Nach GameStop-Kapriolen: Neue Regularien könnten auch Kryptowährungen belasten | 08.03.21 | finanzen.ch
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Manipulationsvorwürfe 08.03.2021 23:12:00

Nach GameStop-Kapriolen: Neue Regularien könnten auch Kryptowährungen belasten

Nach dem Hype um Aktien von GameStop und Konsorten im Januar forderten viele Marktteilnehmer stärkere Regularien, um solche Kurskapriolen in Zukunft zu verhindern. Dabei könnten staatliche Eingriffe die Märkte ins Verderben stürzen - und dabei auch Kryptowährungen schaden.

• Manipulationsvorwürfe nach GameStop-Kursspektakel
• Regularien könnten Marktteilnehmern schaden
• Auch Kryptowährungen mögliches Ziel

Manipulations-Vorwürfe werden lauter

Als sich Ende Januar Nutzer der Online-Community Reddit im Unterforum "WallStreetBets" organisierten und damit die Kurse von zuvor geshorteten Aktien wie GameStop, AMC und BlackBerry in die Höhe trieben, zeigten sich viele institutionelle Investoren über die Attacke der Privatanleger empört. Nicht nur, dass einige Hedgefonds herbe Verluste einstecken mussten - beim Hedgefonds Melvin soll das Minus mehrere Milliarden US-Dollar betragen -, einige äusserten auch den Vorwurf der Marktmanipulation. So sollen die Kleinanleger in die Wertpapiere investiert haben, um deren Preis zu steigern und den Märkten zu schaden, wie das Krypto-Portal CoinDesk etwa berichtet. Auch die anschliessenden Kurskapriolen um die Kryptowährung Dogecoin, deren Preis von Tesla-CEO Elon Musk weiter befeuert wurde, und anderen sogenannten "Meme-Aktien", sorgte für Chaos an den Märkten. Die Fronten zwischen professionellen Anlegern und Privatinvestoren verhärteten sich dadurch immer weiter. Waren zuvor nur Daytrader Ziel der Anschuldigungen, wiesen diese die Vorwürfe nun von sich und beschuldigen stattdessen Handelsplattformen und Marktteilnehmer, sich abgesprochen zu haben, um den Handel einzuschränken. So limitierte die beliebte Trading-App Robinhood etwa den Handel mit GameStop & Co. aufgrund starker Kursschwankungen und musste sich deswegen nicht nur der Kritik der Nutzer, sondern auch der Börsenaufsicht SEC und zuletzt dem US-Kongress stellen.

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Warnung vor Benachteiligung aller Marktteilnehmer

Durch die Vorwürfe von beiden Seiten könnten nun aber Regulierungsbehörden auf die Marktbewegungen aufmerksam werden und stärker eingreifen, als es allen Beteiligten lieb sein mag, so CoinDesk weiter. So warten staatlichen Regulierungsbehörden laut dem Portal bereits seit längerem darauf, den Umfang ihrer Befugnisse erweitern und ihre expansive Durchsetzung fördern zu können, wovon langfristig aber nicht nur private, sondern auch institutionelle Anleger bedroht sein könnten. Mit der Forderung nach einem Eingreifen der Behörden könnte also eine neue Ära der regulatorischen Aufsicht beginnen, und zwar nicht nur bezüglich der Vorgänge auf den Finanzmärkten selbst. Auch die Art, wie sich Nutzer in sozialen Netzwerken austauschen und organisieren, könnte massiven Änderungen unterliegen, glaubt CoinDesk. Das Problem mit sozialen Netzwerken sei nämlich, dass diese Jedem eine Plattform bieten. So ermöglichen die Web-Dienste zwar einen schnellen Austausch, allerdings könne auch jeder über Aktienkurse und Anlageentscheiden fachsimpeln und damit ein grosses Publikum erreichen, obwohl hier möglicherweise Kompetenzen fehlen.

Keine manipulatorischen Handlungen erkennbar

Seit langem stehe demnach der Vorwurf von Regierungsbehörden im Raum, dass der Handel mit Wertpapieren oder Rohstoffen den Zweck hat, deren Preise zu verändern, und den Markt zu manipulieren. Dabei sei jeder ausführbare Auftrag als das zu sehen, wonach er aussehe - ein Angebot zum Kauf oder Verkauf zu einem bestimmten Preis. Ob dies sich mit der wahren Intention des Händlers deckt, sei zunächst zweitrangig, da alle Gebote und Angebote ein realistisches Marktangebot abdecken. "Ein absichtsbasierter Standard für Marktmanipulation birgt ein ernsthaftes Risiko der willkürlichen Durchsetzung - und das Risiko, dass die Regierung Gewinner und Verlierer auswählt, indem sie politisch ungünstige Händler auswählt", so CoinDesk. Auch Händlern eine beabsichtigte Preisveränderung zu unterstellen sei nicht zielführend, da jeder Auftrag theoretisch den Preis beeinflussen könne. "Die Auswirkung eines Handels auf den Preis ist, ebenso wie die subjektive Absicht eines Händlers, kein sinnvoller Standard, um in den heutigen vernetzten Märkten zwischen rechtmässigem und unrechtmässigem Handel zu unterscheiden", erklärt das Portal weiter. Zwar sei es durchaus wichtig, dass der Handel nicht durch die Verbreitung von falschen Informationen beeinflusst werde, die Vorwürfe gegenüber GameStop-Spekulanten, dass sie den Markt absichtlich manipulierten, indem sie den Preis nach oben trieben - und Short-Positionen nach unten - seien aber nicht zu Ende gedacht. So sei es nicht als manipulative Handlung anzusehen, wenn Kauf- oder Verkaufsaufträge zu realen Marktpreisen platziert werden, unabhängig davon, welche Intention Markteilnehmer damit verfolgen.

Gerichtsurteile stützen Handel

Umso absurder erscheinen diese Vorwürfe beim Betrachten vergangener Fälle, in denen sich Marktteilnehmer gegen staatliche Regularien gewehrt hatte, so CoinDesk weiter. So warf die US-Behörde Commodity Futures Trading Commission dem Unternehmen DRW Investments 2018 Marktmanipulation vor, weil CEO Donald Wilson den Markt für einen dreimonatigen Zinsswap-Terminkontrakt ausgenutzt und Geschäfte platziert haben soll, von denen er wusste, dass sie nie zustande kommen würden, wie auch die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Der Fall landete schliesslich vor Gericht, wurde aber fallengelassen. "Es ist nicht illegal, bei einem Swap-Geschäft schlauer zu sein als seine Gegenparteien", kommentierte Bezirksrichter Richard Sullivan den Ausgang der Verhandlung. Auch die Lebensmittelhersteller Kraft und Mondelez wurden 2019 zur Zielscheibe der US-Behörde. Laut CFTC hatten beide Unternehmen die Preise für Weizen nach oben getrieben, indem sie Termingeschäfte aufkauften. Damit sollen sie den Eindruck erweckt haben, dass die Nachfrage nach dem Getreide deutlich höher gewesen sei - und mehr als 5 Millionen US-Dollar an Gewinnen eingenommen haben, so Reuters. Das Gericht wies die Vorwürfe der Regierungsorganisation zurück und bemängelte eine solche Auslegung als unangemessen, wie CoinDesk berichtet. Demnach plädiert das Krypto-Portal dafür, dass Handelssysteme nicht als illegal eingestuft werden sollen, solange es nicht um Betrug gehe. Sollten Marktteilnehmer aber weiter regulatorische Eingriffe von Seiten der Behörden fordern, "könnten jahrelange Fortschritte, die durch kostspielige Rechtsstreitigkeiten erzielt wurden, verloren gehen", so CoinDesk.

Auch Krypto-Markt massiv bedroht

Dennoch müsse die Finanzbranche eine Lösung finden, um die Probleme in Angriff zu nehmen, die der GameStop-Hype aufgezeigt habe. Dies habe nämlich eine besondere Relevanz für Kryptowährungen, da sich hier eine Bewertung der Vermögenswerte schwieriger gestalte. So finde ein Grossteil der Diskussionen um das Kursziel von digitalen Devisen wie dem Bitcoin, Ethereum oder Ripple Im Internet statt - auf Plattformen wie Twitter oder eben Reddit. "Welche Regeln und Gesetze auch immer aus dieser Saga hervorgehen, sie werden wahrscheinlich einen unverhältnismässigen Einfluss auf die Krypto- und Digitalwährungsmärkte haben", resümiert das Portal. Daher fordert CoinDesk, dass Marktteilnehmer, die in den Kursschwankungen um die GameStop-Aktie involviert waren, die Situation mit einer gewissen Distanz betrachten und sich gut überlegen, ob die Forderung nach stärkeren Regulierungen angebracht sei, statt sich gegenseitig - und langfristig auch sich selbst - zu schaden.

Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: Casimiro PT / Shutterstock.com,REDPIXEL.PL / Shutterstock.com

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