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Mögliche Investitionen 21.03.2020 22:24:00

Aktienmarkt nicht länger überbewertet: Stockt Buffett jetzt auf?

Aktienmarkt nicht länger überbewertet: Stockt Buffett jetzt auf?

• Buffett wartet seit längerem auf ein Ende der Überbewertung am Aktienmarkt
• Motto: "Gierig sein, wenn andere ängstlich sind"
• Buffett könnte Beteiligungen aufstocken und alte Fehler ausmerzen

Seit mehreren Tagen flüchten Anleger panisch aus Aktien und lassen so die Kurse weltweit abstürzen. Ein Ende des Kursmassakers ist derzeit nicht abzusehen, zumal die Maßnahmen der Notenbanken am Markt bislang weitgehend wirkungslos verpufften, während weltweit immer mehr Corona-Infektionen gemeldet werden und die Regierungen mit immer drastischeren Schritten versuchen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen.

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Doch während die meisten Anleger in Scharen verkaufen, könnte nun die Stunde für Warren Buffett gekommen sein. Er schrieb bereits in seinem Aktionärsbrief aus dem Jahr 1987, Investoren sollten "ängstlich sein, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind" - und die meisten Marktteilnehmer waren wohl selten ängstlicher als heute. Buffett selbst zeigte sich in einem Interview mit "Yahoo Finance" zuletzt noch relativ gelassen: "Wenn man lange genug dabei bleibt, hat man irgendwann an den Märkten alles einmal gesehen", so Buffett, der schon einige Markteinbrüche mitgemacht hat. Unter anderem war er beim Crash vom 19. Oktober 1987 dabei, als der Dow Jones an nur einem Tag 22,6 Prozent an Wert verlor, sowie bei den heftigen Verkäufen im Rahmen der Finanzkrise 2008. Letztere sei auch "bei weitem sehr viel beängstigender" gewesen als die bisherigen Marktreaktionen auf die Corona-Krise, sagte Buffett Mitte der vergangenen Woche laut "MarketWatch". Dennoch sei das, was gerade passiert, ein schreckliches Ereignis, so Buffett gegenüber "Yahoo Finance" - und man wisse aktuell einfach noch nicht, wie schlimm es letztendlich tatsächlich sein werde. Seine persönliche Vorkehrung in Zeiten von Covid-19 sei es daher, etwas mehr Coca-Cola zu trinken, da das bisher anscheinend alle anderen Krankheiten in seinem Leben abgewendet habe, witzelte Buffett im Interview. Seine Investmentholding Berkshire Hathaway dürfte in diesen turbulenten Börsenzeiten jedoch höchstwahrscheinlich deutlich mehr tun.

128 Milliarden Barreserven: Ist das Warten nun vorbei?

Warren Buffett sitzt mit seiner Investmentholding momentan auf Barreserven in Höhe von 128 Milliarden US-Dollar - und zwar womöglich auch, weil er den aktuellen Aktiencrash schon längst vorausgesehen und abgewartet hat. Der Buffett-Indikator, an dessen Erfindung die Investmentlegende beteiligt war und der anzeigt, ob ein Aktienmarkt zu hoch bewertet ist, schlägt zumindest schon seit einiger Zeit Alarm. Durch die nun deutlich gefallenen Kurse könnte sich endlich die Chance für Zukäufe auftun, auf die das Orakel von Omaha bereits seit langem wartet. Denn Buffett hat nun endlich die Möglichkeit, in Firmen mit Wettbewerbsvorteilen und langfristigem Wert zu investieren, die durch den Crash mittlerweile unterbewertet sind. Denn die allgemeine Panik am Markt erfasst solide Unternehmen genauso wie unsolide. Auch weitere Kursrückgänge dürften ihn dabei nicht irritieren, denn die Investorenlegende ist eher langfristig unterwegs: "Die eigentliche Frage ist: Hat sich der 10-Jahres- oder 20-Jahres-Ausblick für amerikanische Unternehmen in den letzten 24 oder 48 Stunden geändert?", brachte Buffett im Interview mit "CNBC" ein für ihn wichtiges Kriterium auf den Punkt. Berkshire Hathaway könnte in diesem Umfeld nun also einige Zukäufe tätigen. Interessante Unternehmen gibt es zumindest genug.

Buffett könnte bestehende Beteiligungen aufstocken

Bereits bei der Finanzkrise 2008 eilte Buffett mit seiner Investmentholding Berkshire Hathaway strauchelnden Unternehmen zur Hilfe und investierte rund fünf Milliarden US-Dollar in Goldman Sachs und rund drei Milliarden US-Dollar in General Electric. Eine solche Rettungsaktion könnte der Investor nun womöglich auch bei Fluggesellschaften planen, die besonders stark unter dem Coronavirus und den damit einhergehenden Reisebeschränkungen leiden. Bereits Anfang März nutzte Buffett die ersten durch Covid-19 ausgelösten Kursrücksetzer, um seine Beteiligung an Delta Air Lines deutlich aufzustocken und nahm dafür 45,3 Millionen US-Dollar in die Hand. Womöglich könnte er sein Engagement in nächster Zeit weiter ausbauen, um dem Unternehmen durch die Krise zu helfen, oder auch die Gelegenheit nutzen, um seinen Anteil an den Fluggesellschaften American Airlines, United Airlines und Southwest Airlines weiter aufzustocken. Langfristig gesehen sind die Aussichten für Fluggesellschaften durchaus gut: Der Flugverkehr dürfte sich nach dem Ende der Pandemie wieder normalisieren und auch vom Ölpreisverfall dürften die Airlines profitieren und profitabler werden - sofern sie die jetzige Krise überleben.

Auch bei Apple könnte Buffett nach den jüngsten Kursrücksetzern wieder zugreifen. Zuletzt hatte Berkshire Hathaway seinen Anteil am iPhone-Hersteller zwar etwas reduziert, Buffett bleibt aber weiterhin bekennender Fan des Unternehmens aus Cupertino. "Es ist vermutlich das beste Unternehmen der Welt, das ich kenne", schwärmte der Investor im Februar gegenüber "CNBC". Apple sei für ihn und seine Investment-Holding nicht nur eine Aktie, sondern viel mehr ein "drittes Geschäft" nach Versicherungen und Eisenbahnbeteiligungen. Bereits jetzt machen Apple-Aktien mit rund 30 Prozent die mit Abstand größte Position im Berkshire-Portfolio aus.

Neues Investment? Disney erfüllt alle Kriterien

Warren Buffett hat bereits in jungen Jahren vier Millionen US-Dollar in den Micky-Maus-Konzern Walt Disney investiert - und seine Beteiligung bereits wenig später für sechs Millionen US-Dollar wieder verkauft. Das ist zwar ein satter Gewinn, mittlerweile wäre Buffetts Anteil jedoch mehrere Milliarden US-Dollar wert. Nun könnte das Orakel von Omaha den Kursrückgang bei Disney - die Aktie hat innerhalb von wenigen Wochen rund ein Drittel an Wert verloren - nutzen, um einen neuen Anlauf mit der Aktie zu starten.

Walt Disney verfügt unter anderem über Vergnügungsparks, Filmstudios, Fernsehsender und einen Streamingdienst und weist somit ein diversifiziertes Geschäftsmodell auf. Vor allem mit dem neuen Streamindienst Disney+ könnte der Konzern von der Corona-Krise profitieren, da die Menschen weltweit dazu angehalten sind, möglichst zu Hause zu bleiben - und ihre Freizeit somit zu einem großen Teil vor dem Fernseher verbringen dürften. Allerdings dürften Parkschließungen, verschobene Filmstarts und geschlossene Kinos die Profitabilität des Konzerns erheblich belasten. Laut "TheStreet" seien diese Probleme jedoch nur temporär und Disney weise eine solide Bilanz auf, die es dem Konzern erlaube, jetzt flexibel zu reagieren. Die Geschäfte würden zudem beständig ausgebaut und ein starker Cash-Flow erzeugt. Damit könnte Walt Disney womöglich auch Buffett von einem erneuten Investment überzeugen.

Buffett könnte verpasste Chancen nachholen

Die Corona-Krise gibt Warren Buffett zudem die Chance, weitere Investmentfehler der Vergangenheit wieder gutzumachen. Dass er dazu prinzipiell bereit ist, hat der Investor aus Omaha 2016 mit seinem - vergleichsweise späten - Einstieg bei Apple gezeigt. Auch beim Online-Händler Amazon stieg seine Investmentholding erst 2019 ein - obwohl Buffett bereits früher voll des Lobes für Amazon-Chef Jeff Bezos war und angab, Amazon von Anfang an beobachtet zu haben. Für das damalige Investment war dann auch nicht Buffett selbst zuständig, sondern "einer der Kerle aus dem Büro", wie der Investor angab. Er selbst sei jedoch "ein Idiot gewesen", weil er nicht früher investiert habe. Da die Aktie des Online-Giganten an der NASDAQ im Zuge der Corona-Krise rund 17 Prozent an Wert verloren hat, könnte Buffett dieses Manko ausmerzen und die Amazon-Position weiter aufstocken - zumal Amazon als Versandhändler und Streaminganbieter von Ladenschließungen und Ausgangssperren profitieren könnte.

Auch das verpasste Investment in Alphabet bedauern Warren Buffett und Berkshire-Vize Charlie Munger bereits seit einigen Jahren. "Ich glaube, da haben wir etwas Mist gebaut", sagte Munger etwa 2017 mit Blick auf die Google-Mutter. Die Google-Gründer hätten Buffett nach dem Börsengang sogar Aktien angeboten - und er habe nicht zugegriffen, obwohl die Berkshire-Tochter Geico zu den ersten Kunden des IT-Giganten gehörte. "Ich habe es vermasselt", lautete daher damals auch das Fazit von Buffett. Mit einem Minus von rund 20 Prozent sind die Aktien der Google-Mutter nun zwar günstiger als vor der Corona-Pandemie, auf Drei-Jahres-Sicht stehen die Papiere jedoch immer noch deutlich im Plus, sodass es wohl auch 2020 zu keinem Berkshire-Einstieg kommen dürfte - außer die Kurse geben noch weiter nach.

Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: NICHOLAS ROBERTS/AFP/Getty Images,Paul Morigi/Getty Images for Fortune/Time Inc

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