Experten-Kolumne 11.02.2019 11:01:43

EZB-Zinsschritte: noch später, noch kleiner

Kolumne

So dürfte die EZB unter anderem den Zeitpunkt der ersten Leitzinserhöhung von Ende dieses Jahres auf die erste Jahreshälfte 2020 verschieben und ihre Sprachregelung entsprechend anpassen. Damit würde sie nichts anderes tun als ihre Kommunikation an die ohnehin bestehende Markterwartung anzugleichen. Wir rechnen ausserdem damit, dass der Einlagensatz bereits bei 0% seinen Gipfel erreichen wird - wenn die EZB überhaupt so weit kommt.

Denn selbst für diesen späten und minimalistischen Zinszyklus droht der Zentralbank die Zeit davonzulaufen. Seit Ende letzten Jahres signalisiert die US-Notenbank mehr Zurückhaltung bei ihren Zinserhöhungen. Die sich eintrübende Konjunkturstimmung und die strafferen finanziellen Bedingungen belasten die Aussichten zusehends. Damit schliesst sich zugleich das Zeitfenster für die EZB, um ihre Geldpolitik vor dem nächsten Wachstumseinbruch zu normalisieren, und vielleicht hat es sich sogar bereits geschlossen. Und wenn ja, dann wohl für lange. Die anfällige Wirtschaft des Euroraums mit einer alternden Bevölkerung sieht sich ähnlichen Herausforderungen gegenüber wie die japanische Volkswirtschaft. Die Alterung der Bevölkerung dämpft insbesondere den Inflationsdruck. Für die EZB besteht damit ein nicht unerhebliches Risiko, dass sich die Inflationserwartungen dauerhaft von ihrem Ziel von nahe 2% abkoppeln. Kommt es tatsächlich so, wären langlaufende Anleihen selbst bei Renditen unter einem Prozent gar nicht so unattraktiv. Und Investoren täten dann vielleicht gut daran, wenigstens das zu ernten, was von der Zeitprämie übrig ist.

Andrew Bosomworth, PIMCO

Andrew Bosomworth: Managing Director, Leiter des deutschen Portfoliomanagements bei PIMCO in München

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