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14.05.2021 12:14:54

Schroders: Wie sind die Aussichten für asiatische Aktien nach der Pandemie?

Schroders: Wie sind die Aussichten für asiatische Aktien nach der Pandemie?

Abbas Barkhordar
Fund Manager, Asian Equities

Richard Sennitt
Fund Manager, Pacific Equities and Global Small Cap Equities

Trotz der globalen Turbulenzen durch die Covid-19-Pandemie waren die Aktienmärkte im Jahr 2020 im Allgemeinen robust. Die Region Asien ohne Japan war hier keine Ausnahme.

In vielerlei Hinsicht war die Region zuerst von der Pandemie betroffen und hat sich von ihr auch als Erstes wieder erholt. Zahlreiche Länder waren in der Lage, das Virus erfolgreich zu bekämpfen, sodass die Wirtschaftstätigkeit schneller wieder aufgenommen werden konnte als andernorts.

Unterschiede auf Länder- und Sektorebene

Zwar war die Entwicklung Asiens insgesamt erfreulich, auf Länder- und Sektorebene kam es jedoch zu auffälligen Unterschieden. Nordasiatische Länder (China, Südkorea, Taiwan), die im Allgemeinen den grössten Erfolg bei der Eindämmung der Pandemie hatten, überflügelten die Aktienmärkte in Indien und der ASEAN-Region.

Auf Sektorebene führte die starke Nachfrage nach digitalen Diensten und Geräten für das Homeoffice zu einer Outperformance von Halbleiterlieferanten und anderen Technologieunternehmen. Weitere Unternehmen, die von der Pandemie profitieren konnten, waren E-Commerce - Teil des Nicht-Basiskonsumgütersektors - und Kommunikationsdienste. Unternehmen in diesen Sektoren sind in der Regel in Nordasien ansässig und tragen somit zur starken Wertentwicklung dieser Länder bei.

Im Gegensatz dazu blieben traditionell konjunktursensible Sektoren wie Energie und Finanzen zurück. Diese Sektoren machen generell einen höheren Anteil des Markts in Süd- und Südostasien aus.

Im Verlauf des Jahres 2020 wurde der Optimismus über eine rasche wirtschaftliche Erholung durch die sehr erfreulichen Meldungen zu erfolgreichen Impfstoffen und die enorme fiskal- und geldpolitische Unterstützung von Regierungen und Zentralbanken angefacht.

Diese Faktoren stützen die Märkte auch 2021 weiterhin. Mit zunehmenden Wachstumserwartungen sind jedoch auch die langfristigen Zinsen gestiegen, was sich auf die Märkte auswirken könnte.

Die Gewinnerwartungen sind hoch, aber nicht unrealistisch

Infolge der Kursrallye erscheinen Aktien gegenüber ihren langfristigen Durchschnittswerten jetzt relativ teuer, zumindest im Vergleich zu ihren historischen Gewinnen und Buchwerten (der Buchwert ist die Kennzahl für das Vermögen eines Unternehmens abzüglich seiner Verbindlichkeiten). Dies deutet darauf hin, dass die Märkte eine recht robuste Erholung der Gewinne einpreisen.

In der Tat wurden die Konsenserwartungen für Unternehmensgewinne deutlich angehoben, da das Vertrauen in die Erholung und in die erfolgreiche Einführung der Impfstoffe wächst. Für die Region Asien ohne Japan lauten die Markterwartungen für dieses Jahr auf ein Gewinnwachstum von rund 25 % (gegenüber dem Vorjahr) bzw. 15 % für 2022.

Wir halten diese Zahlen nicht für unrealistisch. Vieles hängt jedoch vom weiteren Verlauf der Pandemie ab, insbesondere davon, wie die Länder mit neuen Varianten des Virus umgehen. Das bedeutet, dass diese Prognosen über zukünftige Gewinne möglicherweise ein höheres Mass an Unsicherheit aufweisen als üblich. Angesichts der Bewertungen könnten die Märkte in diesem Punkt enttäuscht werden.

Ausserdem sind zusammengefasste Kennzahlen nur begrenzt aussagekräftig. Wie wir im Jahr 2020 beobachten konnten, kann es sowohl zwischen den Märkten als auch innerhalb der Märkte erhebliche Unterschiede geben.

Tragen Privatanleger zu einer Blase bei?

Ein weiteres Phänomen, das in den vergangenen Monaten zu einem Anstieg der Märkte weltweit beitrug, ist die stark gestiegene Aktivität von Privatanlegern. Dies war wohl insbesondere in den USA der Fall - wir erinnern beispielsweise an GameStop -, aber auch in Asien sind hierfür Anzeichen erkennbar.

Die steigende Aktivität der Privatanleger trägt möglicherweise zu den aufgeblähteren Bewertungen bei, die wir in einigen Teilen des Markts erkennen können. Einige der "überhitzten" Marktbereiche wie Biotechnologie, Software oder Elektrofahrzeuge werden in Bezug auf ihre Bewertungskennzahlen zu oder nahe historischen Höchstständen gehandelt.

Diese Bewertungen basieren bisweilen auf einem extrem hohen voraussichtlichen Wachstum, das oft weit in die Zukunft reicht, und sind daher sehr anfällig gegenüber Stimmungsänderungen oder Zinserhöhungen.

Im Gegensatz dazu haben niedrig bewertete Sektoren - Banken, Immobilien, Investitionsgüter, Versorger - das Interesse der Privatanleger nicht erregt. Dies ist einer der Gründe dafür, warum diese Sektoren derzeit insgesamt einen günstiger bewerteten Eindruck machen.

Die wichtige Rolle einer aktiven Aktienauswahl

Für uns zeigt dies, von welcher Bedeutung eine aktive Titelauswahl in der Region ist. Es ist wichtig, Titel in Bereichen auswählen zu können, die von Anlegern übersehen werden und sich möglicherweise unterdurchschnittlich entwickeln - deren Erholungsaussichten jedoch vom breiteren Markt unterschätzt werden.

Ebenso wollen wir Bereiche mit einer geringen Sicherheitsmarge meiden. Ihre bislang solide Dynamik könnte sich jederzeit ins Gegenteil verkehren.

Dies gilt für Sektoren genauso wie für Länder. Das relative Wachstum könnte sich bald auf die Länder in Süd- und Südostasien verschieben, die sich im Vergleich zu Nordasien bislang unterdurchschnittlich entwickelt haben. Angesichts der sich ausbreitenden Erholung handelt es sich hier um ein "Aufholspiel".

Wir möchten auch darauf hinweisen, dass China bereits einige Massnahmen ergriffen hat, um die geldpolitischen Zügel zu straffen und spekulativere Bereiche zu beruhigen. Wir würden erwarten, dass die Unterstützung und Liquidität der Regierungen und Zentralbanken in den Ländern, die sich bereits gut entwickelt haben, früher entzogen werden. Es ist daher sehr wichtig, bei der Vermögensaufteilung aktiv zu sein, um derartige Unterschiede zu berücksichtigen.

Asien bleibt für ertragsorientierte Anleger attraktiv

Wir möchten ferner hervorheben, dass die asiatischen Aktienmärkte unserer Ansicht nach im Vergleich zum Rest der Welt hinsichtlich des Ertragspotenzials und der robusten Dividendenströme, die asiatische Unternehmen bieten, sehr gut aufgestellt sind.

Es handelt sich hierbei zum Teil um ein Erbe der asiatischen Finanzkrise. Unternehmen in der Region wiesen zu Beginn der Krise allgemein konservativere Bilanzen auf als Vergleichsunternehmen in anderen Regionen. Sie zeichneten sich auch durch angemessenere Ausschüttungsquoten aus, insbesondere im Vergleich zu Grossbritannien.

Wir sehen daher keinen Grund, warum sich die Dividenden nicht im Gleichschritt mit den Gewinnen erholen sollten.

Der Wert der Anlagen und der damit erzielten Erträge kann sowohl steigen als auch fallen, und Anleger erhalten womöglich nicht das ursprünglich eingesetzte Kapital zurück. Die Wertentwicklung der Vergangenheit ist kein Hinweis auf die Wertentwicklung in der Zukunft und lässt sich möglicherweise nicht wiederholen.

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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Bildquelle: Schroders

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