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Bitcoin oder Gold? 07.05.2026 22:22:00

Sicherer Hafen oder digitaler Turbo: Wer gewinnt das Rennen um den Inflationsschutz?

Sicherer Hafen oder digitaler Turbo: Wer gewinnt das Rennen um den Inflationsschutz?

Eine Analyse sieht Bitcoin derzeit unterbewertet im Vergleich zu Gold. Für Anleger rückt damit die Frage in den Fokus, was das für die Gewichtung im Portfolio bedeuten könnte.

• Bitcoin laut Modell rund 26 Prozent günstiger bewertet als Gold
• Unterschiedliche Reaktionen auf Zinsen, Inflation und Marktrisiken entscheidend
• Drei Szenarien zeigen: Entwicklung hängt stark vom makroökonomischen Umfeld ab

In der Welt der Sachwerte stehen sich oft zwei Giganten gegenüber: das jahrtausendealte Gold und sein digitaler Herausforderer Bitcoin. Beide werden von Investoren geschätzt, wenn es darum geht, Vermögen vor Inflation, Zinsschwankungen oder der Entwertung des US-Dollars zu schützen. Doch trotz dieser Gemeinsamkeiten präsentieren sie sich in der Praxis sehr unterschiedlich. Während Gold als der Fels in der Brandung gilt - stabil und defensiv -, zeigt sich Bitcoin schwankungsanfällig, aber mit einer historisch höheren Wachstumsdynamik.

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Eine aktuelle Analyse von WisdomTree bringt nun eine interessante Perspektive in die Debatte: Demnach wird Bitcoin derzeit im direkten Vergleich zum Edelmetall mit einem signifikanten Abschlag gehandelt.

Die Bewertungsmatrix: Ist Bitcoin "günstig"?

Laut Dovile Silenskyte, Direktorin für Digital Assets Research bei WisdomTree, deutet eine interne Modellrechnung darauf hin, dass Bitcoin gegenüber Gold momentan um rund 26 Prozent unterbewertet ist. Diese Einschätzung beruht auf einem Modell, das fundamentale Kapitalströme und makroökonomische Kennzahlen wie Zinssätze, Währungstrends und die reale Anlegernachfrage analysiert.

Das Ergebnis dieser Untersuchung: Gemessen an den aktuellen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen müsste Bitcoin im Verhältnis zu Gold eigentlich auf einem höheren Niveau notieren. Das Modell legt nahe, dass der faire Wert von Bitcoin Ende März 2026 deutlich über dem aktuellen Stand liegen sollte. Hierbei handelt es sich jedoch ausdrücklich nicht um eine Garantie für kurzfristige Kursgewinne, sondern um das Aufzeigen einer Bewertungslücke, die sich über die Zeit schliessen könnte.

Zinsen und Risiko: Wer wann die Nase vorn hat

Doch warum entsteht diese Kluft zwischen den beiden Werten überhaupt? Die Antwort liegt laut Silenskyte im Marktumfeld. Gold und Bitcoin reagieren zwar auf dieselben Reize, aber in unterschiedlicher Geschwindigkeit und Intensität.

Lockere sich die Geldpolitik und sinken die Zinsen, schlage die Stunde von Bitcoin. In einem solchen Umfeld steige die Risikobereitschaft der Anleger, was der Kryptowährung meist stärkeren Rückenwind verleihe als Gold.

Gehe die Angst um, flüchten Investoren in den "sicheren Hafen" Gold. Das Edelmetall spiele seine defensive Stärke aus, während Bitcoin in solchen Phasen oft unter Druck gerate.

Steigen die Preise, stütze das grundsätzlich beide Anlageklassen. Gold reagiere hierauf jedoch meist unmittelbarer, während Bitcoin zeitweise Zeit benötige, um nachzuziehen.

Drei Wege durch das nächste Jahr

Für die kommenden zwölf Monate skizziert WisdomTree drei plausible Szenarien, die Anlegern als Orientierung dienen können. Bleiben grössere wirtschaftliche Schocks aus, sei damit zu rechnen, dass sich die Lücke zwischen Gold und Bitcoin schrittweise schliesst. Sollte die Teuerungsrate überraschend stark steigen, dürfte Gold zunächst die Führung übernehmen. Anleger würden erst Sicherheit suchen, bevor sie im zweiten Schritt wieder vermehrt in Bitcoin investieren. In einem schwächelnden Gesamtmarkt bleibe Gold voraussichtlich der Favorit. Eine Erholung von Bitcoin würde sich in diesem Fall verzögern.

Strategische Einordnung statt kurzem Trade

Für Anleger sei es laut Silenskyte wichtig zu verstehen, dass dieser Vergleich kein Werkzeug für das kurzfristige Daytrading ist. Es gehe vielmehr um eine langfristige Positionierung im Portfolio. Die bestehende Differenz von 26 Prozent könne sich auf unterschiedliche Weise abbauen - mal schnell und ungleichmässig, mal langsam und stetig.

Bitcoin sollte dabei nicht als Ersatz für Gold verstanden werden. Vielmehr würden beide unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Doch wenn die Bewertungsschere so weit auseinandergehe wie aktuell, biete dies eine fundierte Grundlage, um über die Gewichtung beider Werte nachzudenken. Wer Bitcoin im Vergleich zu Gold als unterbewertet ansieht, könnte dies zum Anlass nehmen, sein Engagement zu überdenken oder beide Werte als sich ergänzende Bausteine in seiner Strategie zu verankern.

Julia Walter, Redaktion finanzen.ch

Dieser Text dient ausschliesslich zu Informationszwecken und stellt keine Anlageempfehlung dar. Die finanzen.net GmbH schliesst jegliche Regressansprüche aus.

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