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Zeit wird knapp 20.05.2026 15:22:00

Ölpreise über 100 Dollar: Warum Anfang Juni kritisch werden könnte

Ölpreise über 100 Dollar: Warum Anfang Juni kritisch werden könnte

Geopolitische Spannungen und Verzögerungen an der Strasse von Hormus sorgen derzeit für Nervosität an den Rohölmärkten. Analysten warnen vor drastischen Folgen.

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• Ölpreise bleiben wegen Hormus-Risiken erhöht
• HFI warnt vor möglichem Angebotsdefizit
• Extreme Preisszenarien bleiben laut Analyse möglich

Die globalen Rohölmärkte befinden sich derzeit in einer angespannten Phase. Auslöser sind geopolitische Spannungen sowie Transportprobleme an der Strasse von Hormus - einem der wichtigsten Nadelöhre des weltweiten Tankerverkehrs. In der Folge geraten Lieferketten zunehmend unter Druck: Da ein Teil der Tankerflotte aufgehalten wird, wächst die Unsicherheit über die kurzfristige Versorgungslage.

An den Handelsplätzen zeigt sich die Nervosität ebenfalls deutlich. Die Ölpreise verharren infolge der Unsicherheit auf erhöhtem Niveau über der Marke von 100 US-Dollar. Für die US-Sorte WTI werden derzeit rund 101 US-Dollar je Barrel gezahlt, während Brent bei etwa 109 US-Dollar notiert.

Angespannte Angebotslage im Fokus

Wie angespannt die Lage ist, unterstreicht eine Analyse der Branchenexperten von HFI Research. Demnach deutet vieles auf ein erhebliches Ungleichgewicht am physischen Markt hin. Die Analysten sprechen von einem möglichen täglichen Versorgungsdefizit im zweistelligen Millionen-Barrel-Bereich - eine Einschätzung, die allerdings stark von den zugrunde liegenden Annahmen zur tatsächlichen Angebotsunterbrechung abhängt.

HFI Research verweist dabei auf einen möglichen "Breaking Point" des Ölmarkts. Gemeint ist ein Punkt, ab dem sinkende Lagerbestände und anhaltende Lieferausfälle deutlich stärkere Marktreaktionen auslösen könnten. Laut der Analyse könnten sich die Auswirkungen längerer Störungen an der Strasse von Hormus zeitverzögert in den globalen Lagerdaten bemerkbar machen, sobald bereits verschiffte Mengen vollständig ausgeliefert wurden.

Während weite Teile des Marktes derzeit noch auf eine Normalisierung der Lage bis zum Sommer hoffen, warnt HFI Research, dass bereits Anfang Juni ein dramatischer Wendepunkt droht. Zu diesem Zeitpunkt dürften die bisherigen Transportpuffer auf dem Wasser endgültig erschöpft sein, was zu einem historischen Einbruch der Lagerbestände an Land führen und eine echte Panikwelle unter den Marktteilnehmern auslösen könnte.
In einem solchen Szenario steigt der Druck auf Raffinerien erheblich. Diese müssten ihre Verarbeitung anpassen und wären gezwungen, höhere Preise für kurzfristig verfügbare Lieferungen zu akzeptieren. Gleichzeitig könnte es zu stärkeren Differenzen zwischen physischen Preisen und Terminmarkt-Notierungen kommen, da Letztere zusätzlich von spekulativen Faktoren beeinflusst werden.

Die Experten verweisen zudem darauf, dass sich die Lage weiter verschärfen könnte, falls Staaten oder Unternehmen beginnen, zusätzliche Mengen zur Absicherung der Versorgung zu kaufen oder strategische Reserven zurückzuhalten. In diesem Umfeld seien laut der Analyse auch deutlich höhere Ölpreise denkbar. Die Experten halten dabei Preisregionen von über 150 US-Dollar je Barrel für möglich, betonen jedoch ausdrücklich, dass es sich dabei nicht um ihr Basisszenario handelt.

Nachfrage und mögliche Marktreaktionen

In dem Forschungsbericht verweisen die Branchenkenner zudem auf die geringe Preiselastizität der Ölnachfrage. Kurzfristig reagiert der Verbrauch nur begrenzt auf steigende Preise. Um ein grosses Angebotsdefizit allein über den Preis auszugleichen, wären daher deutliche Preissteigerungen erforderlich - mit entsprechenden Risiken für die globale Konjunktur.

Sollten die Störungen anhalten, könnten neben marktgetriebenen Anpassungen auch politische Massnahmen an Bedeutung gewinnen. Denkbar wären etwa strategische Freigaben von Reserven oder Massnahmen zur Dämpfung der Nachfrage in Verbraucherländern. Ein struktureller Kollaps des Marktes gilt derzeit jedoch weiterhin als Extremszenario und hängt massgeblich von der weiteren geopolitischen Entwicklung ab.

Claudia Stephan, Redaktion finanzen.ch

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Bildquelle: Simone Voigt / Shutterstock.com,ssuaphotos / Shutterstock.com,Pavel Chagochkin / Shutterstock.com
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