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30.04.2026 06:36:00
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Fed hält US-Leitzins stabil - Das bedeutet die Entscheidung für Anleger
Neben einer Flut von Quartalszahlen stand heute auch ein wichtiger geldpolitischer Termin auf der Agenda: der Leitzinsentscheid der US-Notenbank Fed. So ist er ausgefallen.
• Spannungsfeld zwischen Inflationsrisiken und Wirtschaftsabkühlung
• Letzter Zinsentscheid unter Fed-Chef Powell
Die US-Notenbank hat ihren Leitzins erneut unverändert gelassen. Der wichtige US-Zinssatz liegt somit weiterhin in einer Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Die Fed hatte bereits bei ihren vergangenen Sitzungen in diesem Jahr Zinspausen eingelegt und Ökonomen hatten auch jetzt mehrheitlich mit dieser Entscheidung gerechnet, da der anhaltende Krieg zwischen den USA und dem Iran für ein unsicheres Umfeld mit deutlich gestiegenen Energiepreisen sorgt.
Die Unsicherheit mit Blick auf die weitere Geldpolitik ist jedoch gross. Schon bei der aktuellen Sitzung zeigten sich grössere Meinungsverschiedenheiten darüber, ob weitere Zinssenkungen in Aussicht gestellt werden sollten. Die drei Ratsmitglieder Beth Hammack, Neel Kashkari und Lorie Logan sprachen sich gegen einen solchen Hinweis im geldpolitischen Statement aus. Ratsmitglied Stephen Miran votierte hingegen schon jetzt für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte. Daher dürften Investoren bei der Pressekonferenz mit Noch-Fed-Chef Powell vor allem auf die Zwischentöne achten - und auf die Frage, wie lange die aktuelle Phase des Stillhaltens noch andauern wird.
Warum die Fed zurzeit weiter abwartet
Das wirtschaftliche Umfeld ist derzeit durch den Iran-Krieg deutlich angespannt. Die anhaltende Schliessung der Strasse von Hormus dürfte auch in den USA die Inflation, die sich ohnehin als hartnäckig erwiesen hat, weiter anheizen und das Wirtschaftswachstum dämpfen. Gleichzeitig zeigen sich am US-Arbeitsmarkt klare Abkühlungstendenzen. Die Notenbank befindet sich damit weiterhin in einem Spannungsfeld zwischen Inflationsbekämpfung und Konjunkturstabilisierung.
Seit Kriegsbeginn Ende Februar ist der Preis für Rohöl der Sorte Brent um rund 55 Prozent in die Höhe geschnellt. Dies schürt die Sorge vor einem neuen Inflationsschub durch steigende Benzin- und Treibstoffpreise, während die Verbraucherzuversicht bereits auf ein Rekordtief gefallen ist. Als Faustregel gilt unter Ökonomen, dass solche Energiepreisschocks die Inflation zeitverzögert nach oben treiben, weshalb das von der Fed bevorzugte Inflationsmass (PCE) zuletzt mit 3,0 Prozent bereits wieder deutlich über dem Zielwert von 2 Prozent lag. Der Energiepreisschock und die unsichere Lage am Arbeitsmarkt zwingen die Notenbanker vorerst an die Seitenlinie.
Mit ihren Zinsentscheidungen versucht die US-Notenbank, einen Kompromiss zwischen stabilen Preisen und möglichst vielen Vollbeschäftigten zu finden. Ist der Leitzins zu hoch, bremst er die Wirtschaft etwa wegen zu hoher Kreditkosten aus. Ein niedrigerer Zins stimuliert zwar Wachstum und den Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.
Noch zu Jahresbeginn hatten viele Marktteilnehmer auf baldige Zinssenkungen gesetzt. Diese Erwartungen haben sich inzwischen jedoch deutlich relativiert. Anhaltende Inflationsrisiken - nicht zuletzt durch den Iran-Krieg und die dadurch erhöhten Ölpreise - sprechen gegen eine schnelle Lockerung der Geldpolitik, auch wenn US-Präsident Donald Trump nicht müde wird, Zinssenkungen zu fordern. Mit ersten Leitzinssenkungen wird nun beispielsweise bei der Société Générale aber erst gegen Ende des Jahres gerechnet.
Das bedeutet die Entscheidung für Anleger und Sparer
Für Anleger bedeutet ein gleichbleibender US-Leitzins vor allem eines: Planbarkeit auf hohem Niveau. Da die Fed die Zinsen nicht weiter anhebt, entfällt zusätzlicher Druck auf die Aktienmärkte, der durch steigende Finanzierungskosten entstehen würde. Gleichzeitig bleibt aber das bestehende Zinsniveau hoch genug, um Aktienbewertungen zu begrenzen. Das bekommen vor allem zinssensitive Tech-Werte zu spüren: Bleiben Zinssenkungen aus, werden zukünftige Gewinne stärker abgezinst - was Kursfantasien dämpfen kann. Andererseits sorgt die Zinspause für eine gewisse Beruhigung: Die Märkte müssen keine abrupten Richtungswechsel einpreisen.
Für Sparer ist eine Zinspause gemischt zu bewerten. Tagesgeld- und Festgeldzinsen bleiben auf einem vergleichsweise hohen Niveau, das sich in den vergangenen Jahren deutlich verbessert hat. Allerdings gilt auch hier: Ohne Zinserhöhungen steigen die Sparzinsen nicht weiter. Die aktuelle Situation ist daher eine Art Plateau. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch die Inflation: Solange diese auf einem erhöhten Niveau liegt, bleibt die reale Rendite für Sparer eingeschränkt.
Letzter Zinsentscheid mit Jerome Powell als Fed-Chef
Der für den Zinsentscheid zuständige Offenmarktausschuss (FOMC) tagte am Mittwoch das letzte Mal unter Führung von Fed-Chef Jerome Powell. Der 73-Jährige scheidet als Vorsitzender des Gremiums planmässig Mitte Mai aus und wird dementsprechend auch heute zum letzten Mal die Entscheidung in der dazugehörigen Pressekonferenz erläutern.
Als Powell-Nachfolger hat US-Präsident Trump den Ökonomen Kevin Warsh nominiert. Dieser muss aber noch vom Senat bestätigt werden. Sollte dies in den nächsten Wochen ohne Komplikationen gelingen, dürfte die nächste Sitzung des FOMC Mitte Juni bereits unter Warsh stattfinden.
Carolin Ludwig, Redaktion finanzen.ch mit Material von awp international und Dow Jones Newswires
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