Experten-Kolumne 22.01.2018 13:05:27

Nachhaltig hohe Performance erlaubt nachhaltig hohe Verzinsung

Kolumne

Alle Assetklassen zeigten eine positive Performance, sämtliche Aktienmärkte legten satt zweistellig zu, einzig Staatsanleihen wiesen Minusrenditen auf. 2017 war ein tolles Jahr für Anleger - vorausgesetzt man blieb investiert. Die Profond erreichte eine Jahresperformance von über 11%. Mit der Senkung des technischen Zinssatzes von 3.5% auf 3.0% investierten wir signifikant in die finanzielle Stabilität der Kasse, gleichzeitig legten wir eine verbindliche Verzinsungspolitik fest. Die Aktivversicherten dürfen sich über eine Verzinsung ihrer Vorsorgegelder von 3.5% freuen.

Aus Angst vor einem Crash, der uns die Jahresperformance vermiesen könnte, überlegten wir uns im Stiftungsrat der Profond im Oktober, ob wir unser Aktienexposure reduzieren bzw. das Verlustrisiko absichern sollten. Wir entschieden uns bewusst dagegen, dies aus zwei Gründen: Erstens, weil die Profond als langfristige Investorin strategisch investiert und nicht taktisch auf kurzfristige Marktbewegungen reagiert. Denn in der Regel wirken sich taktische Massnahmen negativ auf die Performance von Pensionskassen aus. Das zeigt eine Studie der Universität St. Gallen aus dem Jahre 2016, welche die Auswirkung der Governancequalität auf die Anlageperformance von 139 Schweizer Pensionskassen untersucht hat. Zweitens, weil Profond dank ihrer Versicherten- und Anlagestruktur hohe positive Cashflows erzielt und fähig ist, eine starke Korrektur der Aktienmärkte zu verkraften, ohne Liquiditätsengpässe zu befürchten. Mit dieser Anlagephilosophie ist die Profond seit ihrer Gründung im Jahre 1991 gut gefahren. Die Anlagestrategie ist seit jeher durch einen hohen Realwertanteil mit einer Aktienquote von rund 50% geprägt. Mit dieser Strategie wurde über die letzten 26 Jahre eine durchschnittliche Jahresperformance von 5.6% erzielt - und die Altersguthaben mit 4.2 % verzinst. Dies ist durchschnittlich 1.3 Prozent mehr als die vom Bundesrat vorgeschriebene BVG Mindestverzinsung. Dies trotz empfindlicher Performance-Einbussen während der Finanzkrise.

Um auch in Zukunft eine nachhaltig hohe Performance zu erzielen und entsprechende Leistungen an die Versicherten erbringen zu können, aber um für den Fall einer Korrektur der Aktienmärkte vorzusehen, nahm Profond in den letzten Jahren wesentliche Veränderungen in der Asset Allokation und im Aktienportfolio vor. Statt konzentriert in Schweizer Unternehmen zu investieren, sind wir heute global diversifiziert aufgestellt. In Schweizer Aktien investieren wir mittels Smart Beta- Indexmandaten und limitieren so das Exposure zu Index-Schwergewichten, gleichzeitig investieren wir mittels aktiven Mandaten in Nebenwerte. Die Volatilität unseres Aktienportfolios reduzieren wir mittels Minimum-Volatility-Strategien. Im Einklang mit unserer Realwertstrategie erhöhten wir über die vergangenen zwei Jahre die Immobilienquote auf knapp 35% und investierten in Infrastrukturanlagen - dies zulasten unserer Obligationenquote. Wir kauften ein Portfolio mit hochwertigen Schweizer Wohn- und Gewerbeimmobilien sowie eines mit deutschen Gewerbe-, darunter insbesondere Logistikimmobilien. Gleichzeitig tätigten wir erste Investitionen im Bereich der erneuerbaren Energien. Ziel war es, kaum rentierende Obligationen durch Sachwerte mit einer stetigen Rendite zu ersetzen, um unser Portfolio für den Fall einer starken Kurskorrektur an den Aktienmärkten besser abzusichern.

Prognosen für die Zukunft wollen wir keine machen. Die Bewertungen der Aktienmärkte sind sehr hoch, gleichzeitig naht das Ende der globalen Geldschwemme. Weltweit befinden sich die Notenbanken auf dem Rückzug aus der unkonventionellen Geldpolitik des «Quantitative Easing». Die US-Notenbank Fed begann schon vor vier Jahren die Anleihenkäufe schrittweise zu reduzieren und die Leitzinsen zu erhöhen, die EZB drosselte ihr Anleihenkaufprogramm von monatlich 80 Milliarden Euro zu Spitzenzeiten auf nunmehr 30 Milliarden Euro. Auch die Schweizerische Nationalbank bewegt sich in Richtung Normalisierung und kauft seit dem Sommer keine Devisen mehr. Wie die Wirtschaft und die Finanzmärkte den Liquiditätsentzug verkraften werden, wenn zusätzlich zum Fed alle grossen Zentralbanken gleichzeitig versuchen, ihre Geldpolitik zu normalisieren, ist ungewiss. Auch geopolitische Risiken sind nicht zu unterschätzen. Nichtsdestotrotz, die Wirtschaft brummt. Das Weltwirtschaftswachstum liegt mit 3.5% auf einem Sechs-Jahres-Hoch.

Wie gewohnt, reagieren wir nicht taktisch, sondern bleiben unserer Anlagestrategie treu. Wir behalten die hohe Aktienquote bei, weil wir davon überzeugt sind, dass wir nur dadurch langfristig die für eine nachhaltig hohe Verzinsung der Altersguthaben erforderliche Rendite erwirtschaften können. Gleichzeitig investieren wir weiter in Infrastrukturanlagen und erweitern unser Spektrum an alternativen Anlagen. Unser diversifiziertes Portfolio dürfte eine Korrektur der Aktienmärkte abfedern, die stark positive Cashflow-Situation lässt uns auch eine längere Krise durchstehen.

Autor: Dr. Mirjam Staub-Bisang, Stiftungsratpräsidentin, Profond

Der obige Text spiegelt die Meinung des jeweiligen Kolumnisten wider. Die finanzen.net GmbH übernimmt für dessen Richtigkeit keine Verantwortung und schliesst jegliche Regressansprüche aus.


Bildquelle: Profond

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