SMI 11’982 0.5%  SPI 15’373 0.4%  Dow 34’034 -0.8%  DAX 15’711 -0.1%  Euro 1.0901 0.1%  EStoxx50 4’152 0.2%  Gold 1’830 -1.5%  Bitcoin 34’998 -3.2%  Dollar 0.9080 1.1%  Öl 74.1 -0.3% 
Experten-Kolumne 09.06.2021 07:09:41

PIMCO: Vorblick auf die EZB-Sitzung - Eine umfassende gemeinsame Beurteilung

PIMCO: Vorblick auf die EZB-Sitzung - Eine umfassende gemeinsame Beurteilung

Am kommenden Donnerstag findet die nächste EZB-Sitzung statt, und wir erwarten keine wesentlichen Änderungen der Geldpolitik.

Zusammenfassung:

Der EZB-Rat wird das Aufkauf-Tempo des Pandemie-Notkaufprogramms ("Pandemic Emergency Purchase Programme"/PEPP) an die neuesten makroökonomische Quartalsprognosen anpassen. Im Zuge des PEPP-Programms kauft die EZB derzeit € 80 Milliarden pro Monat an Wertpapieren auf, sowie € 20 Milliarden pro Monat im Rahmen ihrer regulären Anlagen-Ankaufprogramme, und wir gehen davon aus, dass diese Strategie im kommenden Quartal weitgehend beibehalten wird. Die EZB könnte beschliessen, das PEPP-Aufkauf-Tempo aufgrund saisonaler Erwägungen etwas zu reduzieren, aber wir gehen nicht davon aus, dass sie eine Reduzierung der Kapitalflüsse signalisieren wird. Die EZB ist der Meinung, dass ihre geldpolitischen Instrumente in ihrer aktuellen Konfiguration für ausreichende Marktunterstützung sorgen. Das ist gar nicht so einfach mit der aktuellen Inflationsprognose von 1,4 % für den Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) der EZB für 2023 in Einklang zu bringen, und diese Prognose wird nächste Woche wahrscheinlich nicht revidiert.

Investor-Implikationen:

Die EZB-Geldpolitik unterstützt europäische Risiko-Anlagen, doch angesichts der aktuellen Bewertungen sehen wir weniger Spielraum für eine beträchtliche Spread-Verengung, die makroökonomischen Aussichten signalisieren weiterhin ein erhöhtes Risiko, und der Beginn einer strikten Fiskalpolitik liegt noch in weiter Ferne.

Zusätzliche Faktoren:

Neue EZB-Prognosen: Die gängige Praxis der EZB, bei ihren Sitzungen eine umfassende gemeinsame Beurteilung des aktuellen Stands der Finanzierungsbedingungen anhand der Inflationsaussichten durchzuführen und die darauf basierenden Prognosen dann vorzulegen, macht die Juni-Sitzung besonders interessant, da das Ergebnis dieser Beurteilung das PEPP-Aufkauf-Tempo im folgenden Quartal massgeblich beeinflussen wird. In ihren jüngsten Prognosen hat die EU-Kommission ihre Wachstumserwartungen für 2021 und 2022 auf 4,3 % bzw. 4,4 % aktualisiert. Eine Revision der Wirtschaftsprognosen der EU-Kommission ist häufig ein Frühindikator für eine Aktualisierung der EZB-Prognosen, und wir erwarten eine ähnliche Verbesserung bei den EZB-Prognosen, während die Wachstumsprognose für das Jahr 2023 wahrscheinlich unverändert bleiben wird.

Die Risiken im Zusammenhang mit den kurzfristigen Wachstumsaussichten werden derzeit als nach wie vor negativ beurteilt, und unserer Ansicht nach besteht die Chance, dass die EZB diese Beurteilung auf ein ausgewogeneres Niveau anheben wird, entsprechend ihrer mittelfristigen Risiko-Beurteilung. Noch wichtiger ist die Inflationsprognose, die zwar angesichts der stärker als erwartet ausgefallenen Marktdaten für das Jahr 2021 etwas ansteigen dürfte, doch die Aussichten für den späteren Prognose-Zeitraum werden sich wahrscheinlich nicht verändern, wobei die relevanteste HVPI-Inflationsprognose für 2023 mit 1,4 % wahrscheinlich unverändert bleiben wird. Derzeit wird die Inflation in der Euro-Zone fast ausschliesslich von Auswirkungen auf die Energiepreise angetrieben, und es gibt keine Anzeichen für eine anhaltende Verstärkung des zugrunde liegenden Preisdrucks. Selbst eine geringfügige Aufwärtskorrektur würde bedeuten, dass die EZB gemessen an ihrer Zielmarke für das Preisstabilitätsniveau innerhalb ihres geldpolitischen Horizonts weiterhin eine erhebliche Unterschreitung des Preisstabilitätsziels prognostiziert.

Aktuelle Strategie: Die EZB-Leitung betont häufig, dass sie das Ziel verfolgt, während des gesamten Pandemie-Zeitraums günstige Kreditbedingungen zu erhalten. Im Gegensatz zur Bank of Japan mit ihrem eindeutigen Rendite-Ziel von 0 % für Staatsanleihen mit 10 jähriger Laufzeit stellt die EZB lediglich klar, dass die Gewährleistung günstiger Finanzierungsbedingungen einen ganzheitlichen und vielschichtigen Ansatz erfordert, und dass sie dies als notwendiges Zwischenziel erachtet, um der Schockwirkung der Pandemie auf den prognostizierten Inflationsverlauf entgegenzuwirken.

Die Geldpolitik-Sitzung im März verschaffte eine bessere Einsicht in die EZB-Strategie, die Quartalsentscheidungen des EZB-Rates bezüglich des PEPP-Aufkauf-Tempos im darauffolgenden Quartal mit einschliesst, anstatt die Umsetzung des Programms dem Direktorium nach dessen eigenen Ermessen zu überlassen. Wir glauben, dass diese Strategie eine Spaltung innerhalb des EZB-Rates repräsentiert, trotz der Präferenz der EZB-Präsidentin für einvernehmliche Entscheidungsfindung. Infolgedessen sitzt die EZB zwischen den beiden Stühlen Geldmenge und Preissetzung, und da die EZB plant, ihr Inflationsziel weitestgehend klar zu verfehlen, haben Anleger und Wirtschaftsakteure mit Unsicherheit bezüglich der EZB-Reaktion zu kämpfen.

Selbst wenn die Renditen in der Euro-Zone auf ein besorgniserregendes Niveau ansteigen, würden wir immer noch davon ausgehen, dass die EZB zuerst mehr verbalen Druck ausüben und schliesslich ihre PEPP-Aufkäufe verstärken wird, doch die EZB wird wahrscheinlich eher reaktiv als proaktiv auf jegliche Veränderungen der Finanzierungsbedingungen reagieren und weniger darauf abzielen, die Volatilität zu unterdrücken, als dies zu Zeiten einer strikteren Preissetzungspolitik der Fall wäre.

Die mittelfristigen Aussichten: Sobald die durch die Pandemie ausgelösten Auswirkungen auf den Inflationsverlauf durch befristete geldpolitische Massnahmen wie PEPP und subventionierte Liquiditätsrückstellungen ausreichend ausgeglichen sind, werden unseren Erwartungen nach die gängigen Instrumente zum Anlagen-Ankauf wieder in den Vordergrund rücken, um den geldpolitischen Kurs nach der Pandemie ab dem Jahr 2022 zu steuern, während Zinssenkungen eher im Hintergrund bleiben werden. In diesem Zusammenhang erwarten wir, dass die Strategie-Revision dazu beitragen wird, die Rolle der Geldpolitik nahe ihrer effektiven Untergrenze zu halten, und dies zu signalisieren. Die EZB beabsichtigt die Präsentation der Ergebnisse der Strategie-Sitzung bei ihrer Geldpolitik-Sitzung im September - der Geldpolitik-Sitzung, auf der wir erwartungsgemäss auch einige Hinweise auf die Zukunft des PEPP-Programms über das vorläufige Enddatum im März 2022 hinaus erhalten werden.

Wir erwarten weiterhin, dass die Strategie-Revision eher evolutionär anstatt revolutionär ausfallen wird, und gehen daher von keinen gravierenden Investor-Implikationen als Folge davon aus. Eine HVPI-Inflationsprognose von 1,4 % für das Jahr 2023 ist sehr niedrig, und wirft einige Fragen auf hinsichtlich der Preisstabilitätserwartungen der EZB sowie bezüglich der Strategie, die derzeitige Konfiguration der geldpolitischen Instrumente einfach länger beizubehalten, anstatt die Kreditbedingungen aggressiv zu lockern. Die Geldpolitik der EZB wird auf Jahre hinaus sehr locker bleiben müssen, und die Revision wird wahrscheinlich eine Ausrichtung auf längerfristige Anpassung und die Normalisierung von bisher unkonventionellen Geldpolitik-Instrumenten zum Ergebnis haben.

Von Konstantin Veit, Portfolio-Manager bei PIMCO

Weitere Links:


Bildquelle: Oliver Hoffmann / Shutterstock.com,Jorg Hackemann / Shutterstock.com

finanzen.net News

Datum Titel
{{ARTIKEL.NEWS.HEAD.DATUM | date : "HH:mm" }}
{{ARTIKEL.NEWS.BODY.TITEL}}

Nachrichten

  • Nachrichten zu Zinsen
  • Alle Nachrichten
pagehit