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Legalisierung voraus 29.10.2020 22:57:00

Nach langjährigen Rückschlägen: So könnten die US-Wahlen die Cannabis-Branche antreiben

Nach langjährigen Rückschlägen: So könnten die US-Wahlen die Cannabis-Branche antreiben

• Pandemie bescherte Hanffirmen Umsatzsteigerungen
• Legalisierung lässt schon lange auf sich warten
• US-Wahlen könnten Durchbruch bringen

Die Marihuana-Branche, darunter Firmen wie Aurora Cannabis, Canopy Growth & Co., litt immer wieder bezüglich geplatzter Legalisierungshoffnungen. Während in Kanada die Gesetze gelockert wurden, besteht in den USA weiterhin ein grober Flickenteppich im Hinblick auf die legale Nutzung von Cannabis. Dabei setzen zahlreiche Branchenvertreter auf den potenziellen US-Markt und haben sich dort bereits positioniert. Bisher jedoch ohne den erhofften Durchbruch. Wie sich die Branche durch die Corona-Krise geändert hat und welchen Einfluss die nahenden Präsidentschaftswahlen in den USA haben könnten.

Zwischen Legalisierung und Cannabis-Initiativen

Die Regelungen zum Gebrauch von Marihuana sind in den US-Bundesstaaten nicht einheitlich. In drei Staaten ist Cannabis weiterhin illegal. In elf Staaten, darunter Alaska, Kalifornien, Michigan und Illinois, ist der Besitz von Marihuana legal. In den restlichen US-Staaten ist der Verkauf für medizinische Zwecke erlaubt - doch auch hier gibt es teilweise zusätzlich Regelungen, die etwa den THC-Gehalt beschränken.

Wie CNBC berichtet, keimte bereits bei den Zwischenwahlen 2018 Hoffnung auf - die Gesetzgeber dreier Staaten hätten sich zwar schon auf einer Linie in Richtung einer Einigung bewegt, im vergangenen Jahr reichten die Pro-Stimmen jedoch nicht aus. Durch die Pandemie wurden die Legalisierungsvorhaben dann sogar zunächst auf Eis gelegt. Dabei gilt die Legalisierung als wichtige Etappe für die Cannabisindustrie. Besonders hinsichtlich potenzieller Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen könnte eine flächendeckende Legalisierung vorteilhaft sein. Laut CNBC wird erwartet, dass New Jersey eine Gesetzesinitiative zur Legalisierung von Marihuana für Erwachsene verabschiedet. Die Prognosen: Im ersten Jahr könnten Verkäufe in Höhe von 400 Millionen US-Dollar generiert werden.

Coronapandemie kurbelt Cannabisverkäufe an

Dabei kurbelte bereits die Corona-Pandemie die Umsätze der Cannabisverkäufer an. Gegenüber 12,1 Milliarden US-Dollar Umsatz im vergangenen Jahr, sollen in diesem Jahr voraussichtlich 15,8 Milliarden US-Dollar verzeichnet werden, beruft sich CNBC auf Daten von Arcview Market Research/BDSA. Dabei geraten vor allem die Staaten in den Fokus, in denen sogenanntes Freizeitmarihuana - also die Nutzung für volljährige Personen - erlaubt ist. So vermeldete der US-Bundesstaat Illinois den fünften Monat in Folge rekordverdächtige Verkaufszahlen. Auch in Oregon zogen die Verkäufe seit Pandemiebeginn um 30 Prozent an, berichtet CNBC. "Insgesamt geht es der Branche recht gut", zitiert der US-Sender Chris Walsh, CEO von Marijuana Business Daily. "Einige Unternehmen hatten Probleme, aber im Allgemeinen haben wir keine überwältigende Anzahl von Entlassungen oder Unternehmen, die ihre Geschäftstätigkeit aufgeben, erlebt."

US-Wahlen: Bundeslegalisierung von Marihuana in den USA?

Auf Bundeseben ist Marihuana weiterhin illegal und wird auf der Liste I der Drogenklassifizierung geführt. Doch je nach Wahlausgang könnte eine bundesweite Legalisierung wahrscheinlicher als jemals zuvor werden, heisst es bei CNBC. Zwar haben beide Präsidentschaftskandidaten eine nicht vollständig geradlinige Position zu Cannabis, jedoch soll bei einem demokratischen Wahlsieg mit Joe Biden grüne Hoffnung aufkeimen. Während seiner Amtszeit als Obamas Vizepräsident befürwortete er gemeinsam mit Amtskollegin Kamala Harris die Entkriminalisierung von Marihuana für Erwachsene und eine Umstrukturierung. Im vergangenen Jahr dann war Senatorin Harris Teil der Co-Sponsoren des Marihuana Opportunity Reinvestment and Expungement (MORE) Act, durch den Cannabis aus dem Betäubungsmittelgesetz herausnehmen und strafrechtliche Sanktionen nach Bundesrecht abschaffen sollte. Die Abstimmung zu dem Gesetzesentwurf wurde vermutlich auf nächstes Jahr verschoben, verlautet CNBC.

Steuern, Arbeitsplätze und Gerechtigkeit - pro Cannabis

Die Entkriminalisierung und Legalisierung würde in zahlreichen Punkten Vorteile mitbringen. Nicht nur eine weitere Quelle für Steuereinnahmen würde geschaffen, sondern auch Arbeitsplätze. Bereits jetzt seien 244.000 Menschen im Zusammenhang mit legalem Cannabis beschäftigt, zeigte Anfang des Jahres ein Bericht von Leafly. "Aber mit den neuen Bundesstaaten, die hinzukommen, und der [möglichen] Legalisierung auf Bundesebene könnte dies zu Dutzenden von Millionen von Arbeitsplätzen führen", erklärte Aaron Smith, Geschäftsführer der National Cannabis Industry Association in Washington, gegenüber CNBC.

Als weiteres Argument führt CNBC aber auch als Argument die Reform rund um soziale Gerechtigkeit an. "Der Krieg gegen Drogen hat in der Vergangenheit und wird auch weiterhin unverhältnismässig stark auf farbige Gemeinschaften abzielen", sagte David Abernathy, Vizepräsident für Forschung und Beratung bei der Arcview Group. Dabei hat die Branche viel zu bieten - allen voran Geschäftsmöglichkeiten, wovon auch Minderheiten Chancen beziehen können sollen. "Es ist schwieriger für farbige Gemeinschaften, sich an der Industrie zu beteiligen, da sie besser kapitalisiert wird und Leute aus anderen Industrien mit ihren Verbindungen in die Industrie einsteigen", gibt der US-Sender Abernathy wieder.

Wachstumstrend in der Cannabisbranche

Nicht nur das Coronavirus, welches eine Stay-at-Home-Mentalität hervorrief, zeigte das Wachstumspotenzial auf. Investoren nutzten die Phase, um in den volatilen Markt einzusteigen. Doch damit nicht genug: Auch die im nächsten Jahr erwarteten Legalisierungsinitiativen sollen diesen Trend fortsetzen. Diesen optimistischen Ausblick bot zumindest Abernathy im Gespräch mit CNBC.

Beispiele wie etwa Tilray, Cronos und Aurora Cannabis zeigen auf, dass eine zunehmende Raffinesse innerhalb der Branche diesen Trend begünstigt. Spezialisierungen auf den Pharmabereich, Essenswaren oder CBD-Produkte zeigen das vielfältige Potenzial auf, dass die Branche birgt. Im Falle einer flächendeckenden Legalisierung sei es demnach wahrscheinlich, dass sich der klassische Markt mit seinen traditionellen Akteuren den Marihuana-Startups öffnet, erste kleine Schritte in diese Richtung gab es bereits.

Zusammenfassend muss erkannt werden, dass die Branche viele wirtschaftliche Anreize bietet. Gerade in der durch Corona gebeutelten Wirtschaftslage, könnte sich eine veränderte Perspektive auf das noch teilweise illegale Kraut lohnen. Die bereits initiierten Entkriminalisierungstendenzen und Legalisierungsinitiativen bieten somit grosse Chancen für die Branche. Ob Joe Biden im Falle eines Wahlsieges diesem Wunsch nachkommt, wird sich noch zeigen.

Redaktion finanzen.ch

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