Erwartungen enttäuscht 12.09.2019 20:46:57

EZB senkt Einlagenzins und nimmt Nettoanleihekäufe wieder auf

EZB senkt Einlagenzins und nimmt Nettoanleihekäufe wieder auf

Nach Mitteilung der EZB sinkt der Einlagensatz um 10 Basispunkte auf minus 0,50 (zuvor: minus 0,40) Prozent, während Hauptrefinanzierungssatz und Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,00 und 0,25 Prozent bleiben. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten eine Senkung um 10 Basipunkte prognostiziert.

Laut EZB sollen die Zinsen so lange auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau bleiben, bis die EZB eine robuste Annäherung des Inflationsausblicks innerhalb ihres Prognosehorizonts an ein Niveau erkennt, das ausreichend nahe an dem Ziel von "unter, aber nahe 2 Prozent" liegt. Diese Konvergenz muss sich in der Dynamik der grundlegenden Inflation spiegeln. Bisher hatte die EZB zugesagt, die Zinsen mindestens bis Mitte 2020, auf jeden Fall aber so lange wie erforderlich auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau halten zu wollen.

EZB stellt sich auf noch niedrigere Inflations- und Wachstumsraten ein

Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt sich auf noch weniger Wirtschaftswachstum und Inflation ein. Wie EZB-Präsident Mario Draghi in seiner Pressekonferenz nach der Bekanntgabe der geldpolitischen Beschlüsse mitteilte, rechnet der volkswirtschaftliche Stab der EZB für 2019 nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 1,1 (bisher: 1,2) Prozent. Die Wachstumsprognosen für 2020 und 2021 wurden mit 1,2 (1,4) und 1,4 (1,4) angegeben. Laut Draghi überwiegen für dieses Szenario weiterhin die Abwärtsrisiken.

Auch die Inflationsentwicklung wird nach Einschätzung der EZB-Volkswirte gedämpfter als bisher angenommen verlaufen. Für das laufende Jahr rechnen sie nun mit einem Anstieg der Verbraucherpreise von 1,2 (1,3) Prozent. Für 2020 und 2021 werden Inflationsraten von 1,0 (1,4) und 1,5 (1,6) Prozent erwartet.

Zuvor hatte der EZB-Rat beschlossen, seinen Bankeinlagensatz um 10 Basispunkte auf minus 0,50 Prozent zu senken und die Überschusseinlagen der Banken teilweise von diesem Strafzins freizustellen. Darüber hinaus beschloss der EZB-Rat, seine Anleihebestände ab November monatlich um 20 Milliarden Euro zu erhöhen - ohne eine zeitliche Befristung. Der Basiszinssatz der dritten Serie langfristiger und gezielter Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO3) soll nun dem durchschnittlich während der Tenderlaufzeit herrschenden Hauptrefinanzierungssatz entsprechen.

Draghi sagte, das jetzt verabschiedene Massnahmepaket unterstütze eine Rückkehr der Inflation zu ihrem mittelfristigen Zielwert. Von einem "symmetrischen" Inflationsziel sprach der EZB-Präsident nicht. Die Euroraum-Wirtschaft dürfte im dritten Quartal moderat wachsen. Service- und Bausektor zeigten sich widerstandsfähig.

Draghi: Unterschiedliche Meinungen zu Wiederaufnahme der Nettokäufe

Die Wiederaufnahme von Nettoanleihekäufen hat nach Aussage von Präsident Mario Draghi im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht einstimmig befürwortet worden. Draghi sagte in seiner Pressekonferenz zur Erläuterung der aktuellen Beschlüsse, es habe hierfür aber eine klare Mehrheit gegeben. Breite Übereinstimmung gab es laut Draghi zur Notwendigkeit, den Einlagenzins zu senken, zur Zins-Guidance, zur Änderung der Konditionen des TLTRO3 und zur Wiederanlage von Tilgungsbeträgen.

"Es gab keinen Appetit im Rat, über die Anhebung von Ankauflimits zu diskutieren", sagte Draghi. Das liege daran, dass es noch genügend Spielraum im Rahmen der bisherigen Limits gebe. Draghi fügte auf Nachfrage hinzu, die EZB werde in etwa die gleichen Papiere wie bisher kaufen.

Einstimmungkeit herrschte im Rat dazu, dass nunmehr die Finanzpolitik das Hauptinstrument werden müsse. "Regierungen mit Spielraum sollten schnell und effektiv handeln", hiess es dazu im Statement.

Draghi: Schutz von Bankgewinnen ist nicht unsere Aufgabe

Die Einführung eines zweistufigen Systems von Einlagenzinsen dient nach Aussage von EZB-Präsident Mario Draghi nicht der Profitabilität der Banken. "Der Schutz der Bankgewinne ist nicht die Aufgabe der Europäischen Zentralbank", sagte Draghi in seiner Pressekonferenz zur Erläuterung der aktuellen Beschlüsse. Allerdings müsse die EZB dafür sorgen, dass die geldpolitische Transmission funktioniere, und die Euroraum-Wirtschaft basiere stark auf Banken. Die EZB dürfte um 15.30 Uhr mitteilen, wie sie sich das zweistufige System von Einlagenzinsen vorstellt.

EZB stellt das Sechsfache des Reservesolls vom Einlagenzins frei

Die Europäische Zentralbank (EZB) will das Sechsfache des Reservesolls jeder Bank, die der Mindestreservepflicht unterliegt, von dem auf minus 0,50 Prozent gesenkten Einlagenzins freistellen. Laut EZB-Mitteilung liegt der Satz für Reserven in der Einlagefazilität bei minus 0,50 Prozent. Geld auf EZB-Konten ausserhalb der Reservefazilität wird ab 30. Oktober bis zum Sechsfachen des Reservesolls mit 0,00 Prozent verzinst, darüber hinausgehende Einlagen mit 0,00 Prozent oder dem Einlagensatz - je nachdem, was niedriger ist.

Die EZB will mit dieser Regelung sicher stellen, dass die bankbasierte Übertragung des geldpolitischen Signals intakt bleibt, ohne dass es dabei zu einer "unangemessenen Beeinflussung" der kurzfristigen Geldmarktzinsen kommt.

FRANKFURT (Dow Jones)

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