (UN) verabschiedet wurde. Die Agenda definiert 17 Nachhaltigkeitsziele, die Sustainable Development Goals, kurz SDGs. Sie sollen dazu beitragen, die Situation aller Menschen bis zum Jahr 2030 spürbar und messbar zu verbessern. An oberster Stelle stehen dabei die Bekämpfung von Armut, Hunger und Krankheit, aber auch Geschlechtergleichheit und der faire Zugang zu hochwertiger Bildung werden berücksichtigt.
Die SGDs haben sich seit Einführung als Massstab für nachhaltiges Handeln etabliert, auch in der Unternehmenswelt. Die Ziele finden sich unter anderem in den zehn Prinzipien des UN Global Compact wieder, einer freiwilligen Selbstverpflichtung, der derzeit rund 15.000 Unternehmen weltweit unterschrieben haben.

Die zehn Prinzipien des UN Global Compact für Unternehmen

1. Unternehmen sollen den Schutz der internationalen Menschenrechte unterstützen und achten.
2. Unternehmen sollen sicherstellen, dass sie sich nicht an Menschenrechtsverletzungen mitschuldig machen.
3. Unternehmen sollen die Vereinigungsfreiheit und die wirksame Anerkennung des Rechts auf Kollektivverhandlungen wahren.
4. Unternehmen sollen für die Beseitigung aller Formen von Zwangsarbeit eintreten.
5. Unternehmen sollen für die Abschaffung von Kinderarbeit eintreten.
6.Unternehmen sollen für die Beseitigung von Diskriminierung bei Anstellung und Erwerbstätigkeit eintreten.
7. Unternehmen sollen im Umgang mit Umweltproblemen dem Vorsorgeprinzip folgen.
8. Unternehmen sollen Initiativen ergreifen, um grösseres Umweltbewusstsein zu fördern.
9. Unternehmen sollen die Entwicklung und Verbreitung umweltfreundlicher Technologien beschleunigen.
10. Unternehmen sollen gegen alle Arten der Korruption eintreten, einschliesslich Erpressung und Bestechung.
Quelle: Vereinten Nationen (UN); Stand: 2020

Integraler Bestandteil

Parallel zur Entwicklung des Nachhaltigkeitsbegriffs in der Unternehmenswelt hat man sich auch auf Investorenseite über diese Thematik Gedanken gemacht. War man anfänglich noch der Meinung, dass Nachhaltigkeit bei der Bewertung von Unternehmen so eine Art Pluspunkt ist, wird CSR heute mehr und mehr als integraler Bestandteil eines erfolgreichen Unternehmens verstanden.
Damit ist CSR am Kapitalmarkt angekommen. Institutionelle Anleger wie Lebensversicherer und Pensionsfonds investieren vermehrt Geld in Unternehmen, die CSR-Strategien veröffentlichen. Unternehmen, die das nicht machen, fallen zunehmend durch das Raster der Profis. Rund 3.000 Investoren, Vermögensverwalter, Pensionskassen und Versicherungen haben bislang eine von der UN unterstützte Initiative unterschrieben, die zum Ziel hat, Kapital unter Berücksichtigung der 17 Sustainable Development Goals anzulegen. Zentraler Bestandteil der Verpflichtungen ist der Begriff ESG. Das Kürzel steht für Environment, Social and Governance - auf Deutsch Umwelt, Soziales und Unternehmensführung - und meint eine umfassende Bewertung und Berücksichtigung aller Aktivitäten von Unternehmen, die direkt oder indirekt Rückschlüsse auf das soziale und natürliche Umfeld zur Folge haben.

ESG ist das Thema

Damit schliesst sich der Kreis. Das Thema Nachhaltigkeit verändert nicht nur die Unternehmenswelt, auch Anleger achten verstärkt auf das sozial- und umweltverträgliche Handeln der Konzerne. Wie das im Einzelfall aussieht, da gibt es viele Unterscheidungen und Herangehensweisen. Doch sie alle stimmen in der Feststellung überein, dass neben finanziellen Faktoren wie Umsatz und Gewinn auch nicht-finanzielle Faktoren für den Erfolg eines Unternehmens entscheidend sind. Waren anfänglich Skeptiker noch der Meinung, dass ESG-Faktoren die Gewinne eines Unternehmens eher belasten könnten, gilt heute das Gegenteil als belegt. Forciert und flankiert wird diese Entwicklung seitens der Politik. War die Berücksichtigung von ESG-Faktoren für professionelle Investoren lange Zeit freiwillig, wird die Selbstverpflichtung im laufenden Jahr etwa in der EU gesetzliche Grundlage. Künftig muss jede Kapitalverwaltungsgesellschaft umfassende Informationen zum Thema ESG veröffentlichen.
Eine entsprechende Offenlegungspflicht gibt es in der Schweiz noch nicht. Doch auch hierzulande veröffentlichen mehr und mehr Unternehmen, darunter auch viele Finanzinstitute, nach bestimmten international anerkannten Standards Nachhaltigkeitsinformationen. Damit gilt auch für den Schweizer Kapitalmarkt das, was Nima Pouyan von Invesco noch einmal zum Schluss seines Gesprächs mit BX Swiss TV prägnant zusammenfasst: "ESG ist das Thema".


Bildquelle: Romolo Tavani / Shutterstock,Romolo Tavani / Shutterstock

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