"Katastrophenereignis" 10.03.2020 20:06:00

Ray Dalio warnt: Coronavirus könnte sich als fatal für einige Marktteilnehmern erweisen

Ray Dalio warnt: Coronavirus könnte sich als fatal für einige Marktteilnehmern erweisen

• Coronavirus ist "Katastrophenereignis, wie es nur einmal in 100 Jahren vorkommt"
• Schlimme Konsequenzen für Versicherer und Optionshändler befürchtet
• Gesamtwirtschaft wird sich wahrscheinlich schnell erholen

Vor wenigen Wochen bezeichnete Hedgefonds-Manager Ray Dalio die am Kapitalmarkt grassierende Angst vor den Auswirkungen des Coronavirus noch als "vermutlich etwas übertrieben", dies hat sich nun jedoch offenbar etwas geändert: Auf "LinkedIn" veröffentlichte Dalio in der vergangenen Woche einen ausführlichen Text, in dem er seine Gedanken zum Coronavirus darlegte. Dabei warnte er, dass sich die Entwicklungen rund um die Lungenkrankheit für manche Marktteilnehmer und Unternehmen als verheerend erweisen könnten.

Coronavirus als Jahrhundertevent mit Zerstörungspotenzial

Der Mitgründer von Bridgewater Associates bezeichnete die Lungenkrankheit und ihre Auswirkungen in seinem Text als "eines von diesen Katastrophenereignissen, die einmal in 100 Jahren vorkommen". Als solches Jahrhundertereignis habe es das Potenzial, diejenigen ebenso zu "zerstören", die Versicherungen dagegen anbieten, wie diejenigen, die "keine Versicherung in Anspruch nehmen um sich selbst zu schützen, weil sie es als die ungeschützte Wette behandeln, die sie eingehen können, weil es so gut wie nie passiert", schrieb Dalio. Konkret hat er dabei Versicherungsfirmen im Sinn, die Versicherungen gegen die Konsequenzen angeboten hätten, die nun unmittelbar bevorstünden, wie der Hedgefonds-Manager weiter ausführt. Aber auch solche Marktakteure seien von der Vernichtung bedroht, die Optionen verkauft haben, die "deep-out-of-money" waren, weil sie das Geld dafür einstreichen wollten, und die ihre Risiken erst dann absichern wollten, falls und wenn sich der Ausübungspreis der Option dem Kurs des Basiswerts annähert, glaubt Dalio. Konkrete Namen, welche Marktakteure dadurch nun von der Vernichtung bedroht sind, nannte er jedoch nicht.

Kein langfristig negativer Effekt für Gesamtwirtschaft

Trotz diesem sehr düsteren Bild für manche Marktteilnehmer gibt sich Ray Dalio mit Blick auf die gesamte Wirtschaft eher gelassen. Die Reaktionen auf das Virus würden seiner Meinung nach zwar einen grossen kurzfristigen wirtschaftlichen Abschwung verursachen, auf lange Sicht sei aber kein negativer Effekt zu erwarten. "Die Geschichte hat gezeigt, dass selbst hohe Opferzahlen eher eine grössere emotionale Angelegenheit waren als eine nachhaltige Sache für die Wirtschaft und den Markt", heisst es in Dalios LinkedIn-Text. Für die meisten Unternehmen erwartet er daher, dass es zunächst zu einem Rückgang beim Ertrag kommen wird, auf den aber schon kurze Zeit später eine Erholung folgen dürfte. Insgesamt dürfte die Entwicklung nach seiner Einschätzung wahrscheinlich V- oder U-förmig verlaufen.

Gleichzeitig warnte der erfahrene Investor jedoch, dass eigentlich solide Unternehmen im Zuge des Marktabschwungs ungerechtfertigt stark unter die Räder kommen könnten. "Meine Vermutung ist, dass die Finanzmärkte wahrscheinlich nicht gut unterscheiden werden zwischen solchen Firmen, die den zeitweisen Schock gut überstehen können, und solchen, die das nicht können", so Dalio. Er glaube daher, dass die Kurse der Unternehmen, deren Umsätze von der angespannten Wirtschaftslage in Folge des Coronavirus besonders stark betroffen sind, besonders heftig unter die Räder kommen könnten - auch wenn die Firmen selbst über ausreichend Geld verfügen würden. Nach seiner Ansicht sollte die Börse jedoch eher die Unternehmen abstrafen, deren Umsätze nicht so deutlich nachgeben würden, die aber hohe kurzfristige Schulden hätten.

Das empfiehlt Dalio den Anlegern

Für alle Anleger hat Ray Dalio am Ende seines Beitrags auch noch einen klaren Ratschlag: "Die wichtigsten Assets, auf die Sie gut achtgeben müssen, sind Sie und Ihre Familie. Wie auch beim Investieren hoffe ich, dass Sie sich das Worst-Case-Szenario vorstellen und sich selbst dagegen schützen werden", so der Mitgründer von Bridgewater Associates. Auch er selbst überlege lieber, wie er sich gegen grosse Unbekannte wie das Coronavirus absichern, anstatt wie er auf sie wetten könne.

Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: Anja Niedringhaus/AP,CNBC/Getty Images

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