11.09.2020 15:10:52

Schroders: Sechs Gründe, die für eine beschleunigte Automatisierung sprechen

Schroders: Sechs Gründe, die für eine beschleunigte Automatisierung sprechen

Daniel McFetrich
Leiter Research für globale und internationale Aktien

Die Automatisierung ist seit Langem ein Bestandteil des Fertigungssektors, denn die Unternehmen sind bestrebt, ihre Produktivität zu erhöhen und hochwertige Güter herzustellen, die einem bestimmten Standard gerecht werden. Wir sind jedoch der Ansicht, dass der Automatisierungsgrad drastisch ansteigen wird, da Innovationen für eine Revolution in der intelligenten Fertigung sorgen.

Kurzfristig hat die Covid-19-Pandemie den Automatisierungsbedarf ins Rampenlicht gerückt. Unseres Erachtens sprechen jedoch auch mehrere strukturelle Gründe dafür, dass sich die Automatisierung beschleunigen dürfte.

1. Die Covid-19-Pandemie und die räumliche Distanzierung/Verfügbarkeit von Arbeitskräften

Wenn die Unternehmen überhaupt noch von den Vorteilen der Automatisierung überzeugt werden mussten, hat die Covid-19-Krise diese Vorteile vollends zur Geltung gebracht. Im Zuge der Pandemie ist die Aktivität aufgrund der verhängten Lockdowns in zahlreichen Branchen zum Erliegen gekommen.

Auch wenn die wirtschaftlichen Aktivitäten wieder anlaufen, könnten die Social-Distancing-Massnahmen in zahlreichen Fabriken für eine begrenzte Kapazität sorgen. Ein höherer Automatisierungsgrad würde im Hinblick auf die Produktivität einen sichtbaren Nutzen bringen und die Wahrscheinlichkeit künftiger Betriebsunterbrechungen verringern.

2. Wachstum des E-Commerce

Das wohl unaufhaltsame Wachstum des E-Commerce ist ein weiterer Trend, der durch die Pandemie Auftrieb erfahren hat, denn immer mehr Verbraucher kaufen aufgrund der Schliessung stationärer Geschäfte im Internet ein. Dieser Trend war jedoch ohnehin im Aufstieg begriffen.

Schon vor Covid-19 war es der Sektor für die Lagerautomatisierung, in dem die Automatisierung in den letzten Jahren am schnellsten Einzug gehalten hat. Wir sind der Ansicht, dass sich dieser Trend beschleunigen wird, da der E-Commerce aufgrund der Pandemie immer stärker Fuss fasst.

3. Immer mehr Innovationen im Robotiksektor

Dank der Fortschritte im Bereich Robotik und künstliche Intelligenz (KI) können Roboter heute viel mehr Aufgaben ausführen als davor. Die integrierten Technologien, wie 3D-Visionssysteme, werden immer besser, sodass Roboter nun "sehen" können, wo sie sich im Raum befinden. Dies hat dazu geführt, dass es immer mehr kollaborative Roboter (sogenannte "Cobots") gibt, die sicher mit menschlichen Arbeitskräften zusammenarbeiten können und über fortschrittlichere Fähigkeiten verfügen. Dabei wurde ihr Spektrum in erster Linie auf nicht-repetitive Aufgaben erweitert.

Dieses erweiterte Kompetenzspektrum ermöglicht auch mehr Einsatzbereiche. Früher war die Automatisierung hauptsächlich mit der Fahrzeugherstellung verbunden. Inzwischen werden Roboter aber zunehmend in der Technologiebranche und anderen Industriezweigen eingesetzt, beispielsweise in der Lebensmittel- & Getränkeherstellung. Heute können sich Roboter aus dem Käfig hinausbewegen und flexiblere manuelle Vorgänge ausführen, beispielsweise Montage- und Inspektionsaufgaben.

Innovationen im Kommunikationsbereich spielen bei der Einführung der Automatisierung ebenso eine entscheidende Rolle. Die Latenz stellt die Monteure von Robotern vor ein gewaltiges Problem. Wenn der Erhalt und die Verarbeitung von Inputs zu lange dauert, schränkt dies den Einsatz von Robotern zwangsläufig deutlich ein. Die 5G-Technologie und neue drahtlose Telekommunikationsnetzwerke ermöglichen theoretisch die Lösung dieser Latenzprobleme und könnten auch die Einführung von cloudbasierter künstlicher Intelligenz erlauben, wodurch sich der Robotik neue Märkte eröffnen.

Darüber hinaus gehen zunehmende Innovationen mit Skaleneffekte einher, sodass die Herstellungskosten und der Kaufpreis dieser Roboter sinken. Aufgrund dieser wirtschaftlichen Aspekte werden Roboter weitaus günstiger und dürften folglich in einem breiteren Spektrum an Branchen immer häufiger zum Einsatz kommen.

4. Robuste Lieferketten erneut im Fokus

Covid-19 hat die Bedeutung robuster und flexibler Lieferketten erneut in den Fokus gerückt - und das nach den Turbulenzen im Jahr 2019, als die Unternehmen aufgrund der geopolitischen Spannungen zwischen den USA und China ihre Lieferketten auf den Prüfstand stellten.

Inzwischen erwägen die Unternehmen, ihre Lieferketten wieder ins Inland zu verlegen. Ebenso werden die Regionalisierung von Lieferketten und die duale Beschaffung (also die Nutzung von zwei Lieferanten) in Betracht gezogen. Die Verwerfungen, die durch die Lockdowns zu unterschiedlichen Zeitpunkten in vielen Ländern hervorgerufen wurden, haben zu der Erkenntnis geführt, dass die Lieferketten nicht robust genug sind.

Eine aktuelle Studie der Bank of America Merrill Lynch hat gezeigt, dass mindestens 83 % der Sektoren, die von Lieferketten im Ausland abhängig sind, eine Verlagerung von Lieferketten abwägen oder einen entsprechenden Plan umgesetzt haben - als wesentliche Voraussetzung hierfür wird die Fähigkeit genannt, Fabriken zu automatisieren, die sich näher an ihren Heimatmärkten befinden.

5. Demografie

Der fünfte strukturelle Grund ist die demografische Entwicklung. In den fünf wichtigsten weltweiten Produktionsländern geht die Erwerbsbevölkerung allmählich zurück. Das gilt auch für China. In den USA liegt der Altersmedian von Arbeitskräften im Fertigungssektor nun zwei Jahre über dem nationalen Durchschnitt, und 25 % dieser Arbeitskräfte sind über 55 Jahre alt. Laut einer aktuellen Umfrage der Federal Reserve Bank of Richmond hat dies bei Fertigungsunternehmen zur grössten Kompetenzlücke aller Zeiten geführt.

Wie können wir dieses Problem lösen? Ganz klar: mit Robotik und Automation.

6. Energieeffizienz und Nachhaltigkeit rücken immer stärker in den Blickpunkt

In der jüngsten Vergangenheit wurden in den Industrienationen Konjunkturpakete geschnürt, um die mit der Pandemie kämpfenden Volkswirtschaften wieder anzukurbeln. Bei der Ankurbelung der Nachfrage lag der überwältigende Fokus auf der Nachhaltigkeit und auf Lösungen, mit denen der Klimawandel bekämpft werden kann.

Unseres Erachtens leistet die Automatisierung einen wichtigen Beitrag zur Produktivitätssteigerung im Fertigungssektor und damit auch zu einer höheren Energieeffizienz. Beispielsweise sorgen neue Innovationen dafür, dass Produktionslinien weniger von Menschen überwacht werden müssen, wodurch der Durchsatz steigt und Produktionsabfälle verringert werden.

Dies zeigt, dass es für Unternehmen zahlreiche Gründe für eine stärkere Automatisierung ihrer Tätigkeiten gibt. Diese Einschätzung bestätigt auch eine Umfrage unserer Data Insights Unit. Demnach gehen Unternehmen jeder Art davon aus, dass ihr Budget für die Industrieautomation in den nächsten zwei bis drei Jahren steigen wird.

Die Umfrage zeigte auch, dass diese Entwicklung nicht in erster Linie vom Fertigungssektor angetrieben wird. Vielmehr sind es die Lager- und Logistikunternehmen, die steigende Budgets erwarten und deshalb im Bereich der Automatisierung ein höheres Wachstumspotenzial aufweisen.

Als Anleger ist dies natürlich äusserst interessant für uns, denn es bestätigt, dass Hersteller von Robotern in puncto Wachstum nicht ausschliesslich von traditionellen Kunden aus der Automobilindustrie abhängig sind. Die Nachfrage ist nicht mehr auf die Fabriken beschränkt und erfasst nun auch andere Fertigungsbereiche wie Lieferketten und Logistiknetze.

Die Automatisierung kann in allen Branchen Produktionssteigerungen, geringere Lohnkosten und eine höhere Energieeffizienz ermöglichen. Dank der jüngsten Innovationen sind Roboter heute agiler als je zuvor und können in vielfältigen Anwendungsbereichen eingesetzt werden. Das bedeutet, dass sich der Automatisierungsbedarf beschleunigt und weniger zyklisch ausgerichtet ist.

Die Automatisierung ist nur ein Bereich des Anlagethemas der intelligenten Fertigung. Ein beträchtliches Wachstumspotenzial bieten unseres Erachtens auch fortschrittliche Produktionsgeräte (wie Laser), Anbieter von Daten- und Softwareanalysen, Lieferanten fortschrittlicher Werkstoffe und Fachexperten, die in gewissen Endmärkten eine einzigartige Stellung einnehmen und somit das Wertpotenzial dieser Innovationen ausschöpfen können.

- Weiterlesen: Wie intelligente Fertigung der Industrie zu einer Renaissance verhelfen könnte

Hier erfahren Sie mehr: https://www.schroders.com/de/ch/asset-management/insights/

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