Domino-Effekt vermeiden 23.11.2022 21:37:00

Nach FTX-Pleite: Binance plant Rettungsfonds für angeschlagene Kryptofirmen

Nach FTX-Pleite: Binance plant Rettungsfonds für angeschlagene Kryptofirmen

Binance-Chef Changpeng Zhao gibt einmal mehr den Ritter in strahlender Rüstung. Nachdem der CEO der weltgrössten Kryptobörse zunächst den Konkurrenten FTX.com durch eine Übernahme retten wollte, dann jedoch einen Rückzieher gemacht hat, plant er nun einen "Industry Recovery Fonds", um anderen Kryptounternehmen zu helfen, die durch die FTX-Pleite in Bedrängnis geraten sind.

• Binance-Chef plant Branchenerholungsfonds
• Krypto-Projekte sollen unterstützt werden, die durch FTX-Pleite straucheln, ansonsten aber stark sind
• Reaktionen aus Krypto-Sektor fallen gemischt aus

Die Kryptobörse FTX.com rund um Tech-Unternehmer Sam Bankman-Fried reichte am 11. November einen Insolvenzantrag ein, nachdem Binance einen geplanten Rettungsversuch in Form einer Teil-Übernahme abgeblasen hatte. Die Schwierigkeiten von FTX würden die Fähigkeiten von Binance zu helfen übersteigen, hiess es als Begründung. In der Folge ging jedoch nicht nur FTX pleite, auch andere Kryptofirmen gerieten in Bedrängnis - ganz ähnlich wie nach dem Zusammenbruch von Terra/LUNA im Sommer. Doch erneut bietet sich Binance-CEO Changpeng Zhao als Retter in der Not an. Dieses mal will er gleich einen ganzen Rettungsfonds für strauchelnde Krypto-Unternehmen auflegen.

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Rettungsfonds angekündigt, Details noch unklar

Zunächst kündigte Zhao sein Vorhaben bei Twitter an. "Um weitere negative Kaskadeneffekte von FTX zu reduzieren, bildet Binance einen Industry Recovery Fund, um Projekten zu helfen, die ansonsten stark sind, sich aber in einer Liquiditätskrise befinden", schrieb er dort und ergänzte, dass auch andere Branchenakteure mit Geld willkommen seien, wenn sie helfen wollten.

Auf einer Konferenz in Abu Dhabi verkündete der Binance-CEO laut "Reuters" dann wenige Tage später, dass es aus der Krypto-Industrie ein grosses Interesse an dem "Branchenerholungsfonds" gebe. "Es gibt Spieler mit starken Finanzen, und wir sollten uns zusammenschliessen; uns wurde bisher ein erhebliches Interesse entgegengebracht", so Zhao laut der Nachrichtenagentur. Welche Börsen oder Institutionen Interesse bekundet haben, den Fonds zu unterstützen, verriet er jedoch nicht. Auf Twitter signalisierten jedoch das Krypto-Projekt TRON sowie die Kryptobörsen Huobi Global und Poloniex Interesse daran, die Pläne von Binance zu unterstützen. Wie "Block-Builders" schreibt, habe sich zudem auch Simon Dixon, CEO bei der Krypto-Investmentplattform BnkToTheFuture, bereit gezeigt, Geld beizusteuern. Das geplante Volumen des Fonds und der Anteil, den Binance beisteuern wird, sind indes noch unbekannt. Allerdings habe Binance "gesunde Reserven", so Zhao laut "Reuters". Bis Ende November sollen laut "Reuters" mehr Informationen zum Fonds geliefert werden.

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Zhao: Es können nicht alle Projekte gerettet werden

Kryptounternehmen, die die Hilfe des Fonds in Anspruch nehmen wollen, können sich jedoch bereits bei Binance Labs melden, wie der Ankündigung auf Twitter zu entnehmen ist. Für Hilfen qualifizieren sich laut Zhao aber nur solche Projekte, die nach dem FTX-Kollaps mit Liquiditätsproblemen zu kämpfen haben, ansonsten aber stark sind - und von solch guten Projekten werde es wohl eine Menge geben. "Sie haben nicht wirklich viel falsch gemacht... Wir wollen helfen, dass diese Projekte überleben", sagte der Binance-CEO laut "Investing.com". Die Bewertungen der meisten dieser Unternehmen seien dabei viel vernünftiger als noch vor einem Jahr.

Gegenüber "CNBC" bekräftigte Zhao zwar, dass er einen durch die FTX-Pleite ausgelösten Dominoeffekt in der Kryptobranche verhindern wolle, machte zugleich aber klar, dass er auch nicht alle Unternehmen retten könne. "Wir möchten, dass die starken Akteure der Branche heute die guten Akteure der Branche schützen, die möglicherweise nur kurzfristig verletzt werden", sagte Changpeng Zhao im Interview mit dem US-Sender. "Das heisst aber nicht, dass wir alle retten können. Wenn ein Projekt an mehreren Fronten schlecht verwaltet wird, können wir ihnen sowieso nicht helfen."

Unterschiedliche Ansichten zu Verfassung des Kryptosektors

Von einigen Investoren kommt jedoch auch Kritik an den Plänen des Binance-Chefs. So wird laut "Block-Builders" angezweifelt, dass es momentan überhaupt möglich sei, gesunde Krypto-Projekte von solchen zu unterscheiden, die ein Schneeballsystem sein könnten. "[Warte] bis du herausfindest, dass sie ansonsten nicht stark sind", twitterte etwa der bekannte Krypto-Influencer Richard Heart als Antwort auf die Pläne von Zhao.

Changpeng Zhao glaubt jedoch langfristig weiter an das Potenzial des Kryptosektors. "Krypto verschwindet nicht. Wir sind immer noch hier. Lasst uns den Wiederaufbau angehen", schrieb er bei Twitter, und im Gespräch mit "CNBC" sagte der Binance-CEO, dass es zwar kurzfristig viele Schmerzen gebe, seine Bemühungen aber langfristig dafür sorgen würden, dass die Branche gesünder werde. "Krypto muss nicht gerettet werden. Krypto wird es gut gehen", gab sich Zhao laut "Reuters" bei der Konferenz in Abu Dhabi zuversichtlich.

Redaktion finanzen.ch


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