| Säuglingsmilch |
30.01.2026 15:07:37
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Nestlé-Aktie etwas höher: Bereits Ende November wurde Cereulid in Fabrik nachgewiesen
Der Nahrungsmittelriese Nestlé hat bereits Ende November in einer Fabrik für Säuglingsmilch in den Niederlanden das zuletzt vieldiskutierte Toxin Cereulid in Babynahrung nachgewiesen, das Erbrechen und Durchfall auslösen kann.
"Ende November 2025 haben wir im Rahmen routinemässiger Kontrollen nach der Installation neuer Anlagen an einer Produktionslinie in unserer Fabrik in den Niederlanden sehr geringe Mengen Cereulid in Produktproben festgestellt", erklärte der Westschweizer Konzern in einer Chronologie der Ereignisse, die in der Nacht auf Freitag publiziert wurde. Die Produktion an der betroffenen Linie wurde danach gestoppt. Am 10. Dezember informierte Nestlé die niederländischen Behörden sowie 16 potenziell betroffene Ländermärkte und die EU-Kommission.
Im Verlauf der weiteren Untersuchung erkannte Nestlé, dass die Verunreinigung nicht von der Produktionsanlage in den Niederlanden herrührte, sondern auf ein von einem Dritten bezogenes Öl zurückging. Dieses Öl hatte Nestlé in der Schweiz verarbeitet und als Mixtur in seine Werke weltweit verteilt. Laut Nestlé haben die ersten Analyseergebnisse aus eigenen Laboren am 23. Dezember bestätigt, dass die gelieferte Öl-Mischung die Kontaminationsquelle war. Nestlé konnte die Kontamination auf Öl-Lieferungen im Jahr 2025 eingrenzen. Lieferungen aus früheren Jahren waren gemäss Tests offenbar nicht betroffen.
Bestätigt wurde diese Information am 29. Dezember. Damit war klar, dass es sich nicht um ein Problem nur von Nestlé sondern der ganzen Industrie handelte, die mit dem entsprechenden Zulieferer zusammenarbeitete. Daraufhin informierte Nestlé den Lieferanten, die Behörden und die Branche. Ab dem 2. Januar informierte Nestlé die Behörden in gegen 60 Ländern und es kam nach und nach zu öffentlichen Rückrufen der betroffenen Chargen von Säuglingsnahrung.
Andere Babynahrungshersteller wie der französische Konzern Danone oder die Schweizer Nahrungsmittelherstellerin Hochdorf riefen ebenfalls bestimmte Produkte zurück, weil sie mit demselben Zulieferer zusammengearbeitet haben. Gewisse Rückrufe erfolgten allerdings teils erst zwei bis drei Wochen später. Die Gründe hierfür sind unklar.
Die französische Zeitung "Le Monde" widerspricht der Darstellung von Nestlé. Der vom Unternehmen genannte Zeitplan stimme nicht, behauptete die Zeitung am Freitag. Laut einer "hochrangigen Quelle" sei das mit Arachidonsäure angereicherte Öl Nestlé bereits am 10. Dezember als Quelle für die Verunreinigung bekannt gewesen, was sogleich den Behörden gemeldet worden sei.
Nestlé fordert nach Cereulid-Skandal allgemeinen Grenzwert
Der Lebensmittelkonzern Nestlé hat sich nach dem Branchenskandal um verunreinigte Babynahrung für die Einführung verbindlicher Grenzwerte für das Bakteriengift Cereulid in Säuglingsnahrung ausgesprochen. "Wir befürworten sehr einen harmonisierten regulatorischen Standard", sagte Ludovica Verzegnassi, Leiterin Regulatory and Scientific Affairs bei Nestlé, vor Medienschaffenden am Freitag in Zürich.
"Einheitliche Grenzwerte helfen der Industrie und schützen vor allem die Konsumenten", sagte Verzegnassi weiter. Derzeit gibt es keinen allgemein anerkannten sicheren Grenzwert für Cereulid in Säuglingsnahrung. Entsprechend werde Babynahrung nicht systematisch auf das Vorhandensein des Toxins getestet.
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hatte kürzlich mitgeteilt, dass sie von der Europäischen Kommission beauftragt worden sei, eine wissenschaftliche Empfehlung für einen Grenzwert auszuarbeiten, ab der Säuglingsprodukte zurückgerufen werden sollten. Ihre Stellungnahme will sie in der kommenden Woche vorlegen. Hersteller von Säuglingsanfangsnahrung in Europa müssten dann entsprechende Tests durchführen und bei Überschreiten solcher Werte Massnahmen ergreifen.
Nestlé orientiert sich derzeit an der bestehenden EFSA-Empfehlung, wonach in den Produkten des Konzerns kein nachweisbarer Gehalt an Cereulid vorhanden sein sollte.
Systematische Tests eingeführt
Nach Berichten über verunreinigte Babynahrungsprodukte hatte das Unternehmen laut eigenen Angaben umgehend reagiert, die Ursachen untersucht, betroffene Produkte gesperrt sowie den Lieferanten und die zuständigen Branchenverbände informiert. In der Folge führte Nestlé in den rund 60 betroffenen Ländern in Abstimmung mit den lokalen Behörden Rückrufe durch.
Inzwischen führte der Konzern systematische Tests sowohl der von Drittanbietern gelieferten Arachidonsäure-Öle als auch der Endprodukte ein, wie Verzegnassi weiter erklärte.
Das Auftreten von Cereulid in Ölen sei sehr selten, sagte Verzegnassi. Dazu gebe es praktisch keine wissenschaftlichen Studien. Nestlé und andere Nahrungsmittelfirmen verwendet für Babynahrung mit Arachidonsäure angereichertes Öl. Arachidonsäure wird Säuglingsnahrung zugesetzt, weil sie natürlicherweise in Muttermilch vorkommt und wichtig für die Entwicklung von Gehirn, Augen und Immunsystem ist.
Das bakterielle Toxin Cereulid kann für Säuglinge besonders gefährlich sein. Es handelt sich um ein hitzestabiles Gift, das kurz nach der Aufnahme Erbrechen und Durchfall auslösen kann. Die Gefahr liege vor allem darin, dass gängige Erhitzungsverfahren in der Lebensmittelproduktion das Toxin nicht zuverlässig zerstören.
Im SIX-Handel notiert die Nestlé-Aktie zeitweise 0,65 Prozent höher bei 73,96 Franken.ra/to
Vevey (awp)
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