Geldpolitik 07.03.2019 15:19:00

EZB sagt unveränderte Zinsen bis Ende 2019 zu und kündigt TLTRO an

EZB sagt unveränderte Zinsen bis Ende 2019 zu und kündigt TLTRO an

Nach Mitteilung der EZB sollen die Leitzinsen nun bis mindestens Ende 2019 auf ihrem aktuellen Niveau bleiben - auf jeden Fall aber so lange wie erforderlich, um eine fortgesetzte nachhaltige Annäherung der Inflation an ein Niveau von unter, aber nahe 2 Prozent auf mittlere Sicht sicherzustellen. Bisher hatte die EZB unveränderte Zinsen "über den Sommer 2019" zugesagt. Volkswirte hatten überwiegend eine unveränderte Zins-Guidance erwartet.

Darüber hinaus will die EZB eine dritte Serie sehr langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO3) begeben, deren Konditionen nicht so grösszügig sein werden wie die der ab 2020 fälligen TLTRO2. Laut Mitteilung will die EZB zwischen September 2019 und März 2021 in jedem Quartal ein Geschäft mit zweijähriger Laufzeit begeben, dessen Zins an den während der Laufzeit herrschenden Hauptrefinanzierungssatz gebunden ist. Die Banken dürfen im Rahmen dieser Geschäfte Kredite in Höhe von maximal 30 Prozent ihres berücksichtigungsfähigen Kreditbestands aufnehmen (Stichtag: 28. Februar 2019).

Die TLTRO3 sollen Anreize für die Aufrechterhaltung günstiger Kreditkonditionen enthalten. "Diese Operationen sollen für günstige Finanzierungsbedingungen sorgen und den geldpolitischen Übergang abfedern", teilte die EZB mit. Weitere Details sollen noch veröffentlicht werden. Die EZB will ausserdem im Rahmen ihrer Refinanzierungsgeschäfte mindestens bis März 2021 am Prinzip der Vollzuteilung zum Festzins festhalten.

Unverändert liess die EZB ihre Forward Guidance zur Entwicklung des Anleiheportfolios. Die Tilgungsbeträge der im Rahmen des APP-Programms erworbenen Wertpapiere will sie weiterhin für längere Zeit nach dem Beginn von Leitzinserhöhungen voll wieder anlegen, in jedem Fall aber so lange wie erforderlich, um günstige Liquiditätsbedingungen und eine umfangreiche geldpolitische Akkommodation aufrechtzuerhalten.

Der Rat beliess den Hauptrefinanzierungssatz bei 0,00 Prozent, den Spitzenrefinanzierungssatz bei 0,25 Prozent und den Satz für Überschusseinlagen von Geschäftsbanken bei minus 0,40 Prozent.

Pressekonferenz mit EZB-Präsident Mario Draghi

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss sich auf ein deutlich schwächeres Wachstum mit einer niedrigeren Inflation einstellen. Nach Aussage von EZB-Präsident Mario Draghi rechnet der volkswirtschaftliche Stab der EZB für 2019 mit einem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von nur noch 1,1 (bisher: 1,7) Prozent. Die Prognose für 2020 wurde mit 1,6 (1,7) und die für 2021 mit 1,5 (1,5) Prozent angegeben. Die Risiken für diesen Ausblick seien noch abwärts gerichtet; allerdings dürften die den Ausblick schwächenden Faktoren mit der Zeit schwinden.

Auch die Inflationsaussichten schätzt der EZB-Stab laut Draghi schwächer als im Dezember ein. Die Inflationsprognosen wurden auf 1,2 (1,6), 1,5 (1,7) und 1,6 (1,8) Prozent gesenkt. Die Kerninflationsprognosen werden erst nah dem Ende von Draghis Pressekonferenz veröffentlicht.

Draghi sagte, die über den gesamten Prognosehorizont gesenkten Inflationsprognosen beruhten hauptsächlich auf dem schwächeren kurzfristigen Wachstumsausblick.

Der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) hat seine aktuellen Entscheidungen einstimmig gefällt. Präsident Mario Draghi sagte in der Pressekonferenz zur Erläuterung der Beschlüsse: "Die Entscheidungen fielen einstimmig. Das ist ein sehr wichtiges Signal für den Zusammenhalt des EZB-Rats."

Laut Draghi war der Hauptgrund für den Beschluss, neue langfristige Refinanzierungsgeschäfte zu begeben, der Ausblick für die Bankenrefinanzierung.

Im Juni fällt die Restlaufzeit des ersten Geschäfts der zweiten Serie zielgerichteter langfristiger Refinanzierungsgeschäfte (TLTRO2) unter ein Jahr. Knapp 400 Milliarden Euro an EZB-Krediten helfen dann nicht mehr bei der Erfüllung regulatorischer Liquiditätskennziffern. Insgesamt werden in den zwölf Monaten ab Juni 2020 TLTRO von 739 Milliarden Euro fällig.

DJG/hab/apo

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