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Rendite bedroht 06.07.2020 21:58:00

Privatanleger aufgepasst: Riskante Rohstoff-Investments

Privatanleger aufgepasst: Riskante Rohstoff-Investments

• Privatanleger haben mehrere Möglichkeiten für ein Rohstoff-Investment
• Rollverluste und hohe Lagerkosten können die Rendite stark beeinträchtigen
• Rohstoff-Investments sind nichts für Anfänger

Aufgrund niedriger Zinsen, volatiler Aktienmärkte und einem möglichen Anstieg der Inflation werden Investitionen in Rohstoffe gerade bei Privatanlegern immer beliebter. Dabei sind der Phantasie fast keine Grenzen mehr gesetzt, denn mit Hilfe von modernen Finanzprodukten können Investoren heutzutage nahezu in jeden beliebigen Rohstoff investieren.

Eine Vielzahl an Möglichkeiten für Privatanleger

Grundsätzlich können Privatanleger jeden klassischen Rohstoff zwar auch ohne derivatives Finanzprodukt erwerben, jedoch macht es höchstwahrscheinlich keinen Sinn, im eigenen Garten mehrere Fässer Rohöl oder dutzende Säcke Soja zu lagern. Dementsprechend bietet die Börse eine Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten an, um indirekt an der Wertentwicklung der verschiedensten Rohstoffe zu partizipieren.

So können Investoren, die ihr Portfolio mit Rohstoffen diversifizieren möchten, neben den Anteilsscheinen von gewöhnlichen Rohstoff-Konzernen, wie z.B. Bergbaufirmen, Agrarbetrieben und Erdöl-Exploratoren, auch Fonds, ETFs und ETCs sowie Zertifikate kaufen, welche die Preisentwicklung eines einzelnen Rohstoffs oder eines ganzen Rohstoffkorbs nachbilden.

Vorsicht vor hohen Lagerkosten…

Während klassische Rohstoff-Aktien keine weiteren laufenden Kosten im Portfolio produzieren und im Glücksfall sogar noch eine hohe Dividende ausschütten, fallen bei Rohstoff-Fonds, ETFs und Zertifikaten in der Regel hohe Gebühren an, welche die Renditen aus steigenden Rohstoffpreisen langfristig extrem schmälern können.

Viele Investoren sind sich nämlich häufig nicht darüber bewusst, dass gerade die Anbieter von Commodity-ETFs, Fonds und ETCs, welche die einzelnen Rohstoffe in physischer Form vorhalten, um das ausgegebene Wertpapier mit einer tatsächlichen Menge eines bestimmten Rohstoffs zu hinterlegen, hohe Lagerkosten zu tragen haben.

Aus diesem Grund sollten sich Anleger vor einer Investition ausreichend Gedanken über die Beschaffenheit des einzelnen Rohstoffs machen. Denn während eine Million Euro in Gold fast in jeden herkömmlichen Rucksack passen, benötigt man für eine Million Euro in Rohöl beim derzeitigen Ölpreis schon weit über 25'000 Fässer mit einem Fassungsvermögen von jeweils einem Barrel bzw. 159 Liter. Somit hat der Preis pro Volumeneinheit eines Rohstoffs eine erhebliche Auswirkung auf die jeweiligen Lagerkosten, die so einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor darstellen.

…oder Rollverlusten

Doch nicht alle Rohstoff-Fonds, ETFs und ETCs bieten einen physischen Anspruch auf den jeweiligen Basiswert. So werden bei sogenannten synthetischen ETFs lediglich die Preisentwicklungen durch Future-Kontrakte abgebildet. Derartige Kontrakte, welche von institutionellen Investoren an der Terminbörse gehandelt werden können, bilden die Marktpreise für Waren ab, die zwar heute gekauft, aber erst in der Zukunft geliefert werden. Im Gegensatz zu einer Direktinvestition in den physischen Rohstoff laufen diese Future-Kontrakte jedoch nach einer gewissen Zeit aus, so dass diese ständig erneuert werden müssen. So muss beispielweise der Anbieter eines synthetischen Commodity-ETFs die jeweiligen Kontrakte, welche die Preisentwicklung des Basiswertes abbilden, fortwährend austauschen. Dabei kommt es häufig zu sogenannten Rollverlusten, welche von der zukünftig erwarteten Preisentwicklung und den momentanen Lagerkosten für den jeweiligen Rohstoff abhängen.

Sofern Investoren nur die tagesaktuellen Preisnotierungen der einzelnen Rohstoffe verfolgen und sich kein genaues Bild davon machen, wie hoch die Rollverluste innerhalb der einzelnen Finanzprodukte ausfallen, können die realen Renditen einer Commodity-Investition ausserordentlich stark von der persönlichen erwarteten Performance abweichen. Anleger, die also mit Hilfe von synthetischen ETFs langfristig an der Preisentwicklung von verschiedenen Rohstoffen partizipieren möchten, sollten unbedingt auch die Preise der zugrundeliegenden Future-Kontrakte im Blick behalten.

Contango vs. Backwardation

Ob für einen Rohstoffinvestor ein Rollverlust oder gar ein Rollgewinn entsteht, liegt am Verlauf der sogenannten Futures-Kurve. In der Regel stellt sich die Situation an der Warenterminbörse jedoch so dar, dass die Futures-Preise über den Spot-Preisen bzw. dem Kassakurs notieren und somit ein späterer Liefertermin höhere Kosten mit sich bringt. Diese Situation, welche auch als Contango bezeichnet wird, führt bei Privatanlegern zu Rollverlusten.

Obwohl die Contango-Situation den Normalfall beschreibt, kann sich die Preissituation an den Warenterminbörsen auch so gestalten, dass der Terminkurs unter dem aktuellen Kassakurs notiert. In solch einer Situation, welche als Backwardation bezeichnet wird, würde der Anleger hingegen einen Rollgewinn erzielen, da sich die Futures-Kurve nach unten neigt und der jeweilige Rohstoff in der Zukunft zu einem günstigeren Preis erworben werden kann.

Je nach Rohstoff können sich die entsprechenden Rollverluste bzw. Rollgewinne stark unterscheiden. Folglich ist es in der Regel so, dass Edelmetalle, wie Gold und Silber, häufig eine geringere Differenz zwischen den einzelnen Future-Kontrakten ausweisen, als Rohstoffe, die stark von der konjunkturellen Lage oder dem Wetter abhängig sind. Dementsprechend fällt der Performance-Unterschied zwischen einem synthetischen Gold-ETFs und dem Goldpreis langfristig nie so extrem aus, wie die Differenz zwischen einem synthetischen Öl-ETF und dem Rohölpreis.

Vorsicht ist besser als Nachsicht

Wie immer, wenn es um das Thema Geldanlage und Investments geht, sollte man sich gerade als Privatanleger natürlich auch bei Rohstoff-Investments ausreichend mit der Materie beschäftigen und hinreichend informieren. Denn gerade bei Geldanlagen im Bereich der Rohstoffe lauern für unerfahrene Anleger viele Stolpersteine, die ein vermeintlich gutes Investment schnell in einen Renditekiller verwandeln können.

Pierre Bonnet / finanzen.ch

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